Diabetes-Medikamente – Neu, gut und wirklich teuer

In den letzten fünf Jahren hat die Zahl der Typ-2-Diabetiker nur marginal zugenommen – ganz im Gegensatz zu den Medikamentenkosten.

Diverse Antidiabetika auf einem Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die meisten Diabetiker nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. imago

Diabetes-Typ-2 ist auf dem Vormarsch – so viel ist klar. Doch seit 2010 ist die Zahl der Betroffenen in der Schweiz nur um vier Prozent angestiegen. Die Medikamentenkosten sprechen jedoch eine ganz andere Sprache: Insgesamt wurden 17 Prozent und nicht etwa ebenfalls vier Prozent mehr Medikamente verschrieben. Und die Ausgaben für Diabetiker-Medikamente (Insulin einmal ausgenommen) stiegen sogar um satte 39 Prozent an, wie die Gesundheitssendung «Puls» aus verschiedenen Quellen zusammentrug.

Thomas Cueni, Generalsekretär bei Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, erklärt diese auseinanderdriftende Zahlenentwicklung so: «Wir haben inzwischen neue Medikamente und eine grössere Auswahl davon. Diese erlauben es dem Spezialisten, Diabetes individueller zu behandeln. Von dem her gesehen sind die gestiegenen Medikamentenkosten eher ein Teil der Lösung.»

Frühere und zahlreichere Verschreibungen

Will heissen: Weil die neuen Medikamente so gut verträglich sind, werden sie heute bei einem sich abzeichnenden Diabetes-Typ-2 früher abgegeben als dazumal. «Die grosse Palette neuer Medikamente kann schon dazu verleiten, sie schneller einzusetzen und vielleicht weniger auf Bewegung und Gewichtsreduktion zu setzen», sagt Peter Diem, Diabetologe der Schweizerischen Diabetes-Stiftung. «Gleichzeitig muss gesagt werden, dass vor 10 bis 15 Jahren viele Diabetiker ungenügend behandelt wurden und nur eine Tablette erhielten.»

Grafik der Kosten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Kostendiskrepanz im Überblick. SRF

Heute sei eine derartige Vielzahl an Medikamenten auf dem Markt, dass der Typ-2-Diabetes mit einer zweiten oder sogar dritten zusätzlichen Tablette individuell optimal eingestellt werden könne. Hinzu kommt, dass die Medikamente der jüngsten Generation teurer sind als Medikamente, die schon lange auf dem Markt sind.

Das schlägt sich auf die Gesamtkosten nieder. Während sich 2010 der Umsatz auf knapp 97'700'000 Franken belief, waren es nur fünf Jahre später bereits gut 136'000'000 Franken – das entspricht einer Zunahme von über 38'300'000 Franken oder einem Wachstum von 39 Prozent. Erklärbar ist das neben der grösseren Menge der verschiedenen verschriebenen Antidiabetika auch durch den Preis der neuesten Medikamente.

50-mal teurer als die Vorgänger

Eine genauere Analyse von «Puls» zeigte, dass besonders Antidiabetika der jüngsten Generation wie sogenannte DPP-4- oder SGLT-2-Hemmer in den letzten fünf Jahren deutlich häufiger abgegeben worden sind. Die neuesten Antidiabetika kosten aber zum Teil das 50-fache mehr als ältere.

Angesichts der Prognose, dass die Zahl der Typ-2-Diabetiker in den kommenden 20 Jahren um 30 Prozent zunehmen wird, rollt hier – gesetzt den Fall, die Preise bleiben – eine beeindruckende Kostenlawine auf das Gesundheitssystem zu. Sparen dürfte aber der falsche Ansatz sein: Die Behandlungskosten von Folgeerkrankungen durch schlecht eingestellte Blutzuckerspiegel läge noch einmal deutlich darüber.

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Diabetes – Bewegung statt Medikamente

18 min, aus Puls vom 25.4.2016

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