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Umwelt und Verkehr Klage gegen Swiss wegen «No-Show-Regel»

Hinflug verpasst - Rückflug gestrichen: Die «No-Show-Regel» ist für viele Swiss-Passagiere ein Ärger. Nach einem «Kassensturz»-Bericht will die Stiftung für Konsumentenschutz gegen diese Bestimmung klagen. Dann sollte Schluss sein mit Fällen, wie sie «Kassensturz»-Zuschauer hier schildern.

Legende: Video «Swiss am Pranger: Konsumentenschutz klagt an» abspielen. Laufzeit 9:01 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.12.2015.

«Ihr Rückflug ist gestrichen worden, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen»: So tönte es, als Urs Wiskemann nach den Sommerferien von New York zurückfliegen wollte. Er hatte am Vorabend einchecken wollen. Die Swiss-Mitarbeiterin behauptete, er sei auf dem Hinflug «no Show» gewesen, also nicht geflogen.

Urs Wiskemann ärgert sich, er hatte ein gültiges Rückflugticket, und er war hingeflogen. Doch dafür interessierte sich niemand. Er versuchte den Irrtum zu klären, wollte mit der Swiss in der Schweiz telefonieren, ohne Erfolg.

Am meisten störte Urs Wiskemann, dass er einem grossen Konzern einfach ausgeliefert war. Das bedeutete, dass er ohne Hilfe eine Lösung suchen musste. Ein neues Ticket wollte er nicht kaufen :«Man weiss, was ein Ticket kostet, das man kurzfristig kaufen muss. Das ist ihnen völlig egal.»

Intervention vom Reisebüro

In der Not kontaktierte er sein Reisebüro in der Schweiz und schickte ein Foto vom Hinflug mit. Nur dank der Intervention seines Reisebüros musste er kein neues Ticket kaufen und konnte mit der Familie zurückfliegen. Nach seiner Rückkehr schrieb Urs Wiskemann der Swiss ein Mail, wollte wissen, was falsch gelaufen war. Bis jetzt hat er keine Antwort erhalten.

Und er wundert sich, dass eine Airline nicht weiss, wer geflogen ist: «Wozu haben wir all diese Informationssysteme, wenn ich nachher belegen muss, dass ich da gewesen bin?»

Flug unverschuldet verpasst

Dieser und weitere Fälle, die «Kassensturz» vorliegen, zeigen auf, wie kundenfeindlich die Swiss die Hin- und Rückflugklauseln auslegt, wenn sie darauf besteht, dass Passagiere ein neues Hin- und Rückflugticket kaufen müssen, die die Flüge unverschuldet verpasst haben.

Das ist Stefanie Schär passiert, als sie im Juni nach Miami fliegen wollte. Der Intercity-Zug an den Flughafen hatte wegen eines Personenunfalls zwei Stunden Verspätung.

Als Stefanie Schär dann kurz vor Abflug atemlos am Flughafen ankam, war es zu spät. Sie verpasste den Hinflug. Die Swiss-Mitarbeiterin teilte ihr mit, dass sie den Flug nicht umbuchen könne, sondern ein neues Ticket kaufen müsste, auch für den Rückflug. Nach dem «Schock» kam Ärger auf. Stefanie Schär kritisiert, dass sie den Rückflug so quasi doppelt bezahlt hat: «Ich bin im selben Flugzeug auf demselben Platz gesessen. Ich kann das absolut nicht nachvollziehen.»

Legende: Video «Studiogespräch mit Arnold Rusch, Rechtsprofessor» abspielen. Laufzeit 4:38 Minuten.
Aus Kassensturz vom 10.11.2015.

Die Swiss berief sich dabei auf ihre AGB. Im Artikel 3.3, «Reihenfolge und Verwendung der Flugcoupons», steht, die Airline könne den Rückflug streichen, wenn der Hinflug nicht angetreten wurde. Nur, Stefanie Schär hat den Flug unverschuldet verpasst.

Wie wehrt man sich gegen solche Klauseln? Im «Kassensturz» vom 10. November 2015 stellte Arnold Rusch, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg, klar: Diese Klauseln sind nicht zulässig. Notwendig wäre in diesem Zusammenhang ein Gerichtsurteil: «Es ist überfällig, dass ein Konsumentenverband in einem abstrakten Verfahren klagt.»

