Travel Cash: Unerwartete Gebühren ärgern Kunden

Die Reisekarte Travel Cash gilt seit einem Jahr als Prepaid-Kreditkarte. Dass dies beim Zahlen im Ausland entsprechende Zusatzgebühren nach sich ziehen kann, ist vielen Kunden nicht bewusst. «Espresso» berichtete. Doch es warten weitere Kosten, mit denen der Kunde nicht rechnet.

Als Travel-Cash-Kunde Andreas Jacomet in den USA am Bancomaten Bargeld beziehen wollte, kam die grosse Überraschung: Zu den fünf Dollar Gebühren, die er für jeden Bezug an den Anbieter Swiss Bankers zahlt, kamen je nach Bancomat noch bis zu acht Dollar lokale Automatengebühren dazu. Andreas Jacomet ärgert sich: «Auf der Webseite des Anbieters wird mir zwar klar gesagt, dass der Bargeldbezug fünf Dollar kostet. Aber von den Gebühren, welch die Bank vor Ort noch verlangt, sehe ich nichts.»

Auf diese lokalen Gebühren am Bancomat habe man keinen Einfluss, ausserdem sei davon nicht nur ihre Karte betroffen, sagt der Anbieter Swiss Bankers. Von der Problematik der Bancomatgebühren vor Ort würden auch die anderen Kredit- und Debitkarten nicht verschont, betont Geschäftsführer Thomas Beck. Dank der Berichterstattung von «Espresso» weist das Unternehmen auf der Webseite jetzt neu aber auf diese Gebühren hin.

Rückzahlungen aufs Konto kosten 20 Franken

Doch etwas Weiteres ärgert Andreas Jacomet: Wer auf seiner Karte einen kleinen Restbetrag wie zum Beispiel 2,50 Franken übrig hat, könne sich diesen sprichwörtlich ans Bein streichen. Fürs Zurückzahlen aufs eigene Bankkonto verlangt Swiss Bankers ebenfalls Spesen: 20 Franken kostet der Spass – «ein Witz». Geschäftsführer Thomas Beck bestätigt diese kundenunfreundliche Praxis, beteuert aber: «Wir sind diesbezüglich sehr kulant. Wenn ein Kunde 2,50 Franken zurück haben möchte, dann tun wir das kostenlos.» Bei einem Restbetrag von unter 100 Franken verzichte man auf diese Gebühr.

Nach Kartenablauf lauert «Bearbeitungsgebühr»

Werbung von Travel Cash mit rotem Hinweis "ohne Jahresgebühr". Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf der Internetseite von Swiss Bankers wird laut geworben, dass keine Jahresgebühren anfallen. Swiss Bankers

Im Kleingedruckten zur Travel-Cash-Karte entdeckt «Espresso» eine weitere stossende Regelung: Obwohl Swiss Bankers damit wirbt, dass sie im Gegensatz zu anderen Anbietern keine Jahresgebühr verlangt, ist eine Gebührenklausel eingebaut. Da heisst es wörtlich: «Nach Ablauf der Kartengültigkeit wird dem Kartenkonto eine jährliche Bearbeitungsgebühr belastet.» Kostenpunkt: 20 Franken. Genau das ist Josef Huwiler aus Glattbrugg passiert. «Mir war nicht bekannt, dass diese Karte ein Verfalldatum hat. Und auch nicht, dass danach plötzlich Spesen belastet werden», ärgert er sich.

Die Stellungnahme von Swiss Bankers: «Bei Karten mit weniger als 100 Franken Guthaben, die nicht mehr gebraucht werden, gehen wir davon aus, dass der Kunde die Karten nicht mehr will. Bei solchen Fällen belasten wir eine jährliche Gebühr, weil uns für die Weiterführung des Kartenkontos Kosten anfallen, die wir decken müssen.»

Für Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis ist das eine fragwürdige Praxis: «Entweder man hält sein Versprechen und verlangt keine Jahresgebühr, auch wenn der Kunde die Karte nicht braucht. Oder man passt die Werbung an. Aber eine solche Bearbeitungsgebühr ist faktisch nichts anderes als eine Jahresgebühr.»

«Abzockerei pur»

Die Reisekarte Travel Cash, Nachfolgerin der Travelers Cheques, ist verbreitet. 400‘000 Karten sind im Umlauf, mehr als 1 Milliarde Franken haben die Schweizerinnen und Schweizer insgesamt darauf parkiert, wie das Unternehmen mitteilt. Das Geschäft floriert, und damit auch das Geschäft mit den Gebühren. «Mit Travel Cash hat sich Swiss Bankers eine super Geldmaschine gebaut, zu Ungunsten der Reisenden. Das ist doch Abzockerei pur!», ärgert sich Andreas Jacomet. Swiss Bankers sieht das anders und wehrt sich energisch gegen den Vorwurf. Geschäftsführer Thomas Beck entgegnet: «Die Herausgabe dieser Karten verursachen Kosten. Wir müssen an Mastercard Gebühren abliefern, wir haben Kosten für Kundenservice und IT. Das alles müssen wir mit Gebühren finanzieren.»

«Prepaid-Kreditkarten sind teuer»

Travel Cash habe zudem Vorteile, die andere Zahlungsmittel nicht böten, argumentiert der Anbieter. Zum Beispiel, dass die Reisekarte nicht mit dem eigenen Konto verbunden sei. Doch die Konsumenten müssten sich bewusst sein, sagt Ralf Beyeler von Comparis klipp und klar: «Im Vergleich mit Bargeld, Debit- oder Kreditkarte sind solche Prepaid-Kreditkarten im Ausland oft die teuerste Variante.»