Spraydosen: Von der Theorie zum Ozonloch

Dass das Triebgas aus Spraydosen die Ozonschicht gefährde, sei nicht mehr als eine Theorie. Das sagte die Schweizer Industrie noch in den 1970-er Jahren. Die Serie «Espresso retro» zeichnet den langen Weg zum kompletten Verbot von ozonschädigenden Chemikalien nach

Ob in Spraydosen, Reinigungsmitteln oder Kühlschränken: Stoffe, die die Ozonschicht besonders gefährden, sind heute verboten – weltweit und selbstverständlich. Der Rückblick auf 40 Jahre Konsumentenmagazine im Radio zeigt aber: Der Weg zum Verbot war lange und steinig.

1975

Die neue Konsumentensendung «Index 5 vor 12» von Radio DRS berichtet über eine US-Forschungsarbeit aus dem Jahr 1974: «Das Triebgas der sogenannten Aerosol-Spraydosen könnte die Ozonschicht in der Atmosphäre schädigen oder sogar zerstören.» Damit sei unser Schutz vor ultravioletten Strahlen und damit auch vor Hautkrebs gefährdet. Die Aerosol-Industrie erklärt, der Zusammenhang sei nicht bewiesen, sondern Ergebnis einer «reinen Computer- und Retorten-Simulation».
1975: Dr. Roth, Sprecher der Schweizer Aerosol-Industrie, über Spraydosen, die mit reiner Luft sprühen.

1980

«Index 5 vor 12», 1980.

1:01 min, aus Espresso vom 15.12.2014

Die Schweizer Spraydosen-Industrie bleibt beim Thema Ozonschicht dabei: «Die Theorie ist auch heute noch nicht bewiesen. Und von unwiderbringlichen Schäden kann überhaupt keine Rede sein.» Länder wie die USA oder Schweden haben Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) bereits verboten. In der Schweiz wird erst darüber diskutiert. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Umweltschutz erklärt gegenüber Radio DRS, dass laut dem Bundesrat «ein solches Verbot erlassen werden sollte, wenn sich die Beurteilung der Gefährdung nicht wesentlich ändert». Ausschnitt aus: «Index 5 vor 12», 1980.

1985

In der Schweiz sind Fluorkohlenwasserstoffe weiterhin erlaubt. Ein Verbot ist aber in Vorbereitung, allerdings nur für Sprays. «Bei den Spraydosen ist auch sicher, dass alles, was man braucht, auch tatsächlich in die Umwelt gelangt», heisst es beim Bundesamt für Umweltschutz. 1985 können Forscher ein Ozonloch über der Antarktis nachweisen. 1985: Hulda Barben vom Bundesamt für Umweltschutz in «Index» (Audio: «1985 Barben»)

1990

«Index 5 vor 12», 1990.

1:47 min, aus Espresso vom 15.12.2014

Die Konsumentensendung «Index» bleibt hartnäckig am Thema Fluorkohlenwasserstoffe, die der Ozonschicht schaden. «Das ist unbestritten», heisst es nun beim Bund, «und aus diesem Grund gilt es nun, möglichst rasch aus diesen sogenannten FCKW auszusteigen.» Zehn Jahre nach den ersten Diskussionen über ein Verbot macht der Bund ernst: 1990 ist das letzte Jahr, in dem FCKW-Spraydosen verkauft werden dürfen. Gleichzeitig wird ein FCKW-Verbot für Schaumstoffe, Lösungs- und Reinigungsmittel, Kältemittel und Feuerlöscher vorbereitet. 1990: Australien-Korrespondent und Bundesamt in «Index» (Audio: «1990 Index»)

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«Espresso retro»

«Espresso retro»

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1996

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind in allen Industrieländern verboten, in Entwicklungsländern gilt das Verbot ab 2010. Grundlage ist das Montreal-Protokoll.

2014

Das weltweite Verbot von FCKW wirkt: Die Ozonschicht erholt sich, wie ein Bericht des Uno-Umweltprogramms Unep und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigt. Bis Mitte des Jahrhunderts sollen die Ozonwerte wieder in der Ozonwerte wie in den 1980-er-Jahren erreicht werden. 10 vor 10 über den Unep-Bericht