Preisüberwacher fordert separate Roamingverträge

Die Schweizer Mobilfunkanbieter verrechnen horrende Roaming-Gebühren: 857 Millionen Franken wurden letztes Jahr für Gespräche, Surfen und SMS in ausländischen Netzen verrechnet. Um die Gebühren zu senken, verlangt Preisüberwacher Stefan Meierhans, das Roaming von den Handy-Verträgen abzukoppeln.

Eine Frau sitzt am Strand im Liegestuhl und telefoniert mit dem Handy Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kann man bei Roaminggebühren bald einen eigenen Anbieter wählen? Colourbox

«Beim Roaming gibt es kaum Wettbewerb zwischen den Anbietern. Das muss sich ändern!», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans im Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. Mit seinem neuen Vorschlag will er mehr Wettbewerb ins Geschäft bringen: «Der Roaming-Teil eines Mobilfunk-Vertrags müsste separat verkauft werden.» Beides solle über dieselbe Telefonnummer laufen.

«Grundabo bei Swisscom, Roaming bei anderem Anbieter»

Meierhans macht ein Beispiel: «Wenn jemand bei Swisscom einen Mobilfunkvertrag abschliesst, dann müsste ihm die Swisscom sagen, dass er das Roaming auch bei einem anderen Schweizer Anbieter beziehen kann.» Der Preisüberwacher ist überzeugt, dass dies den Wettbewerb ankurbeln und die Roaming-Preise senken würde.

Orange-Sprecherin Therese Wenger betont, der Vorschlag des Preisüberwachers mit separaten Roaming-Verträgen sei nicht neu. Man kenne ihn bereits aus der EU: «Wobei wir noch keine konkreten Lösungen gesehen haben, wie dies umgesetzt werden soll. Es wird in Zukunft aber sicher Lösungen geben, welche das Roaming nochmals vergünstigen.» Konkreter wird Wenger nicht.

Alternative: Über App in ausländische Netze einwählen

Bei Sunrise glaubt man nicht, dass sich der Vorschlag des Preisüberwachers durchsetzen wird: «Aus unserer Sicht ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Kunde eines Schweizer Telekom-Anbieters in Zukunft das Roaming über einen anderen Schweizer Anbieter laufen lässt», sagt Sunrise-Sprecher Tobias Kistner.

Viel eher setze sich beim Roaming eine Neuerung durch, welche die EU auf den Sommer 2014 umsetzen will: Handy-Kunden sollen sich im Ausland über eine App ins Datennetz eines lokalen Anbieters einwählen können. Dann können sie zeitlich befristet zum Preis dieses ausländischen Anbieters surfen.

Diese Neuerung steht auch bei der Swisscom im Focus. Swisscom-Sprecherin Annina Merk sagt dazu: «Das prüfen wir. Es ist einfach noch offen, ob die europäischen Anbieter dies für Schweizer Handy-Kunden zulassen werden.» Den aktuellen Vorschlag des Preisüberwachers will die Swisscom noch nicht kommentieren.