«Ich bin eine Witwe mit Mann»

Eine Demenzerkrankung ist auch für Angehörige eine grosse Belastung. Anstatt den Lebensabend mit der Partnerin, dem Partner zu geniessen, wird das Zusammenleben zunehmend zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Im «Doppelpunkt» erzählen Angehörige von Demenzkranken ihre ganz persönliche Geschichte.

Rund 113'000 Menschen leiden heute in der Schweiz an Demenz, die Hälfte von ihnen an Alzheimer. Demenz bedeutet «Entgeistigung»: Die Hirnleistungsstörung ist bis heute unheilbar und macht ein selbstbestimmtes Leben zunehmend unmöglich. Die Hälfte aller Betroffenen lebt noch immer daheim – betreut von ihren Angehörigen und anderen Pflegenden.

Wenn die Liebsten zu Fremden werden

Angehörige von Verschollenen erleben etwas sehr Ähnliches wie Angehörige von Dementen: Der Verlust ist unklar, uneindeutig, er beginnt schleichend und hat bis zum Tod kein klares Ende. In der Fachsprache wird dieser Vorgang als «ambiguous loss» bezeichnet.

0:00 min, vom 22.9.2017

Im Falle der Demenz bedeutet das: Der Ehemann lebt zwar noch, ist aber nicht mehr der Gleiche, oder er erkennt sogar seine Frau nicht mehr. Die Tochter pflegt ihre demente Mutter, aber diese begrüsst sie jeden Morgen, als wäre sie eine Fremde. Die gewohnte Kommunikation mit dem Demenzkranken ist nicht mehr möglich, die Vergangenheit ist teilweise ausgelöscht, der gemeinsam gegangene Lebensweg auch – und der Blick in die gemeinsame Zukunft sowieso.

Ein lebenswertes Leben mit Demenzkranken

Im «Doppelpunkt» erzählen Angehörige von Demenzkranken von ihrer täglichen Verzweiflung und ihren ganz persönlichen Weg, mit diesem Schicksal umzugehen.

Zudem zeigen Fachleute auf, wie auch ein Leben mit einem Demenzkranken lebenswert sein kann, wie Angehörige Zuversicht und seelische Widerstandskraft gewinnen und die eigene Trauer und die Widersprüchlichkeit im Leben mit Dementen akzeptieren können.