Die grüne Zigarette ist ein Mogelpäckchen

Parisienne Verte – die natürliche und ökologische Zigarette. Keine Zusatzstoffe und 100 Prozent Recyclingpapier, wirbt der Tabakkonzern. Auf Plakaten tummeln sich nackte, vitale Menschen in der schönen Natur. Doch das grüne Mäntelchen täuscht.

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Bildlegende: Ökologischer Schein SRF

Bio ist heute in aller Munde, jetzt sogar in Zigaretten-Form. British American Tobacco (BAT) lancierte in der Schweiz kürzlich Parisienne Verte, die grüne Zigarette, ohne Zusatzstoffe, ohne Cellophan und ohne Alu.

Auf der Parisienne-Internetseite schwärmt der Tabakmulti: «Eine Zigi, die möglichst natürlich und auf Ökologie und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.» Nur reiner Tabak, ohne Zusatzstoffe und keine natürlichen und künstlichen Aromen.

Zum Weiterrauchen animieren

Das Verpackungsmaterial der Parisienne Verte bestehe aus PEFC-zertifiziertem Holz. Wiederbaufforstung und Schonung des Waldbodens seien garantiert. Für die Herstellung werde nur Strom aus Wasserkraft verwendet und die Promo-Mitarbeiter, die mit der Parisienne Verte von Bar zu Bar tingeln, seien ausschliesslich mit dem Velo unterwegs.

«Unfairtobacco» kritisiert die Werbung scharf. Die deutsche Organisation kämpft gegen die Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen im Tabakanbau und findet das Attribut «grün» für Zigaretten äusserst unpassend: «Der Verkauf grüner Zigaretten ist einzig der Versuch, auch kritisch denkende Menschen, die sich über Zusatzstoffe informiert haben, zum Weiterrauchen zu animieren. Aber ein sozial und ökologisch verträglicher Tabak-Konsum ist nicht möglich.»

Nur auf den ersten Blick ökologisch

Laut Unfairtobacco laugt der Anbau von Tabak die Böden aus und macht eine Wiederaufforstung schwierig. Die Folge: Lebensräume werden zerstört, Tierarten vertrieben. Ausserdem werden viele Öfen zur Trocknung der Tabakpflanzen mit Holz befeuert, was wiederum die Wälder belastet. Hinzu kommt, dass die Tabakpflanzer von den Rohtabakfirmen oft abhängig sind und für einen Hungerlohn schuften müssen.

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Kinderarbeit beim Tabakanbau: Leiden für Zigarettenraucher

21 min, aus Kassensturz vom 6.4.2010

Schlimmer noch: Da die meisten Arbeiter ohne Schutzkleidung arbeiten, nehmen sie grosse Mengen an Nikotin über die Haut auf und erkranken nicht selten an der sogenannten Green Tobacco Sickness. «Kassensturz» hat letztes Jahr ausführlich darüber berichtet.

Nackte Werbung

British American Tobacco Switzerland SA wehrt sich: «Wir demonstrieren einen starken Einsatz für eine nachhaltige Lieferkette und erwarten höchste Verhaltensstandards von unseren Zulieferern.» BAT erkenne die Notwendigkeit, Arbeitspraktiken einzuführen und zu fördern, welche die menschlichen Rechte respektierten. Was die Umwelt betrifft, so erklärt BAT: Der Tabak der Parisienne Verte sei ohne Zusatzstoffe und die Verpackung 100% recyclingfähig. «Dies ist der ökologische und grüne Aspekt der Zigarette.»

Die Werbung vermittelt aber mehr und setzt auf Natur pur: Junge, nackte Menschen, wie Gott sie schuf, gut gebaut, vital und lebensfroh, tummeln sich auf kitschig grünen Wiesen. Unter dem grünen Deckmantel könnte der Eindruck entstehen, mit der neuen Parisienne Verte sei Rauchen fast schon gesund.

Falsche Werbebotschaft

Unfairtobacco findet die Werbung daneben: «Das Fehlen von Zusatzstoffen ändert nichts daran, dass Nikotin ein Nervengift ist, das sehr schnell süchtig macht.» Und auch die Lungenliga Schweiz beurteilt die Plakate und Flyer als höchst fragwürdig: «Es wird vermittelt, Rauchen gehöre zu einem gesunden Lebensstil und sei umweltverträglich. Das Weglassen von Alu bei der Verpackung und Zusatzaromen im Tabak ändert aber nichts daran, dass Zigaretten, auch dieser Marke, in höchstem Masse gesundheitsschädigend sind.»

BAT betont, es werde nirgends suggeriert, dass Zigaretten der Marke Parisienne gesünder oder weniger schädlich seien, als Zigaretten anderer Marken.