«Die Reise nach Petuschki» von Wenedikt Jerofejew 5/10

«Alle wertvollen Menschen Russlands, alle Menschen, die für Russland wichtig waren, haben gesoffen wie die Löcher. Sie haben alle verzweifelt gesoffen, alle aufrechten Menschen Russlands. Und warum haben sie so verzweifelt gesoffen? Weil sie aufrecht waren.»

Ein Glas Weisswein.
Bildlegende: Wer trinkt ist aufrecht? Oder aufrecht ist, wer trinkt? Colourbox

Dieser Klassiker der russischen Moderne ist ein einziger Rausch und gleichzeitig eine der besten Abbildungen der damaligen russischen Realität.

Im Zug nach Petuschki haben sich inzwischen alle Reisenden verbrüdert, lassen die Wodkaflaschen kreisen und unternehmen unterhaltsame Streifzüge in die Vergangenheit, widmen sich in Anekdötchen Tschechow, Mussorgski und Gorki, die offensichtlich nur dank des Alkohols ihr grosses Genie entfalten konnten.

Wenedikt Jerofejew (1938-1990) studierte Geschichte und Literatur bis er von der Uni flog und sich fortan als Heizer, Wärter, in der Pfandflaschenannahme, als Milizionär, Strassenarbeiter und Monteur beim Fernmeldewesen durchs Leben schlug. Sein Meisterwerk «Die Reise nach Petuschki» entstand im Herbst 1969, wurde in Israel 1973 erstmals auf russisch publiziert und war erst 1988 - leicht gekürzt - in der Sowjetunion zu lesen.

Sie hören den Live-Mitschnitt der Lesung im Hamburger Literaturhaus am 27.Januar 1998.

Sprecher: Harry Rowohlt, Robert Gernhardt, Josef Bilous - Übersetzung: Natascha Spitz - Produktion: Kein & Aber 2001 - Dauer: 30

Redaktion: Susanne Heising