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«Espresso H2Ohhh!» Wasserknappheit: Was passiert mit den Mineralquellen?

Wenn es wochenlang kaum regnet, wer bestimmt eigentlich, wie viel die Mineralwasserproduzenten entnehmen dürfen?

Mirco Roncon, der Betriebsleiter der laut eigenen Angaben ältesten kommerziell genutzten Schweizer Quelle, Allegra Passugger, steht vor der Quelle des stillen Mineralwassers Allegra. Man fand sie erst vor 30 Jahren – mit Hilfe von «Wasserschmöckern» und Rutengängern. Noch sei die Situation nicht alarmierend, meint Roncon, «obwohl die Bäche in der Region markant weniger Wasser führen». Aber wenn es weiterhin so wenig Niederschlag gebe wie bis jetzt im Sommer 2018, «dann wird sich auch unsere Quelle auf einem niedrigen Stand einpendeln.»

Ein paar Kilometer weiter talwärts, in Passugg, trifft «Espresso» den Inhaber und CEO der Allegra Passugger Quelle, Urs Schmid. Wem gehört denn nun dieses Wasser, das hier seit mehr als 100 Jahren Tag und Nacht gratis aus dem Felsen sprudelt und in Flaschenform teuer verkauft wird? Die Antwort ist kurz und klar: «Uns».

«Wir entziehen niemandem etwas»

«Unsere Quellen sind im Grundbuch eingetragen, das ist sehr selten in der Schweiz», erklärt Urs Schmid. Normalerweise gehören die Quellen der Gemeinde. Die Mineralwasserabfüller zahlen dieser einen Obolus und es ist auch geregelt, wie viel die Unternehmen maximal entnehmen dürfen. «Das ist bei uns nicht so. Wir haben die volle Nutzung und können mit dem Wasser machen was wir wollen.»

Das Passugger Quellwasser sei aber komplett unabhängig vom Brauch- und Leitungswasser der Region, sagt Urs Schmid. Man nehme deshalb niemandem etwas weg. Trotzdem bleiben er und sein Team ganz bewusst bescheiden mit den Wachstumsabsichten.

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Wasserknappheit wegen Klimawandel: Was dann?

Und was passiert, wenn das Wasser wegen dem Klimawandel auch in der Schweiz knapp wird, wie verschiedene Studien warnen? Kommt es dann zum Streit zwischen der Bevölkerung (Trinkwasser), Bauern (Felder bewässern) und den Mineralwasser-Abfüllern?

Urs Schmid kann sich dazu nicht äussern. «Wir sehen das derzeit im Thurgau, wo das Wasser für die Bewässerung der Felder knapp wird.» Eine Lösung habe niemand im Köcher, meint er. «Wir können deshalb nur umsichtig mit dem Gut Wasser umgehen und hoffen, dass diese Situation lang, lang nicht eintrifft.»

Dass man in Passugg mit der wertvollen Ressource Wasser tatsächlich sorgsam umgeht, nimmt man dem 56-jährigen Inhaber Urs Schmid ab. Nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Geschichte, die er und die Quelle hinter sich haben.

Vor 13 Jahren wollte sich der Bündner selbständig machen und sagte sich: Es müsste doch möglich sein, dass eine der tollen Bündner Quellen nicht einem Grosskonzern, sondern wieder den Bündnerinnen und Bündnern gehört. Frech meldete er sich bei der Besitzerin Feldschlösschen. Und war total überrumpelt, als ihn der CEO zum Gespräch einlud.

Vom Grosskonzern zurück in Bündner Hände

Das Wunder geschah: Zusammen mit vier wohlhabenden Bündner Investoren kaufte Urs Schmid 2005 die Quelle von Feldschlösschen zurück. Wie viel man in der Schweiz für eine Quelle hinblättern muss, will er nicht sagen.

Aber er will das Unternehmen mit Bescheidenheit weiterführen. Mit ein Grund, weshalb sich Urs Schmid dazu entschlossen hat, das Wasser nicht im Grossverteiler anzubieten und auch nicht ins Ausland zu expandieren. Wer das Passugger Wasser wolle, «muss es holen kommen». Dadurch bleibe der Markt klein und so könne man es «moralisch auch verantworten».

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