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Beunruhigender Fund Der Plastik ist in uns – und was tut er da?

Legende: Video Mikroplastik – Nun auch im Menschen abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
Aus Puls vom 29.10.2018.

Plastik möchte niemand in seinem Körper haben. Da machen Wissenschaftler keine Ausnahme – überrascht sind sie aber nicht. Bernd Nowack beschäftigt sich an der EMPA seit Jahren mit Plastikmüll und weiss: «Die feinen Plastikteile sind überall. Wo immer man danach sucht, wird man sie finden.»

Bettina Liebmann vom Umweltbundesamt in Wien hat gesucht und ist die erste, die beim Menschen fündig wurde. In jeder der acht Stuhlproben aus verschiedenen Ländern hat sie Partikel gefunden, die kleiner als 5 Millimeter sind: Mikroplastik. «Wir haben im Mittel 20 Stück Mikroplastikkunststoffe pro 10 Gramm Stuhl gefunden. Diese Mikroplastikkunststoffe waren sehr unterschiedlicher Art. Bis zu 9 unterschiedliche Kunststofftypen, zum Polypropylen oder Polyethylen konnten wir nachweisen.»

Die meistgefundenen Mikroplastikteilchen stammen von Verpackungen, die sich zersetzt haben. Aber auch in Zahnpasta und Kosmetika sind mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen enthalten.

Wie Plastik in den menschlichen Körper gelangt

  • Über die Nahrung (vor allem aus Meeresfrüchten und Fischen)
  • Über die Haut (als Zusatz in Kosmetika)
  • Über die Atmung (im Verdacht: Umweltstäube)

Wie sich Mikroplastik im Körper verhält, ob er gar krank macht – alles Spekulation sagt Humantoxikologe Lothar Aicher. «Wie schädlich die Plastikteilchen im Darm für den menschlichen Organismus sind, hängt im Wesentlichen davon ab, ob es den Plastikteilchen gelingt, über die Darmwand ins Blut überzugehen, wo sie dann im ganzen Körper zu den unterschiedlichen Organen verteilt werden können.» Und dazu habe man bisher noch keine Daten.

Was hingegen bekannt ist: Manche Kunststoffe können hormonaktive Substanzen freisetzen, wie zum Beispiel Bisphenol A. Lothar Aicher: «Wir wissen, dass einzelne Bestandteile dieses Kunststoffes schon im menschlichen Blut nachgewiesen worden sind. Und wir wissen auch, dass sie das Hormonsystem beeinflussen können.»

Fakt ist: Plastik und seine Bestandteile findet man nicht nur auf den Müllhalden, sondern mittlerweile überall in der Umwelt. Trotzdem weiss man heute noch erstaunlich wenig über mögliche Risiken für die Gesundheit. Und weil die Datenlage so unklar ist, ist auch unklar, wie wir als Einzelne mit dem vielen Plastik umgehen sollen.

Dem Plastik aus dem Weg gehen?

Wer sich Gedanken über die ständige Plastikaufnahme macht, kann zum Beispiel auf Mineralwasser aus Petflaschen verzichten und stattdessen Glasflaschen benutzen. «Sie können auch ihren Plastikwasserkocher durch einen Edelstahlwasserkocher ersetzen und Ähnliches mehr», meint Lothar Aicher. «Ob das aus wissenschaftlicher Sicht die effizienteste Möglichkeit ist, ihre Belastung mit Mikroplastik zu reduzieren, das wissen wir aus heutiger Sicht aber einfach nicht.»