Alarm-Implantat - Das Herzinfarkt-Frühwarnsystem

Rund 15'000 Schweizer erleiden jährlich einen Herzinfarkt. Jeder Dritte stirbt daran. Je schneller ein Patient beim Arzt ist, desto besser sind seine Überlebenschancen. Ein kleines implantiertes Gerät soll in Zukunft Patienten warnen - und zwar bevor diese überhaupt Infarktsymptome haben.

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Frühwarnsystem gegen Herzinfarkt

4:23 min, aus Puls vom 19.11.2012

Ein Stechen in der Brust, Engegefühle, Schmerzen, die in Schulter, Arm und Kiefer ausstrahlen, Todesangst, aber auch eine blasse, fahle Gesichtsfarbe, Schweissausbruch, Atemnot und unregelmässiger Puls: Die klassischen Symptome eines Herzinfarkts sind mittlerweile weit bekannt – zum Glück für den Patienten, denn je schneller er ins Krankenhaus kommt, desto besser. Wer innerhalb von zwei bis vier Stunden behandelt wird, hat die besten Überlebenschancen. Bei zwei von drei Patienten können Gefässverschlüsse im Spital schnell wieder durchgängig gemacht werden. Davon, wie zeitnah das gelingt, hängt nicht zuletzt ab, welche Schäden das Herz davonträgt bzw. ob und wie man überlebt.

Unterschätztes Risiko: Frauen

Doch vor allem Frauen fallen häufig durch den Raster. Bis sie die richtige Diagnose erhalten, verstreicht oft kostbare Zeit. Zum einen, weil Herzinfarkte bei jüngeren Frauen selten sind. Vor den Wechseljahren scheinen sie hormonell besser vor Gefässerkrankungen geschützt zu sein. Doch nach den Wechseljahren steigt ihr Risiko sprunghaft an. Zum anderen klagen Infarktpatientinnen anders als Männer häufig nicht über die typischen starken Schmerzen, sondern eher über Druckgefühle im Brust- oder Bauchraum oder Unwohlsein. Auch so unspezifische Symptome wie starke Müdigkeit und Erschöpfung, Rücken-, Oberbauchschmerzen oder Übelkeit können bei ihnen darauf hinweisen, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt.

Ob bei Männern oder Frauen, es müssen nicht alle Symptome auftreten. Je mehr Anzeichen jemand verspürt, desto dringender ist der Verdacht und desto wichtiger ein Arztbesuch. Denn ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall.

Verstopfte Blutbahn

Ausgelöst wird der Herzinfarkt durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das an einer verengten Stelle einer oder mehrerer der drei Herzkranzarterien hängen bleibt und diese verstopft. Der von der Arterie versorgte Teil des Herzmuskels erhält kein Blut und damit auch keinen Sauerstoff mehr und stirbt ab. Je grösser das betroffene Muskelgebiet ist, desto lebensgefährlicher ist der Infarkt und desto geringer ist die Pumpleistung des Herzens nach einem überlebten Infarkt. Die Folgen reichen von Atemnot bei Belastungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und allgemeiner Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Eiserne Disziplin hilft

Die meisten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt wie Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes sind behandelbar. Wer diese Risikofaktoren minimiert oder ganz eliminiert, reduziert parallel das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, massiv. Faktoren wie das zunehmende Alter, die familiäre Häufung von Herzinfarkt und Hirnschlag, das Geschlecht – Männer sind häufiger von einem Herzinfarkt betroffen als Frauen – können natürlich nicht beeinflusst werden.

Ein kleines Gerät, das Leben retten kann

Patienten, denen bewusst ist, dass sie Hochrisikopatienten für einen Infarkt sind, sollen nun nach Vorstellung der Hersteller von «Guardian» ihren Aufpasser immer bei sich tragen: Das Gerät wird implantiert und spürt kleinste Veränderungen auf, die auf einen Infarkt hindeuten und löst dann einen Alarm aus. Ob und wann der Guardian zur Herzinfarkt-Warnung in der Schweiz eingesetzt werden kann, ist noch unklar. Bis zu einer möglichen Markteinführung gelten so oder so die gängigen Empfehlungen: Ein gesunder Lebensstil als Prävention und rasches Handeln bei ersten Anzeichen eines Herzinfarkts.

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