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Alltag & Umwelt Glyphosat – Zulassungsentscheid vertagt

Fast wäre die Zulassung des umstrittenen Unkrautvertilgers in Europa um weitere 15 Jahre verlängert worden. Doch der Entscheid wurde vertagt. Was ist passiert?

Ein Bauer bringt mit seinem Traktor Unkrautvernichter auf einem Feld aus.
Legende: Glyphosat ist weltweit und auch in der Schweiz das meist genutzte Herbizid. imago

Das zuständige Expertengremium auf EU-Ebene hat kürzlich über Glyphosat debattiert. Es geht bei diesem Pestizid um die Frage, ob es krebsauslösend ist oder nicht. Relevant ist das, weil Glyphosat das Herbizid ist, das weltweit und auch in der Schweiz am häufigsten eingesetzt wird.

Die wissenschaftliche Datenlage zur Krebs-Frage ist aber nicht eindeutig und es gibt daher seit gut einem Jahr einen Expertenstreit in dieser Sache. Trotzdem ging man eigentlich davon aus, dass dieses EU-Gremium die Zulassung für Glyphosat abnicken würde.

Doch nun haben einige Ländervertreter – etwa von Frankreich und den Niederlande – offenbar Bedenken angemeldet. Sie wollen, dass zuerst der Expertenstreit geklärt wird, bevor die Zulassung von Glyphosat verlängert wird.

Nicht alle Daten zugänglich

Im Moment sieht es nicht danach aus, dass sich die Experten einigen können. Ein Kernproblem besteht darin, dass einige Studien zu Glyphosat nicht öffentlich zugänglich sind. Es sind Studien, welche die Industrie durchgeführt hat, um die Unbedenklichkeit ihrer Stoffe zu beweisen.

Diese Daten können zwar von den europäischen Behörden eingesehen werden, aber nicht von anderen Wissenschaftlern überprüft werden. Auch nicht von jenen, die für die Weltgesundheitsorganisation arbeiten und die Glyphosat für «wahrscheinlich krebserregend» halten. Solange hier keine volle Transparenz herrscht, ist ein wissenschaftlicher Konsens kaum möglich.

Zulassung läuft bald aus

Es steht somit zu vermuten, dass der Wissenschafts-Streit noch eine ganze Weile andauern wird – und auch die politische Einigkeit wird dann schwierig sein. Die Zeit dafür wird allerdings knapp: Die Zulassung von Glyphosat läuft Ende Juni 2016 aus.

Glyphosat in Zahlen

  • Mit Glyphosat werden weltweit jährlich über fünf Milliarden Dollar Umsatz gemacht.
  • 45 Prozent des Glyphosats wird bei Kulturen mit gentechnologisch veränderten Pflanzen eingesetzt.
  • 2012 wurden weltweit 720'000 Tonnen Glyphosat ausgebracht – Tendenz seither stark steigend. In der Schweiz sind es jährlich 300 Tonnen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Heute gibt es auch Langzeitstudien zu Glyphosat und dessen Auswirkungen. Die EU-Kommission sollte nicht einfach blindlings den Vorgaben des Monsanto- Konzerns folgen. Freihandelsabkommen wie TTIP wollen hauptsächlich Gentechnisch veränderte Lebensmittel und Glyphosat auf dem eiropäischen Markt etablieren. S dazu "Chronisch vergiftet" - Monsanto und Glyphosat (ARTE Doku) oder Gefahr Genfood (in 3 Teilen) - Langzeitstudien zeigen schlimme Folgen. Beide Dokus sind im Internet verfügbar.
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  • Kommentar von Angela Keller, Sirnach
    Statt weiterhin in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die Förderung und Weiterentwicklung ökologischer, chemiefreier Anbaumethoden, die Menschen und Tiere nicht krank machen, sondern schützen. Das muss die Aufgabe des BAG ist verantwortlich für die Gesundheit der CH-Bürger - nicht Unterstützer der ChemieKonzerne. Diese schädliche Gifte müssen endlich verboten - unsere Gesundheit ist uns wichtig - auch für Umwelt und die Tierwelt.
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  • Kommentar von angela keller, sirnach
    Die Behörden dürfen jezt vor der Pestizidindustrie nicht in die Knie gehen. Die Landwirtschaft vergiftet uns in kleinen Dosen Tag für Tag und die Folgen sind auf längere Sicht nicht absehbar. Es ist ein unverantwortliches Experimente an Umwelt, Mensch und Tier und Kleinstlebewesen auf den Äckern. Gesundheit muss endlich stärker geschützt werden als die finanziellen Interessen der Agrochemiekonzerne. Glyphosat muss europaweit – auch in der Schweiz - verboten werden.»
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