Konsumenten fordern: Sammelstellen für alle Verpackungen!

«Espresso»-Hörer wollen auch Plastikverpackungen, Getränkekartons und Styropor separat sammeln können. Dieser Konsumentenwunsch landete bei der Abstimmung von «Da mues öpis gaa!» auf dem 4. Platz. «Espresso» weiss: Bei vielen dieser Forderungen tut sich etwas.

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Bildlegende: Zu viel Abfall ist noch ungeordnet. Keystone

«Da mues öppis gaa!» fordern «Espresso»-Hörerinnen und Hörer im Rahmen der gleichnamigen Aktion. Beim Recycling rennen sie in vielen Punkten offene Türen ein:

Mit der separaten Sammlung von Plastikflaschen für Waschmittel, Shampoo und so weiter hat die Migros in verschiedenen Filialen bereits begonnen. Dies sei der Schwerpunkt für neue Sammlungen im Kunststoffbereich, sagt die Dachorganisation «Swiss Recycling». Diese arbeitet daran, dass bald andere Detailhändler nachziehen.

Kaum Recycling für Plastikverpackungen

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«Da mues öppis gaa!»

«Da mues öppis gaa!»

Die dringendsten Konsumen- tenwünsche für das 2014. 1692 «Espresso» Hörer haben einem der fünf Top-Vorschläge ihre Stimme gegeben. Hier finden Sie die Resultate.

Schwieriger sei die Separatsammlung von anderen Plastikverpackungen, sagt Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von «Swiss Recycling». Käse- und Fleischverpackungen seien häufig Verbund-Kunststoffe.

Um den Inhalt besser zu schützen, bestünden diese aus mehreren Schichten: «Deshalb eignen sie sich nicht für die stoffliche Verwertung.» Solche verbundenen Kunststoffe lassen sich kaum mehr trennen.

Hoffnungen machen können sich die Schweizer Konsumenten bei Getränkekartons. In rund 30 Gemeinden läuft bereits ein Pilotversuch. In zwei bis drei Jahren ist laut «Swiss Recycling» voraussichtlich entschieden, ob und in welcher Art ein Recycling von Milch- und Fruchtsaft-Verpackungen Sinn mache.

Beim Styropor bieten bereits viele Gemeinden die Möglichkeit, dieses zu einer Sammelstelle zu bringen. Dort scheint das Problem eher zu sein, dass das der Bevölkerung zu wenig bekannt ist.

Das Bundesamt für Umwelt macht Druck

Die Verpackungshersteller und Läden tun gut daran, freiwillig weitere Möglichkeiten anzubieten, um Verpackungen zu sammeln. Der Entwurf für ein neues Umweltgesetz sieht nämlich eine Sammelpflicht für Verpackungen vor.

In einer ersten Phase setze der Bund dabei auch auf Freiwilligkeit, sagt Michael Hügi vom Bundesamt für Umwelt (Bafu): «Sollte dies nicht klappen, wird der Bund in einer Branchenvereinbarung Leistungsziele vorgeben.» Die Umsetzung bleibe aber Sache des Handels.

Erst in einem dritten Schritt würde der Bund per Gesetz oder Verordnung detailliert vorschreiben, wie die verschiedenen Verpackungsmaterialen gesammelt werden müssen.

Die zusätzlichen Separatsammlungen würden durch die Konsumenten mit vorgezogenen Recycling- oder mit Abfallgebühren finanziert.

Deutschland macht es nicht besser

Das Bafu und «Swiss Recycling» sind sich einig, dass nicht jede neue Separatsammlung Sinn macht. Einerseits müssen für das rezyklierte Material Abnehmer vorhanden sein.

Andererseits müsse das Recycling unter dem Strich die Umwelt weniger belasten, als zusammengerechnet die Entsorgung des alten Stoffes in der Kehrichtverbrennung und die Herstellung von neuem Material.

Was übrigens nicht stimmt: dass in Deutschland bereits viel mehr Verpackungsmaterial wiederverwertet wird. Der Inhalt der sogenannten «gelben Säcke» wird nachträglich noch einmal aussortiert. Von dieser sortierten Menge würden dann lediglich 39 Prozent stofflich verwertet, sagt Patrik Geisselhardt von «Swiss Recycling».

Über 60 Prozent würden trotzdem in der Verbrennung landen: «Das möchten wir in der Schweiz nicht. Wir möchten nur separat sammeln, was sich auch wirklich stofflich verwerten lässt.»