Holz-Pellets: Bedenkliche Schwermetalle in «grüner Energie»

«Kassensturz» hat Holz-Pellets im Labor untersuchen lassen. Das Resultat: Ein Drittel der Produkte hat ungewöhnlich viel Schwermetall in der Asche. «Kassensturz» zeigt erstmals, wie vermeintlich grüne Energie zur Umweltschleuder werden kann.

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Giftige Holzpellets: Schwermetalle in grüner Energie

11 min, aus Kassensturz vom 24.2.2015

Holzpellets, die grüne Alternative zum Heizöl: Der Rohstoff ist CO2-Neutral und billiger als Öl. Die Pellet-Heizungen werden immer beliebter. In den letzten zwanzig Jahren stieg die Anzahl Pellet-Heizungen von null auf über zwanzigtausend - das sind 20 Prozent aller Holzheizungen.

Gepresst werden die kleinen Holzzylinder meist aus dem Restholz der Sägewerke. Etwas mehr als die Hälfte eines Baumstammes kann zu Brettern gesägt werden. Aus dem Rest machen viele Werke Pellets. So kommt nur naturbelassenes Holz in die Pellets. So will es auch das Gesetz.

«Kassensturz» will wissen, ob die Pellet-Produzenten sauber arbeiten. In diversen Baumärkten kaufen wir Proben ein und schicken sie ins Labor. Untersucht wird zunächst die Pellet-Asche, denn bei der Verbrennung werden Schwermetalle freigesetzt. Über den Kamin gelangen sie in die Umwelt.

Viel Schwermetall in der Pellet-Asche

Das Resultat ist erstaunlich: Vier der vierzehn Proben weisen erhöhte Schwermetallwerte auf. Besonders die teilweise hohen Konzentrationen von Blei und Cadmium fallen auf.

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Bildlegende: Pellets gelten als CO2-neutral. SRF

«Cadmium und Blei haben nichts zu suchen in solchen Holzaschen. Besonders nicht in solch hohem Gehalt», sagt Peter Lienemann. Er ist Dozent für analytische Chemie an der Fachhochschule Wädenswil. Er hat in einer Studie die Aschen verschiedener Holzbrennstoffe untersucht und miteinander verglichen.

So wurde getestet

Das Labor testet Pellets auf verschiedene Schwermetalle. Im Fokus stehen Chrom, Kupfer, Blei, Zink und Chlor. Jedes dieser fünf Elemente hat einen Beurteilungswert. Ist dieser erreicht, zählt das als 100 Prozent.

Ist er überschritten - zum Beispiel um die Hälfte - kommen noch 50 Prozent hinzu. Das ergibt 150 Prozent. So werden die Werte für die fünf Schwermetalle zusammengezählt. Ist die Summe höher als 500 Prozent, gilt der Schwermetallgehalt als erhöht.

Abfallholz in den Pellets

Die hohen Werte gründen wahrscheinlich in verleimtem oder lackiertem Holz. In Schreinereibetrieben oder Hobelwerken wird oft mit solchem Holz gearbeitet. Kommen die Reste dann in die Pellet-Produktion, verursachen sie hohe Schwermetallwerte. Bei der Verbrennung der Pellets gelangen diese dann in die Umwelt.

«Blei, Cadmium und Zink sind leichtflüchtig. Bei der Verbrennung bleibt der grösste Teil also nicht in der Asche, sondern geht mit der Abluft in die Umwelt», erklärt Lienemann.

Deshalb ist das Verbrennen von Abfallholz verboten. In den meisten Kantonen werden Kleinöfen und Cheminées kontrolliert. Verbrennt jemand darin Abfallholz, wird er verzeigt oder sogar gebüsst. Die Pellet-Heizungen werden nicht kontrolliert. Man geht davon aus, dass kein Abfall in die Pellets gelangt.

Lasches Qualitätslabel

Die Produzenten der Pellets mit hohem Schwermetall-Gehalt verweisen allesamt auf die Branchennorm. Diese europaweit gültige Norm regelt die Qualität der Pellets. Das Qualitätslabel gibt auch Grenzwerte für Schwermetalle an. Allerdings nicht für die Asche, sondern für den Schwermetallgehalt im Pellet.

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Stellungsnahmen

Alle Pellet-Produzenten und Verkäufer schreiben, dass sie kein Abfallholz zu Pellets verarbeiten würden. Hornbach, Obi und die Produzenten Tschopp Holz-Industrie und Mivelaz Bois sagen, sie hätten ihre Pellets nochmals überprüft. Dabei hätten sie keine erhöhten Werte festgestellt; die Schwermetall-Werte seien in der Norm.

Deshalb hat das Labor bei den vier Proben mit viel Schwermetall in der Asche zusätzlich die Werte in den Pellets gemessen. Das Resultat erstaunt: Auch die Proben mit ungewöhnlich viel Schwermetall liegen deutlich unter der Norm.

Die Norm sei so gestaltet, das kein Produzent Probleme bekommt, vermutet Peter Lienemann. Ausgerechnet diese Norm will jetzt aber das Bundesamt für Umwelt ins Gesetz schreiben. In der neuen Luftreinhalteverordnung des Bundes soll das vermeintliche Qualitätssiegel verankert werden.

Diese Normen genügen, ist Beat Müller vom Bundesamt für Umwelt überzeugt. Zudem will das Amt die Hersteller mit Stichproben vor Ort kontrollieren. «Wenn jemand Abfallholz in die Pellets mischt, dann ist er bestimmt nicht mehr innerhalb der Norm», sagt Beat Müller.

Peter Lienemann aber ist überzeugt, dass zu einer sorgfältigen Qualitätssicherung auch die Asche überprüft werden müsste. «Neben den Stückholzheizungen und Cheminées sollten auch die Pellet-Aschen periodisch überprüft werden», fordert Lienemann.

Pellets mit erhöhten Schwermetallwerten

  • Hornbach (Holz-Herkunft: Deutschland. Lieferant: DHG Vertrieb GmbH)
  • Obi Filiale Volketswil (Holz-Herkunft: Nicht Schweiz)
  • Landi (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Mivalax Bois SA (Holz-Herkunft: Schweiz)

Pellets ohne erhöhte Schwermetallwerten

  • Best Pellet Wärme AG (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Bürli Trocknungsanlage AG (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Konrad Keller AG (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Jumbo Filiale Allschwil (Holz-Herkunft: Rumänien. Lieferant: Schweighofer Ö)
  • Bauhaus Filiale Schlieren (Holz-Herkunft: Tschechien. Lieferant: Biomac CZ)
  • AEK Pellets Coop Allschwil (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Obi Filiale Basel (Holz-Herkunft: Litauen)
  • Lehmann Pellets AG (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Flückiger Holz AG (Holz-Herkunft: Schweiz)
  • Landi (Holz-Herkunft: Deutschland)