Kriminalprävention schon bei der Stadtplanung

Zum ersten Mal wird in der Schweiz ein ganzes Stadtquartier schon so geplant, dass es dort möglichst wenig Kriminalität gibt: Beim neuen Aeschbachquartier in Aarau gehört städtebauliche Kriminalprävention zum Konzept.

Eine Frau schaut sich ängstlich in einer Unterführung um Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit der neuen Stadtplanung soll es keine unheimlichen Orte mehr geben. Colourbox

«Mit der städtebaulichen Kriminalprävention möchten wir Tatgelegenheiten vermeiden», sagt

Tillmann Schulze, Leiter urbane Sicherheit bei der Planungs- und Beratungsfirma Ernst Basler und Partner, «je früher man dies macht, desto besser.» Daher fängt städtebauliche Kriminalprävention im Idealfall bereits bei der Planung von Quartieren an und setzt die Präventionsmassnahmen beim Bau um.

Mögliche Angst-Orte definieren

Im Falle des Aeschbachquartiers in Aarau trafen sich Vertreter der Bauherrin Mobimo AG, der Polizei, der Stadt Aarau, Architekten und Planer und Spezialisten für Kriminalprävention. «Gemeinsam haben wir geschaut, was es beim damaligen Planungsstand für Möglichkeiten gab, um das Quartier sicherer zu machen», erklärt Präventionsspezialist Tillmann Schulze das Vorgehen. «Das konnte bei der Fassaden-Gestaltung, bei der Einsehbarkeit von Hauseingängen oder bei der Wegführung sein.»

Aus Sicherheitsgründen im Nachhinein eine Mauer durch einen Zaun ersetzen, das sei mit etwas Aufwand noch machbar, erläutert Tillmann Schulze im Interview mit dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1: «Hat jemand aber ein Haus gebaut und ist der Meinung, dass aus Sicherheitsgründen der Eingang etwas weiter links liegen sollte, dann ist das nicht mehr möglich.» Deshalb sollen bereits bei der Planung mögliche Sicherheitsrisiken und sogenannte Angst-Orte gefunden und entschärft werden.

Genügend breite Wege und Durchgänge

Städtebauliche Kriminalprävention geht weiter als herkömmlicher Einbruchschutz durch gesicherte Fenster und Alarmanlagen. Ziel ist es, in Quartieren Orte zu vermeiden, welche Ängste auslösen könnten und so das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu steigern. Im Interview mit «Espresso» macht Präventionsexperte Tillmann Schulze einige Beispiele für mögliche Massnahmen: «Im Umfeld der Gebäude soll die Beleuchtung von Gehwegen und Parkanlagen so sein, dass man sich dort möglichst wohl fühlt.» Für das Sicherheitsempfinden wichtig sei auch die Breite von Gehwegen und Durchgängen: «Sind sie zu schmal, kann ich einer Person, die mir entgegenkommt und nicht ganz geheuer ist, nicht ausweichen.»

Weiter erwähnt Schulze das wilde Urinieren. Männer würden dies nicht einfach so tun, sondern sie bräuchten etwas, woran sie sich erleichtern können. Eine ganz einfache Massnahme gegen das wilde Urinieren ist laut Tillmann Schulze ein Grünstreifen von ungefähr einem Meter Breite zwischen einer Wand und einem Gehweg: «Sie können sicher sein: Dort bleiben Männer sicher nicht stehen, um sich zu erleichtern.»

Wichtig sei bei der städtebaulichen Kriminalprävention, auch die Bevölkerung einzubeziehen. Tillmann Schulze sagt: «Einer der ganz zentralen Punkte ist die soziale Kontrolle. Dazu könnte sich ein Quartiertreff anbieten, bei dem auch Sicherheit ein Thema ist.»

Gemeinsamer Sicherheitsrundgang im Quartier

Gerade mit sozialer Kontrolle könne man auch in bestehenden Quartieren die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl verbessern, ist der Präventions-Experte überzeugt. Wenn sich die Nachbarn gegenseitig kennen und dazu anhielten, aufmerksam zu sein, würden Personen, die etwas im Schilde führen, eher erkannt.

Tillmann Schulze regt Quartierbewohner zu einem gemeinsamen, abendlichen Rundgang an. Daran sollen möglichst Frauen, Männer und Kinder teilnehmen: «Überlegen Sie sich dabei, wo sie sich unwohl fühlen und weshalb. Meist haben Sie sofort auch eine Idee, was man besser machen könnte.» Auf solche Rundgänge könne man auch Präventionsspezialisten der Polizei einladen.