Pensionierte im Einsatz gegen Littering

Die Schweiz räumt auf: Am 11. und 12. September findet der Clean-Up-Day mit mehreren hundert lokalen Aufräum-Aktionen statt. Ein solcher Aufräum-Tag war für die Aargauer Gemeinde Strengelbach erst der Anfang. Hier gehen Pensionierte nun wöchentlich auf Abfall-Sammeltour.

Dieses Bild kennt man überall in der Schweiz: Auf und neben der Strasse liegen Dosen, Flaschen, Papierchen, Zigarettenschachteln. In Strengelbach ändert sich das Bild, wenn Erasmus Angele (72) auf seinem Damenvelo vorbeikommt.

In Körbchen vorne und hinten am Velo sammelt der Mann mit Leuchtweste den Abfall ein - freiwillig, aber in offizieller Mission: Erasmus Angele macht mit beim Senioren-Projekt «+65».

Auf Spaziergang Abfall einsammeln

Die Idee entstand nach einem Clean-Up-Day, wie er dieses Wochenende in vielen Schweizer Gemeinden stattfindet. Die Gemeinde-Kommission «E suberi Sach in Strengelbach» fragte alle über 65-Jährigen in der Gemeinde per Brief an, ob Sie die Patenschaft für ein Quartier oder eine Strasse übernehmen wollten. Sprich: Ob sie dort auf ihren Spaziergängen regelmässig den Abfall einsammeln würden.

2014 startete das Projekt, heute machen neun Pensionierte mit. Sie wollen vor allem, dass es in Strengelbach ordentlich aussieht, aber auch, dass sich keine Tiere an Dosen oder Flaschen verletzen.

Die Teilnehmerin Silvia Ammann (72) sagt: «Man regt sich ja die ganze Zeit über den Abfall auf, also kann man auch etwas dagegen tun.» Die Gemeinde koordiniert die Einsätze, rüstet die Teilnehmer mit Leuchtwesten und Abfallsäcken aus und nimmt ihnen die vollen Abfallsäcke ab.

«Wir sind die Gemeinde!»

Wäre es nicht Aufgabe der Gemeinde, Strassen und Wege von Abfall zu befreien? Der freiwillige Sammler Hans Peter Ammann sagt kurz: «Wir sind die Gemeinde!» Und er ergänzt: «Wenn die Gemeinde jemanden zusätzlich einstellen muss, um diese Aufgaben zu übernehmen, zahlen wir das, die Steuerzahler.»

Hans Bütikofer, Präsident der zuständigen Gemeinde-Kommission stellt im Konsumentenmagazin «Espresso» auf SRF 1 klar: «Das ist absolut freiwillig, niemand wird zum Mitmachen gedrängt. Wir sind froh, dass einige Senioren dabei sind und hoffen, dass sie noch ein paar Nachahmer finden.»

Denn noch längst nicht alle Strassen in Strengelbach haben einen Littering-Paten. Und wenn sich Interessierte unter 65 Jahren für das Projekt «+65» melden, würde Hans Bütikofer nicht Nein sagen, wie er lachend versichert.