Marlies Begert und die SMS-Geschenke an ihren Enkel

Aufmunterung für jeden neuen Tag: Das hat die Berner Schriftstellerin Marlies Begert ihrem Enkel während neun Monaten täglich geschenkt. Per SMS hat sie ihm jeweils zwischen 07.00 und 07.30 eine Tierkarte geschickt und die besonderen Fähigkeiten des jeweiligen Tiers herausgestrichen.

Marlies Begert: Erst mache ich mir Notizen und erst dann tippe ich die Geschichte in den Laptop
Bildlegende: Marlies Begert, Berner Mundartautorin

Wenn die Enkelkinder von Marlies Begert zu Besuch waren, hat sie manchmal ein Set mit Tierkarten hervorgeholt und ihnen etwas über die Eigenschaften und Fähigkeiten der abgebildeten Tiere erzählt. Als sie den Eindruck hatte, ihr 15-jähriger Enkel erlebe gerade eine eher schwierige Phase fragte sie ihn: «Würde es dich stören, wenn ich dir jeden Tag ein Tier vorbeischicken würde?» Den Enkel störte es nicht, und so erhielt er von seiner Grossmutter jeden Morgen als moralische Unterstützung für den Tag eine SMS mit einer Tierkarte zugesandt.

Zum Beispiel die Wiesel-Karte mit den Worten: «Das Wiesel verfügt über einen grossen Erfindungsreichtum. Es hat eine scharfe Beobachtungsgabe und sieht hinter die Dinge. Es lehrt auch, dass andere Menschen unsere Spiegel sind; was uns an ihnen aufregt oder freut, tragen wir in uns selber.»

Eine Antwort auf die verschickten SMS hat Marlies Begert nicht erwartet, das hat sie von Anfang an klar gestellt. Aber ab und zu kam trotzdem ein «Danke, dass kann ich heute brauchen». Die Sammlung verschickter SMS ist inzwischen umfangreich. Daraus lässt Marlies Begert vielleicht ein Buch binden, dass sie dann wiederum als sehr persönliches Geschenk ihrem Enkel übergeben kann.

Moderation: Fränzi Haller, Redaktion: Susanne Sturzenegger