«Die Reise nach Petuschki» von Wenedikt Jerofejew 7/10

«Im Grunde genommen hat auf der Strecke nach Petuschki keiner Angst vor den Kontrolleuren, weil alle ohne Fahrschein sind. Wenn irgendein Abtrünniger im Suff aus Versehen einen Fahrschein gekauft hat, ist es ihm natürlich furchtbar peinlich, wenn die Kontrolleure kommen.»

Mix-Getränke.
Bildlegende: Wenitschka trinkt, die Mitreisenden trinken, sogar der Oberschaffner Semjonitsch trinkt mit den Schwarzfahrern mit. Keystone

Dieser Klassiker der russischen Moderne ist ein einziger Rausch und gleichzeitig eine der besten Abbildungen der damaligen russischen Realität.

Sein Köfferchen voll Schnaps fest ans Herz gedrückt, besteigt Wenedikt Wenitschka Jerofejew am Kursker Bahnhof den Vorortzug von Moskau nach Petuschki. Er will zu seinem Mädchen. Die Reise wird zu einer einzigen Sauftour: Wenitschka trinkt, die Mitreisenden trinken, sogar der Oberschaffner Semjonitsch trinkt mit den Schwarzfahrern mit. Von Station zu Station und von Flasche zu Flasche werden Wenitschkas Monologe und sein Gedankenaustausch mit den Reisegefährten aberwitziger.

Wenedikt Jerofejew (1938 1990) studierte Geschichte und Literatur bis er von der Uni flog und sich fortan als Heizer, Wärter, in der Pfandflaschenannahme, als Milizionär, Strassenarbeiter und Monteur beim Fernmeldewesen durchs Leben schlug. Sein Meisterwerk «Die Reise nach Petuschki» entstand im Herbst 1969, wurde in Israel 1973 erstmals auf russisch publiziert und war erst 1988 leicht gekürzt in der Sowjetunion zu lesen.

Sie hören den Live-Mitschnitt der Lesung im Hamburger Literaturhaus am 27. Januar 1998.

Sprecher: Harry Rowohlt, Robert Gernhardt, Josef Bilous Übersetzung: Natascha Spitz Produktion: Kein & Aber 2001 Dauer: 29'

Redaktion: Susanne Heising