«Der Abendverkauf ist kein Bedürfnis»

Längere Ladenöffnungszeiten und Abendverkauf: Diese Themen sorgen seit den 1960er-Jahren in der Schweiz für rote Köpfe. Damals schätzten die Konsumenten die grössere Flexibilität, doch Gewerkschafter und Kleingewerbler wehrten sich mit Händen und Füssen, wie die Serie «Espresso retro» zeigt.

Offene Ladentüren bis um halb neun Uhr Abends: Der sogenannte Abendverkauf begann in der Schweiz Ende der 1960er-Jahre. Nach und nach wurde in vielen Städten und Kantonen ein Abendverkauf eingeführt, oft war es ein grosses Volksfest mit Musik und Unterhaltung.

«Unerfreulich und unerwünscht»

Doch nicht überall kamen die gelockerten Ladenöffnungszeiten gut an. Die Gewerkschaften und die Kleingewerbler behaupteten, der Abendverkauf sei kein Bedürfnis der Konsumenten. Und das Aushilfspersonal, das an solchen Abenden eingesetzt werde, könne die Kunden gar nicht richtig beraten.

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«Espresso retro»

«Espresso retro»

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Auch der Zürcher Detailhändlerverband regte sich in der NZZ über den Abendverkauf auf: «Die nach überseeischem Vorbild einreissende Umwandlung der Einkaufsgepflogenheiten sind unerfreulich und unerwünscht.»

Einkaufen zum Freizeitvergnügen hochstilisiert

Wie Strassenumfragen der damaligen Konsumentensendung «Index 5 vor 12» zeigen, waren viele Konsumentinnen und Konsumenten durchaus für die Verlängerung der Einkaufszeiten. Auch die Verkäuferinnen sahen Vorteile, vor allem in den flexibleren Arbeitszeiten und dem willkommenen Zusatzverdienst.

Kritisiert wurde jedoch die schlechte Bezahlung: Eine Aushilfsverkäuferin verdiente im Jahr 1979 bloss 7.50 Franken pro Stunde. Die Konsumentenschützer wiederum ärgerte, dass die Detailhändler das Einkaufen absichtlich zum Freizeitvergnügen hochstilisierten, um mehr Umsätze zu generieren.