Daunenjacken: Wenig Transparenz über Herkunft der Daunen

In vielen Daunenjacken stecke immer noch grosses Tierleid, sagen Tierschutzorganisationen. Denn zur Daunengewinnung würden Gänse vielerorts lebend gerupft. Vor allem Hersteller und Händler von Alltagsmode stehen in der Kritik.

Daunenjacken sind beliebt, haben aber einen grossen Nachteil: Sie sind nicht selten mit Tierleid verbunden. Viele Händler und Hersteller versprechen zwar, dass sie nur Daunen toter Tiere verwenden.

Auf solche Aussagen gibt Sara Wehrli, beim Schweizer Tierschutz für Gänse zuständig, aber nichts: «Diese Aussage schliesst nicht aus, dass die Tiere vor ihrer Schlachtung eben doch lebend gerupft oder zur Gänseleberproduktion zwangsernährt wurden.»

Umdenken im Outdoor-Bereich

Immerhin: Im Outdoor-Bereich gebe es heute Bemühungen, keine Daunen aus Lebendrupf mehr zu verwenden, sagt Nina Jamal, Nutztierexpertin von Vier Pfoten.

Die Tierschutzorganisation stellt insbesondere dem schwedischen Hersteller Fjällräven ein gutes Zeugnis aus: Als eine der ersten Firmen kontrolliere Fjällräven die gesamte Lieferkette – also vom Schlüpfen der Küken bis zum Schlachthof. Fjällräven führe mehrere Kontrollen pro Jahr selbst durch und werde dabei von einem Tierarzt begleitet.

Deutlich kritischer beurteilen Tierschutzorganisationen die Situation bei der Alltagsmode: Es gebe zwar einzelne Unternehmen, welche Schritte in die Richtung gehen würden. «Vergleicht man aber Outdoor- und Modebranche, liegt Outdoor klar vorne.»

Alltagsmode: Viele Fragen bleiben unbeantwortet

Das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 wollte von mehreren Händlern und Herstellern wissen, woher die Daunen aus aktuell verkauften Daunenjacken stammen. Armani, Tommy Hilfiger und Mango haben nicht auf die Fragen geantwortet.

Die Unternehmen, die geantwortet haben, betonen alle, dass ihnen das Tierwohl bzw. der Tierschutz wichtig sei. Bei Marc O’Polo heisst es, die Herkunft der Daunen würde vom unabhängigen Institut IDFL (International Down & Feather Laboratory) überprüft. Zara verweist auf eigene Kontrollen, die «periodisch» stattfinden würden.

Hugo Boss schreibt: «Die Daunen stammen aus Europa. […] Kontrollen finden zweimal jährlich durch Mitarbeiter von unseren Lieferanten statt.» C&A verlässt sich auf Angaben der Zulieferer: Diese «müssen uns zu den gelieferten Daunenjacken gültige Zertifikate vorlegen, dass sie keine lebend gerupften Federn verwenden.»

«Firmen müssen volle Verantwortung übernehmen»

Den Tierschutzorganisationen gehen diese Beteuerungen nicht weit genug: Sie fordern die Unternehmen auf, die gesamte Lieferkette zu kontrollieren. Also vom Schlüpfen der Küken bis zum Schlachthaus. «Unserer Meinung nach müssen alle Firmen, die Daunen verwenden, die volle Verantwortung übernehmen für die Tiere in ihrer Lieferkette», sagt Nina Jamal.

Als positives Beispiel nennt Jamal in diesem Zusammenhang H&M. Dort werde die gesamte Lieferkette der Daunen kontrolliert. Die schwedische Modekette schreibt: «H&M akzeptiert keine Daunen oder Federn von Vögeln, die lebend gerupft werden, oder von Farmen, die Lebendrupf betreiben.» Ebenso würden keine Daunen akzeptiert von Farmen, auf denen Tiere zwangsernährt würden.

«Wichtiger Schritt»

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Responsible Down Standard

Dieses Zertifikat verbietet Lebendrupf und Zwangsernährung von Gänsen und Enten. Überprüft wird die gesamte Lieferkette – vom Küken bis zum Schlachthof. Gemäss Richtlinien dürfen nur Produkte zertifiziert sein, die zu 100 Prozent RDS-Daunen enthalten.

H&M hat sich dem sogenannten Responsible Down Standard verpflichtet (siehe Box). Ein Zertifikat, das regelmässige Kontrollen auf allen in die Lieferkette involvierten Betrieben vorsieht. Das Unternehmen will nur noch Daunen von RDS-zertifizierten Daunen beziehen. Dadurch werde es möglich, «den Weg der Daunen bis hin zu einzelnen, spezifischen Farmen zurückverfolgen zu können».

Auch Esprit will nach eigenen Angaben bis zur Winterkollektion 2016 zu 100 Prozent RDS-zertifiziert sein. Und Manor sagt, bei den Eigenmarken gebe es Lieferanten, die nach RDS produzieren würden.

Die Tierschützerinnen vom Schweizer Tierschutz und von Vier Pfoten sehen das als wichtigen Schritt. Auch wenn das RDS-Zertifikat für sie auch Schwächen hat: So werde zum Beispiel die Hälfte der Kontrollen angemeldet durchgeführt.

Daunenjacke kaufen: Darauf können Sie achten

  • Fragen Sie im Laden nach, woher die Daunen kommen. Kann Ihnen der Verkäufer nicht klar Auskunft geben, sollten Sie die Finger davon lassen.
  • Denken Sie an Alternativen: Die Kunstfaser Primaloft etwa gibt gemäss Hersteller ebenso warm wie Daunen. Eine andere Alternative sind Jacken mit Kapok, einer Naturfaser, die von tropischen Bäumen gewonnen wird.
  • Geht es Ihnen darum, dass keine Daunen aus Lebendrupf oder von Betrieben mit Zwangsfütterung in der Jacke sind, können Sie auf Entendaunen ausweichen. Lebendrupf oder Zwangsfütterung gebe es bei Enten kaum, sagen Tierschützer.