Phosphor im Haushaltsdünger: Eine undurchsichtige Angelegenheit

Phosphor ist ein wichtiger Bestandteil von Pflanzendünger, vor allem für die Landwirtschaft. Doch in den marokkanischen Phosphor-Minen herrschen schlimme Zustände. Menschen und Tiere leiden. «Espresso» wollte wissen, ob auch der herkömmliche Haushaltsdünger davon betroffen ist.

In der Landwirtschaft und im heimischen Garten ist Dünger kaum wegzudenken. Ein wichtiger Bestandteil des Düngers ist Phosphor. Ronni Vögeli, Betriebsleiter im Kompetenzzentrum Strickhof erklärt: «Phosphor ist einer der wichtigsten Nährstoffe fürs Pflanzenwachstum. Jede Pflanze braucht Phosphor. Also eine Hektar Weizen braucht 60 Kilo Phosphor, reinen Phosphor.»

Doch: Phosphor ist kein unproblematischer Stoff. Das hat die «Kassensturz»-Reportage über die Minen in Marokko gezeigt: Menschen und Tiere, die in Abbaugebieten leben, haben verfaulte Zähne, Allergien, kaputte Gelenke. Viele Minen-Arbeiter klagen über Staublungen oder haben Krebs.

Es besteht also Handlungsbedarf beim Phosphor aus marokkanischen Minen. Der «Kassensturz»-Bericht zeigt aber: Schweizer Importeure von Landwirtschafts-Dünger wissen oft nicht genau, woher der Phosphor in ihren Produkten kommt.

Die schwierigen Bedingungen sind bekannt

«Espresso» wollte wissen, wie es um den überall erhältlichen Universaldünger steht, der in praktisch jedem Haushalt zu finden ist und hat bei den grössten Schweizer Düngerherstellern und –händlern nachgefragt.

Es hat sich herausgestellt, dass die meisten Firmen über die schwierigen sozialen Bedingungen in Marokko im Bilde sind. Fast alle geben jedoch an, kein Phosphor direkt aus Marokko zu beziehen. So zum Beispiel die Firma Compo, die Gesal-Produkte vertreibt oder der Düngerhersteller Eric Schweizer. Bevorzugte Importländer sind Finnland, das Baltikum, Russland oder Südafrika.

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Der Hersteller Hauert bezieht Phosphor nur aus Nordeuropa. Nebst den sozialen Zuständen in Marokko gebe es noch einen anderen Grund, Importe aus Nordafrika zu meiden: «Die Gefahr ist gross, dass nordafrikanische Phosphate die strengen schweizerischen Cadmium-Grenzwerte nicht einhalten können, deshalb sind die von uns in mineralischen Düngern verwendeten Phosphate nordeuropäischer Herkunft», schreibt die Schweizer Traditionsfirma. Konkret heisst das: Phosphor aus Marokko enthält sehr viel Cadmium, ein krebserregendes Schwermetall. Und die Schweiz hat diesbezüglich sehr strenge Grenzwerte.

Maag-Dünger kann marokkanischen Phosphor enthalten

In der Umfrage hat ein Hersteller angegeben, auch Phosphate aus Marokko zu beziehen. Und zwar die Firma Syngenta. Sie vertreibt Maag-Dünger, der unter anderem auch in der Migros erhältlich ist. Gegenüber «Espresso» schreibt Syngenta, man wisse zwar von den teilweise schwierigen Bedingungen in Phosphor-Minen, aber: «Die uns durch Sie geschilderten Vorfälle in Marokko waren uns bisher nicht bekannt». Ausserdem betont Syngenta: «Alle unsere Lieferanten unterstehen internationalen Standards und werden regelmässig per Audits kontrolliert. Der Lieferant des Phosphors ist nach ISO 9001 zertifiziert.» Das gleiche teilt Migros mit, die den Dünger verkauft.

Es bleibt bei den meisten Düngerprodukten eine Unsicherheit: Auch bei den Herstellern, die angeben, kein Phosphor aus Marokko zu verwenden, kann man laut Branchenkennern nicht sicher sein. Der Grund: Phosphor wird weltweit gehandelt und die Düngerproduktion besteht aus mehreren Schritten. Deshalb ist es schwierig, die Herkunft der Rohstoffe wirklich zurückzuverfolgen. Ausserdem ist Marokko als Lieferant von grosser Bedeutung. Marokko verfügt über die grössten Phosphor-Reserven.

Es gibt Alternativen

Wer sicher sein will, dass sein Dünger unbedenklich ist, der weicht am besten auf Bio-Dünger aus. Auch er enthält zwar Phosphor, aber dieser ist organisch. Das heisst, er wird aus Fleischknochenmehl von Tieren oder aus Pflanzen hergestellt.

Ausserdem ist auch der Komposthaufen zuhause ein wertvoller Phosphor-Lieferant. Er enthält viel von diesem für Pflanzen sehr wichtigen Stoff.

Weitere Informationen rund ums Düngen und hilfreiche Tricks vom Gartenprofi finden Sie in der Service-Box oben.