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Schreck auf Fernbusreise: Busfirma pfercht Gäste ins Privatauto
Aus Kassensturz vom 01.09.2015.
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Umwelt und Verkehr Schreck auf Fernbusreise: Busfirma pfercht Gäste ins Privatauto

Immer mehr Firmen bieten Reisen mit Fernbussen an. Expressbus verkauft sich als «Schweizer Spezialist für europaweite Busreisen» und verspricht erstklassigen Komfort im Reisecar. Kunden schluckten leer, als sie in ein gewöhnliches Privatauto einsteigen mussten. «Kassensturz» über Busreisen ohne Bus.

Familie Hinder waren in den Sommerferien auf Kreuzfahrt: Mit dem Schiff von Venedig bis nach Istanbul und wieder zurück. Es war für alle ein einmaliges Erlebnis, auch für ihre vier Kinder. «Die Ferien auf dem Schiff waren wunderschön», erzählt Gabriela Hinder im «Kassensturz».

Das Problem war die Anreise: Hinders buchten eine Busfahrt. Von Zürich nach Venedig und zurück. Sie kauften Billette bei der Firma Expressbus. Die Kosten für beide Fahrten: 70 Franken pro Kind und 140 Franken für Erwachsene.

Werbung mit 4-Stern-Bussen

Expressbus präsentiert sich auf seiner Webseite als «Schweizer Spezialist für europaweite Buslinien und Busreisen.» Die Firma arbeite mit internationalen Busgesellschaften zusammen. Expressbus wirbt mit erstklassigen Reisebussen: Bequeme Sitze, Klimaanlage und Bordtoilette würden zum Standard gehören.

Tablet
Legende: Die Familie reiste im Minibus. SRF

Doch Hinders machten andere Erfahrungen: «Es hatte eigentlich nichts von dem, was sie versprochen hatten. Ausser vielleicht die Klimaanlage. Diese funktionierte aber nicht. Weder gab es im Bus eine Toilette, noch verstellbare Sitze, Leselampen, oder sonst irgendwelchen Komfort, der einem 4-Stern Reisebus entsprechen würde», erzählt Otmar Hinder.

Schweisstreibende Fahrt mit Minibus

Familie Hinder musste in Minibussen reisen. Sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt. Von wegen komfortabler Reisecar. Die Fahrt dauerte jeweils über 12 Stunden.

«Es war eine Tortur, einfach eine Tortur vom Anfang bis am Schluss. Wir hatten eine Reisetemperatur zwischen 30 und 40 Grad im Bus drin. Es war unerträglich. Es war stickig, eng und heiss», erinnert sich Gabriela Hinder.

Auto
Legende: Einsteigen als Frau? In Venedig kam kein Car, sondern ein PKW mit Tessiner Kennzeichen. SRF

Rückreise mit Privatauto statt Bus

Ein weiterer Fall von zweifelhaftem Service von Expressbus spielte sich ebenfalls in Venedig nach einer Kreuzfahrt ab: «Kassensturz»-Zuschauerin Slobodanka Stanojevic wartete gemeinsam mit ihrer Schwester vergebens auf einen Car von Expressbus. Stattdessen kam ein privater, 5-plätziger Personenwagen. Zusammengepfercht mit fremden Leuten trat sie schliesslich die Reise an.

Wo sind die Reisecar der Firma?

Wo sind die Reisecar von Expressbus? Existieren sie überhaupt? «Kassensturz» geht auf Spurensuche und fährt zum Firmensitz. Der Weg führt am Vierwaldstättersee nach Weggis in ein Villenviertel mit herrlicher Aussicht. Das ist nur eine alte Postadresse. Reisecar findet «Kassensturz» hier keine. Auch nicht am Car-Terminal in Bern.

Minibusse und Privatautos statt Reisecars. Ist das legal? «Kassensturz» fragt nach beim Bundesamt für Verkehr. Für Personentransporte gelten strenge Auflagen. Der gewerbsmässige Transport durch Private sei nicht erlaubt sagt Mediensprecherin Olivia Ebinger: «Jede Form von gewerbsmässigem Transport von Personen braucht eine Lizenz. Reisebusse benötigen eine Bundeslizenz. Wenn man mit einem Auto gewerbsmässig Leute transportiert, dann benötigt man eine Form von Taxilizenz und diese ist dann kantonal geregelt.»

Das sagt Expressbus zu den Vorwürfen

Der neue Geschäftsführer der Firma Expressbus antwortet zu den Vorwürfen schriftlich. Das Unternehmen verfüge über acht Bewilligungen für internationalen Linienbusverkehr vom Bundesamt für Verkehr. Expressbus verfüge nach eigenen Angaben über vier Car und lasse die Mehrheit der Transporte durch Partner ausführen.

Zum fehlendem Komfort und den Minibussen schreibt die Firma: «Wir weisen auf unserer Webseite und in den AGBs die Kunden explizit darauf hin, dass im Falle geringer Auslastung eines Busverkehrs kleinere Fahrzeuge mit abweichender Ausstattung (ohne WC) eingesetzt werden können.»

Expressbus bestreitet ausserdem den Defekt der Klimaanlage. Wegen der grossen Hitze habe diese lediglich zu schwach funktioniert.

Zum Transport mit dem Privatauto schreibt Expressbus: Wegen einer Panne habe der Unterauftragnehmer «ohne unsere Zustimmung und unser Wissen die Fahrgäste mit einem Personenwagen befördert». Das sei inakzeptabel und man habe die Zusammenarbeit mit diesem Unterauftragnehmer gekündet.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Vonlanthen , Giffers
    Meine Partnerin und ich sind im August mit dem Walliser Busunternehmen L'Oiseau Bleu nach Venedig gereist um unsere Mittelmeer Kreuzfahrt anzutreten. Wir sind beide nicht gerade die Schlanksten, hatten jedoch auf der Hin- wie auf der Rückfahrt zwei Sitze zur Alleinbenutzung zur Verfügung, was wir sehr schätzten. Die Fahrt dauerte ca. 10 Std. und kostete pro Person Fr. 240.-. Es gab genügend Pausen für Toilette, Rauchen und Verpflegung. Jederzeit wieder mit L'Oiseau Bleu nach Venedig!
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  • Kommentar von Erwin Walser , Arbon
    Kreuzfahrten mit bustransfer von zerzuben sind perfekt. Komfort und bequem, Fahrzeit ca. 9.00 mit Zwischenhalt mit Fahrer wechsel in Bellinzona. Kostenpunkt pro Person 240.-. also für 140.- kann man ja keinen perfekten Transfer zum kreuzfahrthafen erwarten. aber wie immer das geiche Problem, zuerst sparen dann jammern.
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  • Kommentar von steven Marty , Lachen
    Auch wir buchten mit expressbus, abgeholt mit einem kleinen Bus ohne jegliche Komfort. Auf der Rückreise hatte es zu wenig Sitzplätze, somit mussten Ersatzfahrer stehen. Die Koffer hatten keinen Platz im Kofferaum und wurde deshalb ungesichert auf der letzten Sitzreihe aufgestapelt. Nach mehrmaliger Reklamation beim Unternehmen, sagten sie uns sie würden uns die Hälfte des Preises rückerstatten. Sie fragten mach der IBAN Nummer aber auch nachdem wir mehrmals nachhackten, wurde nichts überwiesen.
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