Darmspiegelung – Viele Ärzte arbeiten viel zu schnell

Durch eine Darmspiegelung lässt sich Darmkrebs frühzeitig erkennen. Nimmt sich der Arzt jedoch nicht genügend Zeit für die sogenannte Koloskopie, bleibt manch gefährlicher Polyp unentdeckt. Eine neue Studie schlägt darum vor, die Darmspiegelung mit der Stoppuhr zu begleiten.

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Darmspiegelung – Gründlicher ist besser

5:46 min, aus Puls vom 7.3.2016

Darmkrebsvorsorge

3:31 min, aus Ratgeber vom 04.03.2016

In der Schweiz belegt Darmkrebs Platz 2 der krebsbedingten Todesfälle. Doch ein einfacher Vorgang kann die schwere Krankheit schon im Frühstadium aufdecken: die Darmspiegelung.

Bei der sogenannten Koloskopie führt ein Arzt eine Kamera tief in den Dickdarm ein. Beim anschliessenden Herausziehen untersucht er Stück für Stück die Darmwand auf Tumore und Polypen.

Im Minimum sechs Minuten

Entscheidend für den Erfolg der Suche ist die Zeit, die sich der Arzt dafür nimmt. Stephan Vavricka, Gastroentologe am Triemlispital Zürich, hat in einer neuen Studie herausgefunden, dass eben jenes Herausziehen der Kamera mindestens sechs Minuten in Anspruch nehmen sollte.

Arbeitet der Arzt schneller, übersieht er häufiger Auffälligkeiten: «Wenn man schnell rausgeht, verpasst man die Vorstufe von Krebs, die Polypen», so Vavricka. Diese gutartigen Zellwucherungen kann der Arzt gleich bei ihrer Entdeckung entfernen und damit das Krebsrisiko mindern. Umgekehrt kann ein vergessener Polyp verheerende Folgen haben.

Vavricka empfielt deshalb, die Koloskopie mit einem Timer zu stoppen. Seine Studie hat nämlich gezeigt, dass nur schon die Anwesenheit einer Stoppuhr ausreicht, um die Ärzte langsamer und gründlicher agieren zu lassen. Sobald sie nämlich wussten, dass sie überwacht werden, verlängerte sich die Untersuchung von durchschnittlich 4,5 auf 7,3 Minuten.

Teure Sorgfalt

Insgesamt dauert eine Darmspiegelung zwischen einer halben und einer vollen Stunde. Die vergütete Zeit ist momentan bei 39 Minuten angesetzt, soll aber auf 30 Minuten verkürzt werden. Dieser Zeitdruck arbeite direkt gegen den Qualitätsanspruch, sagt Peter Bauerfeind von der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie SGG. «Bis zu 20 Prozent weniger Polypen werden dadurch erkannt.»

Vavricka hat in seinem Spital bereits Konsequenzen aus seiner Studie gezogen. Im Triemlispital wird bei der Darmspiegelung nun dauerhaft die Zeit gestoppt, zum Schutz der Patienten.

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