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Wo das Laub hinfällt
Aus Biodiversität vom 15.11.2019.
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Grünstadt Luzern Laub liegenlassen für mehr Biodiversität

Es ist die Zeit der fallenden Blätter. In der ganzen Schweiz wird jetzt fleissig Laub entsorgt. Viel Arbeit, die oftmals gar nicht nötig wäre. Die Stadt Luzern geht hier neue Wege mit einem ausgeklügelten Laubmanagement.

Noch vor wenigen Jahren hat die Stadt Luzern den Grossteil des Laubes entfernt und entsorgt. Und damit auch die Nährstoffe aus den Blättern. Ein natürlicher Kreislauf fand also nicht statt. Zudem fehlte das Laub als Unterschlupf und Nahrung für viele Tiere wie Igel, Würmer, Insekten oder Blindschleichen.

Laubkreislauf

Die zu Boden gefallenen Blätter werden von kleinen Bodenlebewesen wie Käfer, Asseln, Schnecken, Tausendfüssler aber auch Pilzen und Bakterien zersetzt. Aus dem Kot der Tiere wird dann Humus, der reich ist an Mineralstoffen und Bäume, Sträucher und andere Pflanzen wiederum mit Nährstoffen versorgt.

Laubmanagement
Legende: Die Stadt Luzern hat ein neues Laubmanagement für mehr Biodiversität. SRF

Darum hat die Stadtgärtnerei Luzern in den letzten Jahren ein neues Laubkonzept erarbeitet. Ziel ist es, so wenig Laub wie möglich abzutransportieren. Wo früher mit dem Laubbläser alles bis aufs letzte Blatt entfernt wurde, dürfen heute viele Blätter liegen bleiben.

David Risi, zuständig für die Entwicklung der Grünflächen der Stadt Luzern, erklärt: «Wenn wir die Möglichkeit haben, das Laub zum Beispiel in einer Hecke oder in Sträuchern zu deponieren, bringen wir das Laub so wieder zurück in den Kreislauf.»

Laub in Hecke
Legende: Das Laub, das in der Hecke deponiert wird, wird von Bodenlebewesen zersetzt und zu nährstoffreichem Humus umgewandelt. SRF

Laub, das nicht liegen gelassen werden kann, kommt in die stadteigene Kompostieranlage. Dort wird das Restmaterial zu organischem Dünger, welcher wiederum für neue Bepflanzungen oder auf bestehenden Flächen zum Einsatz kommt.

Mit einem guten Laubmanagement können aktuelle Herausforderungen wie Nutzungsdruck, Klimawandel, Trockenheitsphasen im Sommer, sowie Extremwetterereignisse positiv beeinflusst werden. Zudem ist es eine wichtige Massnahme für mehr Biodiversität.
Autor: David RisiGrünflächenmanager der Stadt Luzern

Verbrannt wird in der Stadt Luzern nur Laub, welches von besonders verschmutzten Standorten kommt, wie zum Beispiel vielbefahrenen Strassen und Trottoirs der Innenstadt. Dieses Laub kann nicht kompostiert werden, weil es Schadstoffe wie Plastikteile oder Feinstaub enthält.

Aktueller Fokus zu Strassenbäumen

Seit einiger Zeit führt die Stadt Luzern Experimente durch mit dem Ziel, Bäume an vielbefahrenen Strassen zu pflegen. Diese Bäume sind durch Verschmutzung und extreme Temperaturen sowie Trockenheit im Sommer unter Druck. Auch haben sie nur wenig Platz für ihre Wurzeln. Das Laub, das sie mit Nährstoffen versorgen könnte, wurde bisher weggeräumt oder weggewindet. Die Stadtgärtnerei hat nun begonnen, diese Bäume mit Stauden zu unterpflanzen, die das Laub auffangen und den Bäumen Schutz vor Trockenheit und Hitze bieten.

Auch die Art und Weise, wie das Laub zusammengekehrt wird, steht im Fokus des neuen Laubkonzepts der Stadt Luzern. Auf ökologisch wertvollen Flächen wie artenreichen Trockenwiesen arbeiten die Stadtgärtner und Stadtgärtnerinnen statt mit dem Laubbläser mit Rechen oder Besen. So bleiben die Pflanzensamen liegen und können wieder keimen. Auch viele Kleintiere profitieren vom Verzicht auf den Laubbläser, denn die starken Luftstösse können für Spinnen, Käfer und andere Laubbewohner tödlich sein.

Rechen
Legende: Der Griff zum Rechen ist nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Ohren angenehmer als der Laubbläser. SRF

Auf ökologisch weniger wertvollen Flächen, wie zum Beispiel Rasen oder auf Strassen, setzt die Stadt Luzern weiterhin auf Laubbläser. Etappenweise werden die benzinbetriebenen Geräte durch Elektro-Bläser ersetzt. Diese haben den Vorteil, dass sie deutlich leiser und leichter sind. Zudem ist der Betreiber nicht ständig den Schadstoffen aus dem Verbrennungsmotor ausgesetzt und der Luftstrahl lässt sich viel leichter regulieren.

Das Laubkonzept der Stadt Luzern ist im Zusammenhang mit dem Label Grünstadt, Link öffnet in einem neuen Fenster entstanden. Vor zwei Jahren hat Luzern als erste Stadt der Schweiz dieses Label erhalten. Es ist ein Label des Verbunds der Schweizer Stadtgärtnereien (VSSG) welches vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), von Bioterra, und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) unterstützt wird. Das Label zeichnet Städte und Gemeinden aus, die sich besonders für Gestaltung und Pflege der Grünflächen einsetzen. Der umfassende Massnahmen-Katalog beinhaltet unter anderem die Handhabung des Laubmanagements.

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