Handy-Versicherungen sind oft überflüssig

Viele Verkäufer empfehlen eine Handyversicherung fürs neue Smartphone. Sie warnen vor Wasserschaden, zerbrochenem Display oder Diebstahl. «Kassensturz» zeigt: Von Handyversicherungen profitieren vor allem die Verkäufer, für Handynutzer lohnen sie sich selten.

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Teure Handyversicherung: Oft sind sie überflüssig

8:39 min, aus Kassensturz vom 11.3.2014

Handyversicherungen werben vollmundig mit Schutz gegen Sturz-und Displayschäden, Wasserschäden und Gesprächsmissbrauch. Einen sogenannten Rundumschutz fürs Handy bieten mittlerweile alle Telekomfirmen, also Swisscom, Sunrise und Orange an.

Auch Elektronikfachgeschäfte wie Mobilezone, Interdiscount und Fust verkaufen Handyversicherungen. Je nach Versicherungsmodell bezahlt der Konsument unterschiedlich viel. Die teuerste Versicherung beispielsweise bei Mobilezone kostet 15 Franken 95 im Monat. Das sind fast 200.- Franken pro Jahr.

Längst nicht alles versichert

Im Kleingedruckten, in den Allgemeinen Vertragsbedingungen listen die Versicherungen ganz detailliert alle Schäden und Ereignisse auf, die sie ausschliessen.

Die Liste ist lang. Nicht versichert sind beispielsweise: Kratzer, Lackschäden, allmählich auftretende Feuchtigkeit, Diebstahl und Verlust. Rechtsanwalt und Dozent an der Hochschule Luzern Ueli Grüter hat für «Kassensturz» verschiedene Allgemeine Vertragsbedingungen von Handyversicherungen studiert.

Grüters Fazit: «Trotz mehrmaligen Durchlesen sind verschiedene Klauseln so unverständlich formuliert, dass ich selbst als Jurist nicht genau weiss, was die Versicherung deckt und was nicht.»

Lohnt sich eine solche Versicherung? Für Konsumenten sei es sehr schwierig, sich im Laden zu informieren. Der auf Konsumentenrecht spezialisierte Jurist rät die Vertragsbedingungen gründlich zu prüfen und sich erst dann zu entscheiden, ob eine Handyversicherung sinnvoll ist.

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Provisionen für Versicherung: Verkäufer profitieren

Von Handyversicherungen profitieren vor allem die Verkäufer. Pro verkaufte Versicherung hätten sie eine Provision erhalten, erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter von Mobilezone.

Eine interne Prämien-Verkaufsliste von Mobilezone, die «Kassensturz» vorliegt, zeigt: Je nach Versicherungsmodell erhalten die Verkäufer bis zu 12 Franken pro Versicherung und Gerät. Oftmals hätten sie die Kunden überhaupt nicht über eine Versicherung informiert, sagt der ehemalige Verkäufer.

«Der Kaufpreis fürs neue Handy, den wir dem Kunden sagten, war bereits der Preis inklusive einer Versicherung.» Die Quittungen seien unverständlich und wenn einmal ein Kunde sich die Quittung genau erläutern lassen wollte, so hätten sie den Preis der Versicherung als sogenannte Steuertaxen fürs neue Handy ausgewiesen, erzählt der ehemalige Verkäufer von Mobilezone.

Mobilezone widerspricht

Man verkaufe seit Jahren erfolgreich zehntausende Handyversicherungen pro Jahr, schreibt Mobilezone «Kassensturz». Provisionen seien ein Bestandteil der Gehaltsmodelle.

Mobilezone weist den Vorwurf der Kundentäuschung zurück und schreibt «Kassensturz», dass bei den grossen Volumen, die sie täglich abwickeln würden, Einzelfälle nie auszuschliessen seien.

«Der Kunde erhält eine übersichtliche Kaufquittung, die sämtliche eingekauften Artikel einzeln aufführt, auch die Versicherung.»

Mitarbeiter von Sunrise erhalten ebenfalls einen Bonus, wenn sie eine Versicherung erfolgreich abschliessen. Hingegen erhalten Swisscom-Mitarbeiter und Verkäufer von Orange keine Prämie laut Angaben der Unternehmen.

Fazit: Handyversicherungen lohnen sich nur in ganz seltenen Fällen. Mit einem Pin-Code fürs Handy, dem Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» bei seiner Hausratversicherung und etwas Sorgfalt lässt es sich gut leben, auch ohne Handyversicherung.