Mit gestrichenen Rückflügen soll nun Schluss sein, das will auch die Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz. Sara Stalder bereitet eine Klage vor und will diese Rückflugklauseln von einem Gericht beurteilen lassen: «Die Klausel, die bei verschiedenen Fluggesellschaften vorhanden ist, ist auch aus unserer Sicht absolut missbräuchlich. Es ist so überraschend, und mit gesundem Menschenverstand käme man nie darauf, dass man einen Rückflug nicht antreten kann, wenn man nicht hingeflogen ist.»

Solche absurden Situationen sollte es nicht mehr geben, dass ein Passagier geflogen ist und die Airline den Rückflug – wohl aus Versehen – streicht.

Das sagt die Swiss

Die Swiss International Airlines schreibt «Kassensturz» in einer Stellungnahme: Falls Stefanie Schär eine unzutreffende Auskunft gegeben worden sei und sie trotz ihres Anrufs (aus dem Zug, Anmerk. der Red.) und entsprechendem Tarif ein komplett neues Hin- und Rückflugticket kaufen musste, dann werde die Swiss die Differenz zurückerstatten. Bei der Reise von Urs Wiskemann habe es offenbar Doppelbuchungen gegeben, dabei sei versehentlich auch der reguläre Rückflug annuliert worden. Die Swiss will zusätzliche Umtriebe entschädigen.

Zum Thema Sicherheit ergänzt die Swiss, dass Fluggäste bei Swiss dreifach erfasst würden: am Check-in, beim Einsteigen am Gate und beim Passenger-Count an Bord vor dem Abflug.

Schweizer im Nachteil

Schweizer im Nachteil

Das Oberste Gericht in Österreich erklärte die No-Show-Regel für ungültig. Zum Artikel

65 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik, Dietikon
    Heute hat mir die Swiss mir meinen Rückflug von Brüssel nach Zürich verweigert (Hinflug verpasst), obwohl in meinem Online Account der Flug nicht annulliert war. So war ich genötigt ein neues Ticket nach Zürich für Euro 1'165.34 zu kaufen um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen! i.e. über das 10-fache des ursprünglichen Preises. Somit habe ich meinen Sitz zweimal bezahlt. Das geht so nicht. Ich ziehe deshalb in Betracht gegen Swiss diesbezüglich rechtlich vorzugehen.
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  • Kommentar von Ein Reisender, Unterwegs
    Auf einem Asien Flug gebucht bei swiss mit umsteigen in Frankfurt war ich nirgendwo in den Listen obwohl ich ein gültiges Ticket hatte. Nach einem sehr deutlichen Gespräch konnte ich trotzdem nach Zürich einchecken. Das Gepäck hat es trotzdem Geschaft. Seltsames System.
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  • Kommentar von Ruedi, Stäfa
    Diese Klage wird für die Passagiere zur Nulllösung werden, denn das deutsche Gerichtsurteil billigt der LH zu, dass sie zwar das Ticket nicht annullieren aber einen entsprechenden Aufpreis verlangen darf um ihre Tarifstruktur zu schützen dh. die Umgehung zu verhindern. Das wird ja heute schon so gemacht: wer die Flüge nicht in der gebuchten Reihenfolge abfliegen will muss mehr zahlen. Es ist kaum zu erwarten, dass bei uns anders entschieden wird.
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    1. Antwort von Pascal Gienger, Winterthur
      Ein Schweizer Gericht ist ein Schweizer Gericht und kein Deutsches. Das Deutsche Urteil ist hier ohne Relevanz. Darüberhinaus ist es m.E. nicht Aufgabe eines Gerichtes eine "Tarifstruktur" zu schützen. Wenn ich zum Bäcker gehe will ich auch nicht die Brötchen morgen nur dann bekommen wenn ich nachweise die heutigen aufgegessen zu haben. Und auch dass der Basler beim selben Bäcker nun weniger zahlen soll als der Winterthurer und der Bäcker deswegen zwingend eine Wohnsitzbescheinigung sehen will.
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    2. Antwort von Ruedi, Stäfa
      Sie haben recht, ein Schweizer Gericht ist kein Deutsches. Das Flugwesen ist aber eine globale Geschichte. Und die Fluggastrechte gelten länderübergreifend für die Schweiz und die EU. Deshalb halte ich es für wahrscheinlich, dass die Gerichte auch ähnlich entscheiden. Es sind ja immer verschiedene Länder involviert ausser es geht um einen Inlandflug. Das ist bei uns aber kaum der Fall. Mich stört die Praxis der Airlines auch und ich bin froh, wenn da etwas geht. Aber ihre Vergleiche hinken.
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    3. Antwort von Reudi, Stäfa
      @Gienger Lesen Sie einfach den untersten Abschnitt: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2010&Sort=3&nr=51775&pos=3&anz=94
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