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Tierschutz fordert strengere Vorschriften für Viehschauen
Aus Espresso vom 26.04.2016.
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Umwelt und Verkehr Tierschutz kritisiert Viehschauen: «Tierwohl wird missachtet»

Der Schweizer Tierschutz STS kritisiert die grossen Viehausstellungen mit scharfen Worten: Die Tiere müssen mit übervollen Eutern stundenlang stehen, manche Bauern verkleben die Zitzen. Eine STS-Tierärztin fordert: «Das Tierwohl muss an solchen Veranstaltungen zwingend berücksichtigt werden.»

An Viehschauen werden schöne Milchkühe prämiert und teilweise verkauft. Die Züchter wollen ihre Tiere deshalb möglichst hübsch präsentieren. Und dafür verstossen sie auch gegen das Gesetz. Die St. Galler Tierärztin Julika Fitzi besuchte für den Schweizer Tierschutz drei Tierschauen in Bulle, Lausanne sowie St. Gallen und fand klare Mängel.

Zum Beispiel fand sie viele Kühle mit prall gefüllten Eutern vor. «Eine Quälerei», sagt Julika Fitzi: «Das ist für die Tiere extrem schmerzhaft. Man kann das gut am etwas staksigen Gang sehen. Die Tiere ziehen ihre Hinterläufe quasi um das Euter herum, um sich möglichst zu schonen.»

Zitzen werden mit Sekundenkleber verschlossen

Die Euter sind teilweise so prall gefüllt, dass sogar Milch aus den Zitzen fliesst. Ein klares Zeichen dafür, dass die Kühe ihre Milch gerne loswerden würden. Da sich das an einem Schönheitswettbewerb nicht gut macht, greifen die Besitzer zu unschönen Methoden. Julika Fitzi erzählt von ihren Beobachtungen: «Die Züchter tun alles, damit kein Milchfluss sichtbar ist und das Euter prall bleibt. Wir haben gesehen, dass mit Sekundenkleber oder Sprühpflaster gearbeitet wurde. Oder den Kühen wurden Zitzenstifte eingeführt.»

Kritisiert wird auch das «Herausputzen» der Tiere. Dazu müssen die Kühe stundenlang in sogenannten Zwangsständen mit hochgebundenem Kopf verharren. Dort werden sie rasiert und präpariert. «Bleiben sie nicht ruhig stehen, dann gibt es Zwangsmassnahmen wie Schwanzklammern oder Schlagbügel», berichtet die Tierärztin über ihre Beobachtungen. «Die Züchter sind sehr einfallsreich.»

Verstoss gegen das Tierschutzgesetz

Was die Organisation solcher Schauen betrifft ist der Tierschutz ganz zufrieden. Julika Fitzi betont aber, dass gegen das übertriebene Zurechtmachen der Tiere dringend etwas unternommen werden muss. «Uns sind viele negative Punkte aufgefallen. Unter anderem werden den Kühen die Tasthaare abgeschnitten, und das ist laut Gesetz verboten.» Für Sie herrscht daher dringender Handlungsbedarf: «Es muss alles unternommen werden, damit das Tierwohl an solchen Schauen berücksichtigt wird.»

TV-Tipp

TV-Tipp

An Viehschauen wenden Züchter tierschutzwidrige Praktiken an. Pikant: Die fragwürdigen Shows erhalten Suventionen.

Mehr dazu im «Kassensturz», am Dienstag um 21.05 Uhr auf SRF 1.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Enno Strömer , Strömer
    Der Anteil an Frauen bei den Rinderschauen dürfte die 50% Marke deutlich überschreiten. Ob das nun positiv oder negativ ist, sei mal dahin gestellt.
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  • Kommentar von Jana Gehr , Auerbach
    Keine Schmerzen? Wenn jemand mal einer Frau, die ihr Kind voll stillt, nach dem Milcheinschuss die Brüste zu klebt und keine Milch mehr abpumpen bzw. das Kind trinken lässt, dann tut das auch weh!!!! Schon wenn die Milch bekinnt von allein zu laufen ist das oft schon schmerzhaft, aber dann auch noch zukleben... Ich fasse es nicht! Da bekommt man auch Milchstau und Entzündungen... Schonmal was von Empathie gehört... Tierquälerei für nix und wieder nix.... (außer Profitgier und Ego)
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  • Kommentar von Sarah Hug , Walde AG
    Schweinerei die Tiere mit solchen Euter zu präsentieren. Ich glaube auch, dass die Kühe schmerzen haben, im Euter wie auch in den Beinen, wenn sie gehindert werden anatomisch zu gehen. Ich sehe diese Bauern als Tierquäler, Bauern sollten ihre Tiere lieben und nicht für einene Vorführefekt überlasten. Ich finde die Kühe so wie sie auf der Weide stehen viel schöner. Diese Tiere wirken glücklich.
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