«Ich nannte ihn Krawatte» von Milena Michiko Flašar 1/10

Die japanische Arbeitswelt bildet den Rahmen für Milena Michiko Flašars Roman «Ich nannte ihn Krawatte». Beide Hauptfiguren, Taguchi Hiro und Ohara Tetsu sind aus allen Beziehungen gefallene Aussenseiter, die dem Druck des Alltags und des Erwerbslebens nicht standhalten können.

Eine Frau sitzt zusammengekauert auf einer Parkbank.
Bildlegende: In «Ich nannte ihn Krawatte» von Milena Michiko Flašar kommen Hiro und Ohara Tetsu im Park ins Gespräch. Imago/ Action Pictures

Hiro, 20 Jahre alt, und Ohara Tetsu, 58 Jahre alt, sitzen sich viele Tage lang im Park auf Bänken vis-à-vis. Sehr vorsichtig kommen sie miteinander ins Gespräch. Und wie sich herausstellt, haben beide schwer zu tragen. Hiro gibt sich die Schuld am Tod seines Freundes und seiner Freundin. Das hat ihn zum Hikikomori gemacht. So werden in Japan Leute genannt, die sich freiwillig komplett aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Hiro hat seit zwei Jahren sein Zimmer nicht verlassen und mit niemandem gesprochen. Ohara ist 58 Jahre alt, hat seine Arbeit verloren und seiner Frau Kyoko nichts davon erzählt. Jeden Morgen verlässt er sein Haus, in der Aktenmappe die liebevoll von Kyoko gefüllte Bentobox. Er verbringt den Tag im Park und geht pünktlich um 18 Uhr wieder nach Hause.

Die Österreicherin Milena Michiko Flašar (*1980) hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters und lebt als Schriftstellerin in Wien. «Ich nannte ihn Krawatte» erschien 2012 im Verlag Klaus Wagenbach, «Okaasan - Meine unbekannte Mutter» erschien 2010 im Residenz Verlag und «[Ich bin]», ebenfalls im Residenz Verlag, 2008.

Mit: Stefan Roschy (Hiro)

Regie: Margret Nonhoff - Produktion: SRF 2016 - Dauer 28‘

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen die Lesung nur bis zum 21. Juni 2016 zum Nachhören anbieten.

Redaktion: Margret Nonhoff