Grippeimpfung 2014 mit fraglichem Schutz

Mediziner haben in den USA eine grassierende Virus-Variante des H3N2-Erregers entdeckt, gegen den der Impfstoff in Teilen kaum wirksam ist. Sollte sich dieser Virustyp auch in Europa verbreiten, droht uns ebenfalls trotz Impfung die Grippe.

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Grippeimpfung 2014 mit fraglichem Schutz

6:01 min, aus Puls vom 22.12.2014

Die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) warnt jetzt vor der veränderten H3N2-Virus-Variante. Auch das Influenza-Virus B scheint sich nach neusten Informationen verändert zu haben. Die derzeitige Grippeimpfung schützt aber nur gegen das H1N1-, H3N2- und Influenza-B-Virus in seiner unveränderten Form.

WHO wählt aus Hunderten Grippeviren die ansteckendsten

Das Problem ist die jährliche Festlegung der WHO auf die Grippeviren, gegen die der Grippeimpfstoff helfen soll. Grundlage für den Grippeimpfstoff in Europa z. B. sind die infektiösesten Grippeviren, die zuvor auf der Südhalbkugel die Menschen am meisten befallen. In diesem Jahr sind das H1N1, H3N2 und das Influenza-Virus B.

Der Gedanke dahinter: Wenn Grippeviren auf ihre Reise um die Welt gehen, starten sie im Winter auf der Südhalbkugel und kommen von dort aus nach einiger Zeit auf der Nordhalbkugel auch bei uns an.

Auf dieser Reise nutzen sie den Mensch als Wirtsorganismus. Während sie sich im Menschen vermehren und von Mensch zu Mensch springen, kommt es vor, das sich die Nachkommen der Viren so verändern, das sie sich vom eigentlichen Ursprungserreger unterscheiden. Oft reicht eine Kleinigkeit auf der Virenoberfläche aus und der Impfstoff, der für den Ursprungserreger gedacht ist, wirkt bei der veränderten Variante nicht mehr.

Das Beste wäre, den aktuellen Impfstoff nochmals an das veränderte Virus anpassen. Doch dafür ist es viel zu spät, so die Experten des Bundesamts für Gesundheit in Bern. Es würde mindestens sechs Monate dauern, bis solch ein neuer Impfstoff hergestellt wäre. Zudem ist es gar nicht sicher, ob die veränderten Virusvarianten aus den USA überhaupt in der Schweiz ankommen.

Universeller Impfstoff statt alljährliche Impfung

Mit einem Pieks gegen sämtliche Grippeviren geschützt: Die Zürcher Forschergruppe unter dem Immunologen Prof. Lars Hangartner ist einem Impfstoff auf der Spur, der gegen alle derzeit bekannten Influenza-Stämme helfen könnte. Ein Impfstoff, der sich gegen unveränderliche Bausteine des Grippevirus richten und dadurch vor sämtlichen Virusvarianten schützen würde.

Antikörper sollen diese Bausteine an dem Virushüllprotein Hämagglutinin angreifen. Dieser Bereich ist für die Anheftung an die menschlichen Körperzellen verantwortlich und bei allen Virusvarianten gleich gestaltet. Würde man einen Impfstoff entwickeln, der genau dort angreift, könnten sämtliche Virustypen neutralisiert werden.

Das Zürcher Forscherteam hat breit wirksame Antikörper aus dem Serum gesunder Spender gewonnen. Biotechnisch hergestellt, könne dieser Antikörper im Falle einer schweren Grippeerkrankung als Medikament gegeben werden. Doch für ein breite Impfung der Bevölkerung ist das kaum zu realisieren. Noch ist unklar, wie man durch eine Impfung die Produktion solcher Antikörper im menschlichen Körper starten kann.

Bis man aber einen Universalgrippeimpfstoff entwickelt hat, der auch wirklich wirkt, muss man sich auf den vorhandenen Impfstoff verlassen. Und laut den Forschern bietet der trotz den abweichenden H3N2-Viren einen guten Schutz.

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