Paranormalen-Test 6: Der Jenseits-Kontakt

Jenseitskontakte, Hellseherei, Löffelbiegen. Viele Personen werben mit übersinnlichen Fähigkeiten. Erstmals stellen sich sechs von ihnen in der neuen «Kassensturz»-Serie einer Jury, die über jeden Zweifel erhaben ist. Wer den Test besteht, gewinnt 10‘000 Franken. Sechster Teil: Der Jenseits-Kontakt

Der Kandidat:

Er sagt, er könne in einem meditativen Bewusstseins-Zustand mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen. Er kommuniziert mit Angehörigen von Leuten, die jemand verloren haben und dann nochmals Kontakt zu dieser Person haben wollen. Dazu betreibt er mit seiner Frau eine Praxis. Die Stunde kostet 120 Franken.

Der Test:

 Im Hörsaal des Universitätsspital Zürich warten 7 Test-Personen auf Kontakt mit Verstorbenen. Im Hintergrund dabei sind die Experten Rainer Bunge, Technologie-Professor und Peter Brugger, Neuropsychologe und Spezialist für Paranormales. Vorne beobachtet Zauberer Christoph Borer, wie die Testpersonen auf Aussagen reagieren.

Zehn Minuten dauert der erste Kontakt. Dabei sieht der Kandidat einen älteren Herrn, grösser als er, eine Vaterfigur in einer Bergregion. Ein Treffer. Der Kandidat sagt, dass die Person im Jenseits manchmal unter sehr starkem Kopfweh litt. Und zwar über dem linken Auge. Ein Fehlschlag.

Der Kandidat wechselt bei der gleichen Testperson auf die verstorbene Mutter. Inzwischen weiss er einiges über die Familie. Die angekündigten konkreten Aussagen wie Namen, Geburtstage oder spezifische Hobbys – also untrügliche Beweise – sagt er nicht.

Die Experten nennen diese Art des Sehens «Cold Reading». Dabei steuert ein «Medium» das Gespräch je nach Reaktion der Testperson. Der Neuropsychologe Peter Brugger meint dazu: «Das sind vage Statements, die mal rein geworfen werden. Dann wird mal geschaut, wie die Fokusperson, die man im Auge hat reagiert.» Somit ist Versuch Nr. 1 nicht bestanden.

Beim zweiten Versuch nimmt der Kandidat Kontakt auf mit dem toten Vater einer weiteren Versuchsperson.

«Kannst du das verstehen, der Vater in der geistigen Welt, der manchmal Mühe hatte, so richtig liebevoll mit Dir zu sein?» Das Geld sei ein Thema gewesen. «Kannst Du das verstehen?» Nein. «Das ist jetzt kein guter Kontakt mit mir. Er kommuniziert nicht richtig. Er sagt, Du hast sehr viel Liebe von der Mutter erhalten, sie habe das versucht zu kompensieren. Kannst Du das verstehen?» Nein. «Es tut mir leid, ich breche ab mit dir.»

Die betroffene Testperson Andreas Grämiger meint: «Ich habe eine etwas komplizierte Biographie, das muss man sagen. Aber der gute Mann kam nie auch nur in die Nähe von irgendetwas, was für mich Sinn gegeben hätte. Nie.» Versuch Nr. 2 – gescheitert.

Auch Versuch 3 und 4 verlaufen unbefriedigend. Deshalb bricht der Kandidat die Tests ab.

Das Resultat:

Der Neuropsychologe Peter Brugger bewertet: «Also paranormal war hier aber null und nichts.» Rainer Bunge stimmt zu: «Ich habe fleissig mitgeschrieben. Die Trefferquote und auch die Trefferwahrscheinlichkeit. Banalitäten habe ich weniger gewichtet. Ich komme zum Ergebnis, dass hier nichts ist, das mich überzeugt. Also nichts, das in einer Weise paranormal wäre.»

Der Kandidat weiss den Grund für seinen schlechten Auftritt: «Ich habe mich gemeldet in der festen Überzeugung, dass das so gut klappt wie immer. Als ich vor den Leuten stand, habe ich bemerkt, dass ich sehr nervös bin. Das hat die Wahrnehmung, die ich sonst bei Jenseits-Kontakten habe, überdeckt. Deshalb hat es nicht geklappt.»

Er sagt, er würde «Cold Reading» nicht praktizieren. Er würde nicht aus den Gesichtern der Kandidaten lesen und seine Fragen und Antworten nach deren Mimik ausrichten.