Paranormalen-Test 1: Der Pendler

Jenseitskontakte, Hellseherei, Löffelbiegen. Viele Personen werben mit übersinnlichen Fähigkeiten. Erstmals stellen sich sieben von ihnen in der neuen «Kassensturz»-Serie einer Jury, die über jeden Zweifel erhaben ist. Wer den Test besteht, gewinnt 10‘000 Franken. Erster Teil: Der Pendler.

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Teil 1 des Übersinnlichen-Test: Der Pendler

10 min, aus Kassensturz vom 2.10.2012

Der Kandidat

Der gelernte Käser und Alphornbläser Ernst Bieri ist 78 Jahre alt und lebt im Entlebuch. Er sagt, dass er Orte aufspüren kann, wo negative Strahlen aus der Erde dringen. Er bekämpft sie mit einem Schutzschild: «Das Plättli wirkt gegen Wasseradern, Erdstahlen, Elektrosmog», sagt Bieri.

Das Schutzschild ─ ein Plastik-Medallion ─ funktioniere dank einem Jahrtausend alten, einzigartigen, geheimen Ritual. «Das Plättli, da steckt nichts drin. Das ist nur Material. Aber mit dem Ritual, das ich machen muss, kommt die Kraft hinein», erklärt Bieri.

Er betreibt zusammen mit seiner Partnerin eine Naturheilpraxis und verkauft das Schutzschild. Diese helfe praktisch überall, verspricht die Werbung auf der Homepage. Plötzlich würden Eheleute wieder miteinander reden, Depressionen verschwinden, Rheuma heilen.

Der Schutz halte lebenslang - «mit 100 prozentiger Garantie». Sogar vor Krebs schütze das Plättli. Durchschnittlich 700 Franken verlangt Bieri um eine Wohnung zu entstören. Schutzschild inklusive.

Der Test

Erwin Bieri behauptet, er könne mit dem Pendel Grander-Wasser von herkömmlichem Wasser unterscheiden. Esoteriker sagen dem Grander-Wasser besondere Fähigkeiten nach. Das Wasser sei mit geheimnisvollen Informationen geladen.

Ernst Bieri Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ernst Bieri SRF

Ein Juror füllte neun Becher mit normalem Wasser. In einem zehnten befand sich Grander-Wasser. Die gefüllten Becher wurden unter neutralen Plastikbehältern versteckt. Es war ein doppelter Blindtest. Auch die Experten wussten nicht, wo das Grander-Wasser ist. Die Becher wurden nach jedem Versuch neu geordnet.

13 Versuche hatte der Pendler. Sieben Mal sollte er den Grander-Becher orten. Das hätte den Zufall ausgeschlossen. Dann hätte Bieri 10'000 Franken erhalten.

Das Resultat

Nach drei erfolglosen Versuchen gab Erwin Bieri auf. Er sagte dazu: «Erklärung habe ich nicht. Es hat immer gewirkt. Ist es die Aufregung? Ich habe es bisher immer rausgefunden. All die Jahre, seit 1994. Und jetzt hier geht es nicht.»

Rainer Bunge, Jurymitglied und Professor an der Hochschule für Technik Rapperswil, sagt dazu: «Der Esoteriker und der Wissenschaftler haben zwei völlig verschiede Ansätze mit Messresultaten umzugehen, die nicht in ihre Theorie passen. Die Wissenschaftler, zum Beispiel ich, beginnen an der Theorie zu zweifeln, wenn die Ergebnisse in eine völlig andere Richtung zeigen. Der Esoteriker zweifelt an den Messergebnissen und stellt seine Theorie nicht in Frage.»