Firma verweigert Reparatur an Fertighaus

Eine Baufirma sicherte vertraglich zu, den Keller des Fertighauses wasserundurchlässig zu bauen. Der Hausbesitzer kämpft seit Monaten mit hartnäckigem Schimmelbefall. Die Baufirma will von Mängeln nichts wissen. Der Eigentümer droht auf den Sanierungskosten von 220‘000 Franken sitzen zu bleiben.

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Firma verweigert Reparatur an Fertighaus

5:30 min, aus Kassensturz vom 22.3.2011

Mitten im neuen Wohnzimmer der Familie Rupp steht ein Bett. Hier schläft die 21-jährige Tochter. Ihr eigentliches Schlafzimmer im Erdgeschoss ist unbewohnbar, denn an den Wänden blättert die Farbe ab. «Das Zimmer ist oft sehr feucht, und es riecht unangenehm schimmlig», erzählt Mutter Eliane Rupp. Die Familie hat den Pilzbefall eben erst professionell von den Wänden entfernen lassen. «Aber der Schimmel kommt wieder. Das ist ein unhaltbarer Zustand für uns.»

Gesamtes Erdgeschoss betroffen

Betroffen sind alle Räume im Erdgeschoss: Von den Wohnräumen der Tochter bis zu den Kellerräumen und der Garage. Überall blätter die Farbe ab, überall sind Schimmelspuren zu sehen. Die Familie wohnte gerade mal ein Jahr im neuen Haus, als die Probleme letzten Sommer erstmals auftraten.

Kondenswasser als Ursache?

Erstellt hat das Haus die deutsche Firma Kastell Massivhaus GmbH. Weil das Erdgeschoss zum Teil unter Boden liegt, entschied sich Eliane Rupp für ein spezielles Abdichtungssystem. Kastell sicherte im Vertrag ausdrücklich zu, dass der Keller «wasserundurchlässig» sein werde.

Trotzdem will die Firma von Baumängeln nichts wissen. Kastell hat behauptet, Kondenswasser sei der Grund für die Feuchtigkeit, erzählt Eliane Rupp: «Kastell hat uns einen Wikipedia-Link für richtiges Lüften geschickt. Wir finden das lächerlich und eine absolute Frechheit!»

Feuchtigkeit kommt von aussen

Das ist eine Einschätzung, die auch Othmar Helbling teilt. Der unabhängige Bauberater hat die Schäden für «Kassensturz» in Augenschein genommen. Sein Fazit ist klar: «Das sind nicht Schäden, die durch falsches Lüften entstehen, sondern da kommt tatsächlich Wasser ins Gebäude. Das dürfte nicht sein.» Kastell müsse die gravierenden Mängel beseitigen, so Helbling weiter. Der Bauvertrag sichere seiner Meinung nach die Dichtigkeit gegen Wasser klar zu.

Sanierung kostet über 220‘000 Franken

Kastell hat bisher jedoch alle gesetzten Fristen zur Behebung der Mängel verstreichen lassen. Deshalb hat Familie Rupp das Heft selber in die Hand genommen und Offerten bei Drittfirmen eingeholt. Weil im Erdgeschoss und um das Haus der Boden aufgerissen und neu abgedichtet werden muss, belaufen sich die Gesamtkosten der geplanten Sanierung auf fast eine Viertelmillion Franken.

Baumfirma weist Schuld von sich

Die Firma Kastell nimmt schriftlich zum Fall Stellung. Man bemühe sich seit Monaten abzuklären, weshalb Wasser eintrete. Allerdings gelte die zugesicherte Wasserdichtigkeit nicht für den gesamten Keller. Ausserdem hätte im Frühjahr «einer möglichen Mangelhaftigkeit» beseitigt werden sollen. Dazu habe man eine Fachfirma aufgefordert, ein Angebot über erforderliche Abdichtungsarbeiten vorzulegen.

Dies habe Eliane Rupp gegenüber der Fachfirma jedoch abgelehnt, schreibt Kastell. «Nachdem Frau Rupp also unsere Mitwirkung der Lösung behaupteter Probleme verweigert (…), sehen wir uns ausser Stande, weiter behilflich zu sein.» Man habe in monatelangen Gesprächen und während eines Besprechungstermins vor Ort alles versucht, um auch bei Frau Rupp eine Kundenzufriedenheit zu erreichen, so Kastell.

Streitfall wird wohl vor Gericht landen

«Kastell schiebt jetzt mir die Schuld in die Schuhe», empört sich Eliane Rupp. Sie habe Kastell in keiner Weise aus der Verantwortung entlassen. Nachdem die Firma jedoch Frist um Frist verstreichen liess, ohne die Mängel zu beseitigen, habe sie Drittfirmen für die Sanierung beigezogen. «Ich habe Kastell bei den Fristsetzungen stets darauf hingewiesen.»

Nun bleibe wohl keine andere Möglichkeit, als zu klagen, meint Eliane Rupp: «Wir sind sehr enttäuscht von Kastell, und es ist bedauerlich, dass wir nun diesen langen und kostspieligen Weg gehen müssen.»