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Umwelt und Verkehr Sharoo: Verhaltenes Interesse an Autoteilet

Seit einem Jahr können Autobesitzer via Car-Sharing-Plattform Sharoo ihre eigenen Fahrzeuge vermieten. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch: Die Nachfrage nach diesem Dienst ist nicht so gross wie erwartet. Dass das Teilen – nicht nur von Autos – dennoch Zukunft hat, davon sind Experten überzeugt.

Legende: Audio Sharoo: Verhaltenes Interesse an Autoteilet abspielen. Laufzeit 06:24 Minuten.
06:24 min, aus Espresso vom 11.05.2015.

Mehrere Zehntausend Nutzer wollte Sharoo bis im Jahr 2015 haben. «Zukünftig soll an jeder Hausecke ein Auto stehen, welches durch die Öffentlichkeit genutzt werden kann», hiess es noch vor einem halben Jahr. Die Realität sieht anders aus: Per Ende April standen 550 Autos bei «Sharoo» zur Verfügung. Knapp 12‘000 Nutzer sind registriert.

War das junge Unternehmen am Anfang zu optimistisch? «Das kann sein», sagt Sharoo-Geschäftsführerin Carmen Spielmann. Es sei immer schwierig, Annahmen zu treffen. «Man stützt sich dabei zum Beispiel auf Studien, wie Car-Sharing im Ausland funktioniert.»

«Schweiz ist ein hartes Pflaster»

Tatsächlich sind die Voraussetzungen in der Schweiz nicht sonderlich gut für einen Dienst wie Sharoo: Der Wohlstand ist hoch, mehr als zwei Drittel aller Haushalte haben mindestens ein Auto. Ausserdem ist der öffentliche Verkehr gut ausgebaut, und es gibt mit «Mobility» bereits einen gut etablierten Car-Sharing-Dienst. Und es gibt noch eine weitere Hürde: Anders als etwa Werkzeuge oder Bücher, gehört das Auto zu jenen Dingen, die wir nicht gerne teilen.

Karin Frick, Forschungsleiterin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, ist daher nicht sonderlich überrascht, dass das Interesse an Sharoo verhalten ist. In der Schweiz gebe es gar nicht so viele Leute, die Bedarf hätten: «Wer kein eigenes Auto möchte, ist schon früher umgestiegen auf den ÖV oder nutzt ‹Mobility›. Insofern ist die Schweiz ein hartes Pflaster, um mit einem weiteren Car-Sharing-Dienst zu starten.»

Grosse Investitionen in Shared Economy

Auch für Thomas Beschorner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, kommt es nicht überraschend, dass Sharoo seine Ziele bislang nicht erreicht hat: «Man muss realistisch sein», sagt Beschorner. «Im Moment ist es eine kleine Minderheit, die bewusst bei Car-Sharing mitmacht – Leute mit Idealen.»

Trotz aller Vorbehalte ist Thomas Beschorner vom Potential der sogenannten Shared Economy überzeugt. Er beobachtet, «dass in den USA immer mehr Kapital in Unternehmen der Shared Economy investiert wird». Dennoch bleibe die Entwicklung der verschiedenen Formen von Teilen abzuwarten.

Interview mit Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner

Sharoo denkt an Alternativen

Trendforscherin Karin Frick zweifelt nicht daran, dass Teilen in den kommenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewinnen wird. Dass es im Moment bei «Sharoo» noch harzt, ist für sie kein Widerspruch: «Man muss irgendwo anfangen und kann sich dann weiterentwickeln. Was wir in Zukunft über diese Plattform austauschen, ob Mobilität oder ganz andere Dienstleistungen, das ist noch offen.»

Bei Sharoo selbst denkt man bereits über Alternativen nach. Konkretes will Geschäftsführerin Carmen Spielmann dazu jedoch nicht sagen. Nur so viel: «Wir verfügen jetzt über einen Marktplatz auf dem wir Anbieter und Nachfrage zusammenbringen können. Das lässt viel Spielraum offen.» Vielleicht werden also in Zukunft nicht nur Autos über Sharoo geteilt, sondern auch andere Gegenstände oder Dienstleistungen. Denn teilen oder tauschen lässt sich so ziemlich alles: Rasenmäher, Hausarbeiten, Wohnungen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von B. Rheinegger, Basel
    Ich fand die Idee zu Sharoo grundsäzlich gut. Es kommen schon Zweifel auf wenn nicht mal mehr Sharoo selber an die Idee glaubt und schon an alternativen Ideen herumstudiert. Wollen Sie da nicht einfach dranbleiben oder eine bessere Kommunikationsstrategie aufbauen? So verbreiten sie nur Unsicherheit. Ich werde mein Auto so sicher nicht mehr auf die Plattform stellen. Ist ja auch nicht gerade eine unaufwendige Sache.
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  • Kommentar von Hans-Jörg Dohrmann, Zürich
    Liebe Redaktion, liebe Nutzer, selbstverständlich wird das sharoo-Team "dran bleiben". sharoo hat ja gerade erst angefangen. Alle sharoo-Partner (Migros, Mobiliar und Mobility) glauben zu 100% an die Zukunft des Konzepts und werden sharoo zu einem festen Bestandteil der Schweizer Mobilitätslandschaft machen. Innerhalb von sehr kurzer Zeit wurde bereits ein attraktives Fahrzeugportfolio auf die Plattform geholt und dieses wird nahezu täglich weiter ausgebaut. There is much more to come...(;-)
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  • Kommentar von Adriano Granello, Zürich
    Solange Autos hochglänzende Karosserien aufweisen und jede noch so kleine Delle im teuren Blech nach sofortiger Reparatur ruft, ist das private Auto weit mehr als ein "Gebrauchsgegenstand", den man ohne Not irgend einem fremden Menschen zum Gebrauch überlässt - selbst wenn die Vergütung stimmt und die Vesicherung für Schäden durch Dritte aufkäme. Und: Der Vorteil des Privatautos liegt doch primär bei der sofortigen Verfügbarkeit, diese ist bei diesem CarSharing Modell klar nicht mehr gegeben.
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