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Umwelt und Verkehr SBB-Abos: Bei Ersatzausweis kein Geld zurück

Was die wenigsten SBB-Kunden wissen: Wer sein Abo verliert und dann einen Ersatzausweis hat, erhält bei dessen Rückgabe keinen Rappen zurück. Diese strenge Regel gilt sowohl für Streckenabos wie auch für Gleis7, Halbtax und GA.

Legende: Audio SBB-Abos: Bei Ersatzausweis kein Geld zurück abspielen. Laufzeit 5:00 Minuten.
5:00 min, aus Espresso vom 17.03.2016.

Die Aargauerin Svenja Meier pendelte bis vor kurzem vom ihrem Wohnort im Aargau nach Zürich. Mit einem Streckenabo der SBB von 2800 Franken. Kürzlich hat die SBB-Kundin ihren Job gekündigt und fährt nun eine ganz andere Strecke. Kein Problem, hiess es bei der SBB, das Streckenabo könne sie jederzeit zurückgeben.

Das war leider falsch. Als Svenja Meier am Schalter steht, heisst es, die geschuldeten 1400 Franken könne man leider doch nicht zurückerstatten. Die Begründung: Weil sie ihr Abo einmal verloren hat und jetzt mit einem Ersatzabo unterwegs ist.

Das Streckenabo gibt’s nur auf billigem Papier

Svenja Meier erinnert sich tatsächlich noch gut an den Tag, an dem sie ihr Abo nicht mehr fand: «Kein Wunder: Das Streckenabo ist ja auch nur so ein Papierfötzel – für 2800 Franken gibt es nicht mal ein richtiges Plastikkärtchen. Als ich mein Abo bei der Kontrolle nicht mehr fand, musste ich erst für fünf Franken ein Übergangsabo kaufen, und danach für weitere 30 Franken ein Ersatzabo.»

SBB-Kunden unter Generalverdacht

Die SBB argumentiert nun, es sei ja schliesslich möglich, dass das Originalabo immer noch bei der Kundin sei und diese nach Rückgabe des Ersatz-Fahrausweises gratis herumfahren könnte. Die Pendlerin ist sprachlos: Dass sie als treue SBB-Kundin quasi des Betrugs verdächtigt wird, findet sie happig. «Klar gibt es sicher ein paar Leute, die das probieren. Aber ich finde es eine Frechheit, dass mir als ehrlichem Menschen so etwas unterstellt wird. Und immerhin geht es um 1400 Franken, für die muss ich hart arbeiten.»

Von Bestätigung des Arbeitsgebers will SBB nichts wissen

Svenja Meier macht der SBB einen letzten Vorschlag: Sie bietet an, bei ihrem Arbeitgeber eine offizielle Bestätigung anzufordern, dass sie nun an einem ganz anderen Arbeitsort tätig ist und das alte Streckenabo deshalb gar nicht mehr nutzen kann. «Ich habe seit dem 1. März einen neuen Job an einem ganz anderen Ort und gehe mit dem Auto arbeiten. Das könnte mein Arbeitgeber bestätigen.» Doch auch das lehnte die SBB ab.

Wieso, will das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» von der SBB wissen. Für SBB-Sprecher Reto Schärli geht es ums Prinzip: «Dann gäbe für jeden Fall irgendeine Ausnahme, weshalb wir da jetzt kulant sein sollten. Wir handhaben diese Regel streng, auch wenn wir die Kunden beim Verkauf am Schalter zugegebenermassen nicht darauf aufmerksam machen.» Auf Anfrage erkläre das Schalterpersonal gerne die Tarifbestimmungen, wo dies geregelt sei.

SBB über Regel selber nicht glücklich

Dennoch scheint auch die SBB nicht hundert Prozent hinter ihrer forschen Politik zu stehen, die übrigens auch für GA, Halbtax oder Gleis7 gilt. SBB-Sprecher Schärli sagt: «Wir sind selber mit dieser Regel nicht ganz glücklich. Wenn die Streckenabos irgendwann in Zukunft auf dem Swisspass sind, stellt sich die Frage aber nicht mehr. Dann kann man den Fall dieser Kundin ganz problemlos lösen.» Der Grund: Dereinst kann ein verlorenes Abo auf dem Swisspass ganz einfach gelöscht und ein neues geladen werden.

Für Berufspendlerin Svenja Meier ist das jedoch ein schwacher Trost. Ihre 1400 Franken sind nun definitiv verloren.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Müller, Chalfont St. Peter UK
    Es lebe der Monopolbetrieb. Da muss man den Kunden keinen Service bieten.
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    1. Antwort von Samy Albrecht, Frauenfeld
      Naja, es wurde ja gesagt was das Problem ist. Theoretisch könnte man ja das GA einfach zu Hause lassen und dann behaupten man hätte es verloren, damit man ein Ersatz bekommt. Dann kündigen, Ersatz zurückgeben und später mit dem "verlorenen" gratis herumfahren. Mit dem im letzten Sommer eingeführten Swisspass ist dieses Problem jedoch behoben. Diese kann die SBB jederzeit sperren. Nach diesen ständigen Negativmeldungen ist dies aber ein klarer Vorteil vom Swisspass.
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    2. Antwort von Ruedi, Stäfa
      @ Albrecht Auch wenn Frau Meier das alte Originalabo noch hätte nützt es ihr nichts, wenn sie an einem anderen Ort arbeitet. Es kommt doch auf die Umstände an. Wenn sie noch am selben Ort arbeiten würde, hätte ich noch Verständnis für das Argument der SBB, aber so dient es ihr nicht mehr. Gratis an den alten Arbeitsort zu fahren ergäbe ja keinen Sinn.
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    3. Antwort von Samy Albrecht, Frauenfeld
      @Ruedi Auch wenn sie an einem anderen Ort arbeitet und eine neue Strecke fährt, kann sie ja die alte Strecke von früher fahren. Freizeit, Einkaufen, Ausgang usw... nur ein paar Beispiele. Die SBB kann ja das weder kontrollieren noch wissen. Klar, glaube ich ihr ja auch, dass sie das alte wirklich verloren hat, aber es gibt auch Betrüger in unserer Gesellschaft und das nicht wenige - leider
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    4. Antwort von Ruedi, Stäfa
      @ Samy Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Eher unwahrscheinlich, würde ich sagen. Die SBB haben es allerdings auch versäumt, die Abos so zu kennzeichnen, dass man sie für ungültig erklären kann.
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