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Multimedia Lügen und Abzocke rund um die Uhr

Schamanen, Kartenleger und Wahrsager der Sendung «Eso-TV» animieren die Zuschauer täglich zum Anrufen: Für 4.50 Franken pro Minute bieten sie auch gefährliche Lebenshilfe an. Mit teilweise illegalen Methoden nehmen die Wahrsager Menschen in schwierigen Lebenslagen aus.

Legende: Video Lügen und Abzocke rund um die Uhr abspielen. Laufzeit 12:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 06.03.2012.

Die Esoterik-Werbesendung «Eso-TV» täuscht die Zuschauer mit gefälschten Telefonanrufen. Hellsichtige und «wahrsagende» Schamanen, Kartenleger, spirituelle Medien und Wahrsager sagen den Zuschauern auf dem Schweizer Sender 3+ für 4.50 Franken pro Minute was sie tun sollen.

Die allermeisten selbsternannten Beraterinnen und Berater bei «Eso-TV» haben etwas gemeinsam: Sie überschätzen sich masslos und haben den Glauben, übersinnliche und mystische Fähigkeiten zu haben. Doch nachprüfbare Qualifikationen haben sie nicht.

Sie sind Vertreter einer Gilde, die den Aberglauben extrem fördert. Also den Glauben, dass irgendwelche komische Karten über das Schicksal etwas aussagen können.

Opfer sind zumeist Frauen

Die meisten Anruferinnen sind Frauen zwischen 40 und 65 Jahren. Viele von Ihnen stecken in Krisen uns sind entsprechend empfänglich für das esoterische Geschwätz von «Eso-TV». Statt selber zu entscheiden holen sie sich Rat bei dubiosen Esoterikern. «Kassensturz» kennt Personen, die mehrere Tausend Franken in sinnlose Beratungen investiert haben.

«Eso-TV» ist in 20 Ländern tätig

«Eso-TV» sendet täglich auf 3+ und «Star TV». Es ist eine international verflochtene Firma mit Sitz in Malta und Fernseh-Shows in 20 Ländern. Für die Schweiz «arbeiten» 50 Berater und Beraterinnen. Finanziert wird die Sendung hauptsächlich durch kostenpflichtige Telefon-Nummern. Wer eine Beraterin kontaktieren will, zahlt 4.50 Franken pro Minute.

Moderatoren rufen selbst an

Das Aushängeschild ist René Hürter. Er selbst nennt sich gerne Flathan. Ausgerechnet bei Star-Moderator René Hürter sinkt das Niveau bedenklich nahe an den absoluten Tiefstand/Nullpunkt.

Legende: Video «Kassensturz»-Interview mit Wahrsager Flathan (René Hürter) in Budapest abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Kassensturz vom 06.03.2012.

«Kassensturz» hat Sendungen der letzten zwölf Monate angeschaut. Neben allerlei abstrusen und falschen Prognosen ist vor allem die Täuschung mit Anrufen aus der eigenen Reihe aufgefallen: Moderatoren rufen unter falschem Namen als Zuschauer in die Sendung an.

Dabei bestätigen sie der Moderatorin eine unglaubliche Trefferquote bei den Prognosen: «Super, woher wissen Sie das.» «Unglaublich, das stimmt genau. Alle müssen Sie anrufen. Sie sind eine unglaublich gute Wahrsagerin.» Die Anrufer werden getäuscht.

«Das ist Betrug, wenn die Täuschung arglistig ist», sagt Strafrechtsprofessor Christof Riedo von der Universität Freiburg ist das Betrug: «Es zeigt die Machenschaften. Es geht den Produzenten der Sendung darum, die Leute zu motivieren anzurufen. Und das machen sie, in dem sie den Leuten eine Qualität einer Leistung vortäuschen, die es so natürlich wahrscheinlich nicht gibt.»

Mann auf Laptopbildschirm
Legende: Flathan (René Hürter) in Action SRF

«Eso-TV» schreibt: «Diese Vorgänge sind uns nicht bekannt und sind verboten! Wir werden aber dem nachgehen und gegebenenfalls sanktionieren. Derzeit wissen wir davon nichts!»

Bakom nimmt nicht Stellung

Weshalb unterbindet diese Betrügereien niemand? Zuständig ist das Bakom. Das Bakom vergibt sowohl die teuren 0900-Nummern und ist auch zuständig für TV-Sender. Ein Interview beim Bakom erhält Kassensturz nicht.

Denn das Bakom streitet ab zuständig zu sein: «Wir sind nicht zuständig – und haben entsprechend keine Kompetenz -, Betrug zu erkennen und solche Tätigkeiten zu unterbinden.» Erst wenn ein Strafgericht Betrug feststelle, «können wir aufgrund des entsprechenden Urteils die Rufnummer entziehen.»

Auch Behörden unternehmen nichts

Was «Eso-TV» bietet, gilt gemäss Strafrechtsprofessor Christof Riedo als gewerbsmässiger Betrug und wäre somit ein Offizialdelikt. Das bedeutet: Strafverfolgungsbehörden müssten von sich aus eine Untersuchung einleiten.

Der K-Tipp hatte schon vor Monaten die Staatsanwaltschaften von Basel, Bern, Zürich sowie die Kantonspolizei St. Gallen gefragt, ob gegen «Eso TV» eine Untersuchung laufe. Doch dem ist nicht so.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Bührer, Seuzach
    Hallo Erst mal ein ganz dickes Lob an Kassensturz. Ich frage mich schon länger wie sowas in der Schweiz möglich ist???. Da wird mit gutgläubigen, teils nach Hilfe schreienden, Menschen auf einen ganz miese Art das Grosse Geld gemacht. Was mich aber noch viel nachdenklicher macht. Ist das weder das BAKOM, noch andere Stellen sich der Verantworung anehmen. Wie kann man den sonst gegen solche Machenschaften vorgehen? Initiative? Petition? Ich wäre sofort dabei. Ich bin echt sauer
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  • Kommentar von Monica Zehnder, Ins
    Warum geht man nur mit eso-tv vor? Es gibt ja auch eine scweizer Gruppe die jeden Abend zu sehen ist.
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  • Kommentar von G. Müller, Zürich
    eso tv verkauft am 10.4.2013 Aktivierung eines nichtexistierenden Geldmagneten, der mit kritiktötendem Positivismus aktiviert werden könne. Klartext, die Scharlatane manipulieren die Leichtgläubigen. Gekonnt programmieren sie Menschen auf ein gieriges, abstruses Wunscherfüllungsdenken. Verkaufen also persönlich zugeteilte, eigenkreierte Zeichen, welche allesamt auf hellblaue Notizblockzettel gemalt und überall hin gelegt werden sollten.
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    1. Antwort von H.Meier, wiesendangen
      Was wenn solche Zettelleger irgend einmal unter psychologisch - oder altersbedingte Betreuung geraten? Werden sie womöglich als psychisch krank stigmatisiert? Mit Positivismus werden Leichtgläubige manipuliert. Eine Dame legt dreifach Karten übereinander und das kostet den Kunden denn freilich auch dreifach, da jedes Deck für sich analysiert wird. Das ist Wucher. Zudem bauen sich Aussagen mittels Karten meist auf Hot- oder Cold Reading auf und weitere Tricks sind uns ja ebenfalls bekannt.
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