Zum Inhalt springen

Header

Der Sunrise-Hauptsitz in Zürich-Oerlikon.
Legende: Der Sunrise-Hauptsitz in Zürich-Oerlikon. PD
Inhalt

Multimedia Sunrise verrechnet jahrelang unnütze Dienste

Sunrise weist Kunden nicht auf Doppelspurigkeiten bei den Abos hin. Eine Kundin bezahlte während 10 Jahren über 3000 Franken für einen Internet-Dienst, den sie nicht nutzen konnte. Betroffen könnten noch mehr Kunden sein, überprüfen müssen diese das jedoch selber.

Im Jahr 2000 hat der Vater von «Espresso»-Hörer Clemens Gander bei Sunrise ein «Surfmax»-Abo abgeschlossen. Damit konnte die Familie Gander zu gewissen Tageszeiten gratis ins Internet.

Zwei Jahre später der Wechsel zu einem ADSL-Abonnement. Damit war die «Surfmax»-Option überflüssig. Darauf aufmerksam gemacht hat Sunrise die Kunden jedoch nicht – und weiterhin 30 Franken im Monat kassiert. In 10 Jahren haben Ganders über 3000 Franken zu viel bezahlt.

«Ich bin hässig auf Sunrise!»

Auch als der Vater von Clemens Gander starb und die Mutter den Vertrag übernahm, blieb ein Hinweis von Sunrise aus. Erst als Clemens Gander den Anbieter für seine Mutter wechselte, bemerkte er, dass sie während Jahren zu viel bezahlt hatte. «Ich bin hässig! Der Dienst ergibt heutzutage keinen Sinn mehr», nervt sich Clemens Gander im Konsumentenmagazin «Espresso».

Tatsächlich: Sunrise bietet «Surfmax» seit 2007 gar nicht mehr an. Bestehende Abonnemente laufen jedoch weiter. «Die Kundin hat all die Jahre anstandslos bezahlt. Wir sind davon ausgegangen, dass alles in Ordnung war», rechtfertigt sich Sunrise-Sprecher Tobias Kistner.

Eigenverantwortung der Kunden oder Schadenminderungspflicht?

Ein «Surfmax»-Abo müsse gekündigt werden und werde nicht automatisch eingestellt, wenn ein neuer Dienst abonniert werde, so Tobias Kistner weiter.

Und: Sunrise mache Kunden generell nicht auf Doppelspurigkeiten aufmerksam. Es gebe schliesslich auch Kunden, die ein zweites Mobil-Abonnement abschliessen: «Diese Kunden machen wir auch nicht darauf aufmerksam, dass sie bereits eins haben.»

Diese Argumentation lässt «Espresso»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner nicht gelten: «Jeder Anbieter hat eine Schadenminderungs-Pflicht. Sunrise musste wissen, dass die zwei Dienste zusammen keinen Sinn ergeben und hätte dafür sorgen müssen, dass der Kundin kein Schaden entsteht.»

Ombudscom vermittelt in Streitfällen

Ob noch mehr Kunden betroffen sind und seit Jahren zu viel bezahlen, kann Sunrise auf Anfrage von «Espresso» nicht sagen. Man könne Kunden lediglich raten, die Rechnungen zu prüfen und sich zu melden, falls etwas unklar ist.

Der Fall der Familie Gander ist Sunrise unangenehm. Zuerst wurde Frau Gander eine Gutschrift von 250 Franken versprochen. Als «Espresso» sich bei Sunrise meldete, wurde diese Gutschrift auf rund 1000 Franken aufgestockt. Zu wenig, sagt «Espresso»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner.

«Ganders können den zu viel bezahlten Betrag der letzten 5 Jahre zurückfordern, das wären 1800 Franken.» Ältere Forderungen sind verjährt.

Geht Sunrise nicht auf diese Forderung ein, kann Clemens Gander für seine Mutter an die Schlichtungsstelle Kommunikation Ombudscom gelangen. Diese vermittelt bei Streitfällen mit Telekommunikationsunternehmen.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Piero Altomare , Rothenburg
    Ich war ab 2003 Sunrise Kunde (ADSL Vertrag). September 2007 entschied ich mich von ADSL zu VDSL zu wechseln. Schon die Inbetriebnahme war ein Drama.Im September 2010 habe ich auf der Rückseite der Sunrise Rechnungen festgestellt, dass sie mir den ADSL Dienst weiter in Rechnung gestellt hat. Nach 3 Jahren habe ich so 3'000 sFr zu viel bezahlt. Sunrise hat mir kommentarlos nur 1'000 sFr. zurück erstattet. Auch meine nachfolgende Kündigung verlief "Sunrise-Mässig".
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Robert Ammell , Basel
    Würde Sunrise den Surfmax-Service heute noch anbieten, dann bin ich der Meinung, dass die Schuld bei der Familie liegt, sie müssen ja selber wissen was für Abos sie haben. Wie Sunrise sagt, können zwei Dienste sehr wohl sinnvoll sein.

    Da es diesen Service aber seit 2007 nicht mehr gibt, und Sunrise für eine nichtexistierende Dienstleistung Geld verlangt hat, ist offensichtlich nicht die Familie schuld.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Chistolini Monika , Vacallo Tessin
    Auch ich habe schlechte Erfahrungen mit Sunrise gemacht, letzthin wurde mein Service (Haustelefon und Internet) ohne dass ich vorher informiert wurde, fuer 48 Stunden unterbrochen. Dies weil innerhalb der Firma, die rechte Hand nicht weiss was die linke macht. Ich habe meinen Vertrag nach mehr als 10 Jahren mit Sunrise nun gekuendigt und warte zur Zeit auf die Antwort.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten