Wie man sich bettet, so liegt man

Auch wenn es die Werbung gerne suggeriert: Zu einem gesunden Rücken verhilft einem die richtige Matratze nicht. Besseren Schlaf kann sie aber durchaus bescheren.

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Die richtige Matratze

18 min, aus Puls vom 7.9.2015

Wir verbringen einen Drittel unseres Lebens im Bett. Da hilft es, wenn die Matratze die persönliche Körperform unterstützt. Bei einem gesunden Rücken ist die Matratze nicht der zentrale Punkt. Personen mit Rückenleiden kann jedoch eine falsche Matratze das Problem verstärken.

Darüber hinaus gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, die beweist, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Matratze und Rückenleiden be­steht – lediglich Erfahrungsberichte.

Welches System soll es sein?

Matratze ist nicht gleich Matratze, das wird schnell klar, wenn man die verschiedenen Glanzprospekte der Matratzenhersteller bestaunt. Da gibt es das Schulter-Balance-System mit doppelaktiver Lendenwirbel-Stütze und ergonomisch ausbalanciertem Kern oder dann doch lieber die Edel-Latexbelüftung.

Von der «Matratzenlyrik» sollte man sich nicht verwirren lassen. Viel wichtiger ist, sein eigenes Schlafklima zu kennen: Wer schnell und viel schwitzt, liegt eher mit einer Taschenfederkernmatratze richtig. Kälteempfindliche kommen mit Latex oder Kaltschaum besser zurecht. Heutzutage werden diverse Materialien auch miteinander kombiniert.

Matratzenarten, ihre Vor- und Nachteile

(Taschen-)
Federkern
Pro

Guter Feuchtigkeits-transport. Gut für starke Schwitzer.

Geringe Wärme-dämmung. Gut für alle, denen es schnell zu warm wird.

Gute Punktelastizität.
Kontra

Geringe Wärme-isolierung. Schlecht für alle, die leicht frieren.

Mit der Zeit können sich in der Schaumstoff-auflage Kuhlen bilden.

Vergleichsweise schwer.

Passt sich dem Lattenrost nicht an.

Aufbau

Federkernmatratzen bestehen aus einem Stahlfederkern, der von einem Polstermaterial wie Baumwolle, Rosshaar oder Schaumstoff ummantelt ist. Bei der Taschen-federkernmatratze sind die Stahlfedern einzeln in Stoffsäckchen verpackt.
Latex
Pro

Gute Punktelastizität

Gute Wärmedämmung, empfehlenswert für alle, die leicht frieren.

Gute Dauerhaltbarkeit, weil wenig empfindlich gegenüber Wärme und Schweiss.

Bestens für verstellbare Lattenroste geeignet.

Angenehmes Liegegefühl, weich und zugleich stützend.

Kontra

Mässiger Feuchte-transport, daher weniger geeignet für starke Schwitzer, ausser die Bohrungen gehen ganz durch die Matratze hindurch.

Schwer und wabbelig, erschwert das Drehen und Wenden.
Aufbau

Der Matratzenkern besteht meist aus synthetischem Latex, in seltenen Fällen mit einem hohen Anteil aus natürlichem Kautschuk (natürlicher Latex). Je mehr Naturlatex die Matratze enthält, desto qualitativ höher ist die Matratze: Die Elastizität von synthetischem Latex nimmt schneller ab als die von natürlichem Latex.
(Kalt-)Schaum
Pro

Gute Wärmeisolierung. Empfehlenswert für alle, die leicht frieren.

Punktelastisch

Geeignet für verstellbare Lattenroste.

Leicht und einfach zu wenden.
Kontra

Mässiger Feuchte-transport, daher weniger geeignet für starke Schwitzer, ausser sie hat klar definierte Lüftungskanäle.

Durch Feuchte und Wärme können sich spürbare Liegekuhlen bilden.

Schwankende Qualität. Härte kann innerhalb einer Charge variieren.

Aufbau

Beide Matratzentypen haben einen Kern aus aufgeschäumtem Polyurethan. Der Hauptunterschied liegt im Gewicht der Matratze. Kaltschaum ist fast doppelt so schwer. Zudem benötigt sie eine federnde Unterlage. Die Schaummatratze bietet keine unterschiedlichen Liegezonen.
Boxspringbett
Pro

Höhe von 60 bis 70 cm erleichtert das Hinlegen und Aufstehen.

Bei Topper aus Kaltschaum gute Wärmeisolierung für alle, die leicht frieren.

Mittlere bis gute Punktelastizität
Kontra

Feuchtetransport kann durch die Konstruktion (zum Beispiel Kunstlederumrandung) stark eingeschränkt sein.

Härteangaben stimmen oft nicht.

Teuer, sperrig und schwer.

Schwingt stärker nach.
Aufbau

Die Boxspringmatratze besteht aus einer Holzkiste mit Sprungfedern und einer bis zwei weiteren Matratzen obenauf. Auf dem Unterbau liegt meist eine Federkernmatratze, darauf kommt noch eine Toppermatratze aus Schaumstoff (Kaltschaum oder Viskoschaum). Ein Boxspringbett kann bis zu 100 kg wiegen.

Wasserbett
Pro

Temperatur regulierbar.

Gleichmässige Belastung, Druck-stellen werden vermieden.

Verformt nicht.

Kontra

Teuer, schwer.

Heizkosten

Jährliche Pflegewartung, Algenbildung vermeiden.
Aufbau

In einem Wasserkern wird das Wasser gespeichert. Als Topper wird Visco, Latex oder Schaumstoff eingesetzt.
Visco-Matratze
Pro

Gute Punktelastizität.

Passt sich der Körperkontur an, nachdem die Matratze die Körpertemperatur erreicht hat.

Elastisch, geeignet für verstellbare Lattenroste.

Kontra

In den entstehenden Kuhlen kann es zu einem Wärmestau kommen.

Schlechter Feuchtigkeitstransport.

Nicht geeignet für Menschen, die oft die Schlafposition ändern.

Unter 16 Grad Celsius ungewohnt hart.

Aufbau

Der Matratzenkern besteht aus aufgeschäumtem Polyurethan. Allerdings besteht die Auflage aus Viscoschaum. Viscoelastische Matratzen sind auch unter dem Markennamen «Tempur» bekannt.
Luftkern-Matratze
Pro

Härtegrad der Matratze einstellbar.
Kontra

Nicht sehr punktelastisch

Schlechtes Mikroklima, Feuchtigkeit wird schlecht abgeleitet
Aufbau

Luftkernmatratzen sind ähnlich wie Federkernmatratzen aufgebaut. Sie besitzen anstelle des Federkerns zwei Luftkerne, deren Härte sich durch Aufpumpen bzw. Ablassen der Luft einstellen lässt.

Eine passende Matratze stützt den Körper in Rücken- und Seitenlage gut ab. Deshalb ist das Probeliegen ein zentraler Punkt. In der Seitenlage ist es wichtig, dass Schulter und Becken so tief einsinken, dass sich zwischen Halswirbelsäule und Steissbein eine gerade Linie bildet.

Wozu ein Kissen?

1:26 min, vom 7.9.2015

Hier kann ein kariertes Hemd von Vorteil sein. Von Nacken bis zum Steissbein sollte in Seitenlage das Hemd einen geraden Strich auf der Wirbelsäulenhöhe aufweisen. Hängt sie durch, ist die Matratze zu hart. Biegen sich die Striche des Hemdes nach oben, ist sie zu weich.

In Rückenlage passt sich die optimale Matratze so an, dass die Doppel-S-Form der Wirbelsäule erhalten bleibt. Rückenschläfer dürfen nicht das Gefühl haben, wie auf einer Hängematte zu liegen. Mit dem «Hand-Test» wird diese Lage überprüft: Die Hand sollte sich mit wenig Kraftaufwand knapp unter dem Kreuz hindurchschieben lassen.

Tipps für den Matratzenkauf

Jetzt heisst es mindestens 15 Minuten lang probeliegen, denn das wichtigste bei der Wahl ist der Wohlfühlfaktor.

Mit der optimalen Matratze alleine ist es aber nicht getan. Für die richtige Lage braucht es auch das richtige Kissen. Es empfiehlt sich daher, sein Kissen mitzunehmen oder zusammen mit der Matratze eines zu kaufen. Der Kopf sollte in Verlängerung der Wirbelsäule liegen.

So klappt es mit dem richtigen Kauf:

  • Matratzentyp festlegen (Schwitzer/Gfröhrli).
  • Morgens testen (abends fühlen sich alle Matratzen gut an).
  • Kariertes Hemd anziehen (so sieht man, wie man liegt).
  • Rückenschläfer: Eine Hand unter den Rücken schieben.
  • Mindestens 15 Minuten probeliegen.
  • Rückgabemöglichkeit von mindestens 30 Tagen nachfragen/aushandeln.
  • Zwei Personen brauchen zwei Matratzen, ausser sie haben die gleichen Körpermasse.
  • Bezüge sollten waschbar sein.
  • Stabile Griffe zum Wenden.

Tipps für die Matratzenpflege

Nach zehn Jahren sind Matratzen am Ende ihrer Lebensdauer. Bei guter Pflege bleiben Matratzen aber hygienisch und ergonomisch länger in gutem Zustand.

  • Matratze alle paar Monate absaugen oder abbürsten, aber nicht ausklopfen.
  • Matratze alle zwei Monate wenden. Ist sie in verschiedene Zonen unterteilt, Kopf- und Fussende nicht vertauschen.
  • Matratze regelmässig auslüften, vor allem, wenn sie direkt auf dem Boden liegt (was man vermeiden sollte) oder das Schlafzimmer sehr kalt ist.
  • UV-Strahlung beschleunigt die Alterung von Schaumstoffmatratzen, deshalb nicht an die Sonne stellen.
  • Ein Molton schützt die Matratze vor Schweiss und Flecken.

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