E-Bikes – Mit Extraschwung ins Spital

Rückenwind auf Knopfdruck: E-Bikes sind beliebt, haben aber ihre Tücken. Die schnellen Gefährte überfordern ungeübte Fahrer schnell und sind häufiger als konventionelle Velos in Unfälle mit schweren Verletzungen verwickelt.

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Schwere E-Bike-Unfälle

6:10 min, aus Puls vom 9.5.2016

E-Bikes sind ein guter Kompromiss für viele, die gerne Fahrrad fahren, dabei aber nicht so ins Schwitzen kommen möchten oder ein wenig Unterstützung brauchen.

Die Fangemeinde wächst kontinuierlich, in unterschiedlichsten Altersklassen. In der Schweiz wurden 2015 rund 66'300 neue E-Bikes verkauft.

Der Spass am Tempo hat aber auch Schattenseiten: Stürze mit dem E-Bike sind in der Regel schwerer als normale Fahrradstürze. Und die Zahl der dabei schwer Verletzten oder gar Getöteten steigt Jahr für Jahr: Wurden 2011 noch zwei Tote und 67 Schwerverletzte registriert, waren es 2015 bereits 14 Tote und 163 Schwerverletzte – mehr als doppelt so viele.

Entwicklung der schweren Personenschäden bei E-Bike-Fahrern nach Alter

Die Geschwindigkeit ist bei schweren Alleinunfällen von E-Bike-Fahrern häufiger die Hauptursache des Unfalls als etwa bei Velofahrern. Eine Analyse der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) zeigt: Wenn E-Bike-Fahrer schwer verunfallen, geschieht dies öfter bei Selbstunfällen als bei Zusammenstössen.

E-Biker stürzen etwa, wenn sie Hindernissen ausweichen wollen oder weil sie die Bremswirkung falsch einschätzen. Dieses Risiko von Selbstunfällen sei den Lenkern aber zu wenig bewusst.

Kommt es zu Kollisionen, ereignen sich diese häufig an Kreuzungen und Kreiseln, weil Autofahrer den Vortritt von E-Bikern missachten. Was oft auch daran liegt, dass Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von herannahenden Fahrrädern und E-Bikes falsch einschätzen: Je schneller ein Zweirad unterwegs war, desto stärker unterschätzten Versuchspersonen in einem Experiment deren Geschwindigkeit. Allerdings ergab sich kein Unterschied zwischen Fahrrädern und E-Bikes.

Verletzungen wie bei Motorradfahrern

Dass die Unfälle so heftig verlaufen, liegt zum einen daran, dass E-Bikes deutlich schwerer sind als normale Velos, zum anderen aber auch daran, dass sich mehr Menschen aufs Rad setzen, die nicht so geübt und fahrsicher sind.

Der Hauptgrund bleibt aber das höhere Tempo, das sowohl die Radfahrer selbst als auch die anderen Verkehrsteilnehmer häufig deutlich unterschätzen. Während ein normales Fahrrad im Schnitt 15 km/h schnell ist und einen Bremsweg von zehn Metern benötigt, ist der Bremsweg für ein 25 km/h fahrendes E-Bike bereits fast doppelt so lang.

«Die Verletzungen sind vergleichbar mit Unfällen in Zusammenhang mit Motorrädern beziehungsweise Motorfahrzeugen. Das heisst, die Verletzungen sind oftmals schwerer und komplexer als Verletzungen nach gewöhnlichen Fahrradstürzen», sagt Prof. Reto Babst, Leiter des Traumazentrums des Luzerner Kantonsspitals.

Eine internationale Studie belegt: Am häufigsten sind Arm- und Beinbrüche sowie Verletzungen an Kopf, Gehirn oder Wirbelsäule. Auch innere Blutungen kommen vor. Im Schnitt bleiben die Sturzopfer zehn Tage in der Klinik.

Kurse für E-Bike-Neulenker?

Auch wenn sich nicht beziffern lässt, wie viel höher das Unfallrisiko auf einem E-Bike im Vergleich mit einem normalen Velo ist, ortet die Beratungsstelle für Unfallverhütung Handlungsbedarf, um die Sicherheit von E-Bikern zu verbessern. Insbesondere brauche es genaue Analysen von Elektrovelo-Unfällen und verbesserte Helme. Ausserdem regt die bfu E-Bike-Kurse für Neulenker an.

Erfahrene Umsteiger sollen für die Gefahren der Elektrovelos sensibilisiert werden. Zu diesem Zweck startet Ende Juni eine Plakatkampagne mit dem Präventionsengel Franky Slow Down.

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