Zum Inhalt springen
Inhalt

Alltag & Umwelt Mit Implantaten und Prothesen durch den Flughafen

Heute geht bei jedem vierten Passagier an der Flughafensicherheitskontrolle der Alarm los. Manchmal nur wegen einer Gürtelschnalle, immer öfter aber auch wegen medizinischer Teile wie künstlichen Hüft- oder Kniegelenken, Herzschrittmachern und Prothesen.

Legende: Video Reisen mit Implantaten - Wenn es am Flughafen piepst abspielen. Laufzeit 05:38 Minuten.
Aus Puls vom 07.01.2013.

Dr. Bertolt Meyer ist privat und geschäftlich viel unterwegs – auch im Flugzeug. Er fällt auf, nicht nur an der Flughafensicherheitskontrolle: Er wurde ohne linken Unterarm geboren und trägt eine Hightech-Handprothese. Bertolt Meyer weiss, dass ihn diese Besonderheit bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen immer mehr Zeit kostet als den «gewöhnlichen» Passagier. Den Metalldetektor-Bogen darf er nämlich vielerorts nicht passieren, da sonst die Elektronik seiner Handprothese durcheinander geraten könnte. Wenn sie zu starken Magnetwellen ausgesetzt ist, dreht sich seine Hand unkontrolliert mehrmals um 360 Grad, die Finger bewegen sich ohne Sinn und Ziel.

Darauf aufmerksam gemacht, verzichten die Sicherheitsbeamten am Flughafen manchmal auf die Kontrolle mit dem Metalldetektor. Bertolt Meyer wird stattdessen hinter dem Vorhang von Kopf bis Fuss abgetastet und kurz darauf Richtung Gate durchgewunken. So problemlos sind die Kontrollen nicht immer, erzählt Bertolt Meyer. An amerikanischen Flughäfen sorge er regelmässig wegen der aufwändigen Sicherheitskontrollen für Aufsehen. Er müsse regelmässig früher an den Flughafen, um seinen Flieger noch zu erwischen. Zusätzlich werde er dort meist durch ein Röntgengerät geschickt – ohne Schutz gegen die bekanntermassen schädlichen Röntgenstrahlen, empört er sich.

Metall im Rücken und ein implantierte Schmerzpumpe

Ein ähnliches Schicksal teilt auch Patrick Fitze. Er verunglückte vor fünf Jahren auf dem Bau schwer. Ein Gerüst begrub ihn unter sich. Seitdem versteifen Metallelemente seine Wirbelsäule. Zudem trägt er einen Neurostimulator: ein implantiertes Gerät, das ihn ständig mit Medikamenten gegen seine Schmerzen versorgt. Weil dieses Gerät im Gesäss implantiert und nicht sichtbar ist, trägt Patrick Fitze immer einen Ausweis bei sich, der ihn als Neurostimulatorträger ausweist. Auch er vermeidet den Gang durch den Metalldetektor-Bogen. Dort würde nicht nur Alarm ausgelöst, sondern das Gerät könnte auch die Funktion des Neurostimulators stören. Die Folgen wären unerträgliche Schmerzen, bis man das Gerät wieder richtig eingestellt ist, erklärt Patrick Fitze.

Keine Gefahr für den Herzschrittmacher-Träger

Der pensionierte Italiener Enrico Del Favero kann ebenfalls ein Lied singen von den «ewigen Kontrollen» am Flughafen. Er trägt ein Hörgerät und einen Herzschrittmacher. Obwohl die Metalldetektoren-Schranke für ihn und seinen Herzschrittmacher keine Gefahr birgt, umgeht auch er diesen Sicherheits-Check und nimmt die zeitaufwändigere manuelle Kontrolle auf sich. Diese Prozedur könnte er sich sparen: Ein Metalldetektor wird erst dann zur Gefahr für den Träger eines Herzschrittmachers, wenn er über längere Zeit diesen Magnetwellen ausgesetzt wäre. Auch dann würde der Herzschrittmacher in einen Sicherheitsmodus fallen, der das Leben des Patienten nicht gefährden würde. Doch Sicherheit geht vor: Nach einem kurzen Schwatz mit den charmanten Beamtinnen in der Handkontrolle steuert Enrico Del Favero beschwingt dem Flugzeug entgegen.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marcel Schmidhauser, 8404 Winterthur
    Ich trage seit 2 Jahren einen Herzschrittmacher und reise in dieser Zeit einige Male ins Ausland. Dabei habe ich die Sicherheitskontrolle insofern umgangen, indem ich meinen Ausweis betr. Schrittmacher vorwies und bisher keinerlei Schwierigkeiten hatte. Ich fliege regelmässig nach Thailand und andere Destinationen und weiss, dass ich beim Eingangs-Check auf meinen Herzschrittmacher hinweisen muss. M.Schmidhauser
    Ablehnen den Kommentar ablehnen