Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Schweizer Bevölkerung entwickelt zunehmend Resistenzen gegen einzelne wichtige Antibiotika. Mehrere Bundesämter spannen nun mit dem Ziel zusammen, ein nationales Programm zu Antibiotikaresistenzen auf die Beine zu stellen.

Eine Laborantin hält eine Petrischale mit einer Kultur von E. Coli-Bakterien in die Höhe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Entstehung von Antibiotikaresistenzen betrachten viele Experten als die grösste Gesundheitsgefahr der heutigen Zeit. Reuters

Vor über 70 Jahren wurden Antibiotika entdeckt und haben seitdem unzähligen Menschen das Leben gerettet. Wenn Bakterien zunehmend gegen Antibiotika resistent werden, stehen Mediziner schnell mit dem Rücken zur Wand. Aus diesem Grund sind diese Erreger besonders gefürchtet. Das Risiko, das von ihnen ausgeht, ist auch Gesundheitsminister Alain Berset sowie Wirtschafts- und Forschungsminister Johann Schneider-Ammann bewusst.

Wie aus einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements des Innern hervorgeht, haben die beiden Bundesräte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragt, bis Ende 2015 eine Strategie gegen Antibiotikaresistenzen zu erarbeiten. Ebenfalls beteiligt sind die Bundesämter für Veterinärwesen, Landwirtschaft und Umwelt. Auf der Grundlage der Strategie soll dann ein nationales Programm mit konkreten Massnahmen entstehen.

Problematische Folgen

Die rechtliche Grundlage bildet unter anderem das revidierte Epidemiengesetz. In diesem ist festgehalten, dass das BAG «themenspezifische nationale Programme» entwickelt, unter anderem eben auch zu Resistenzen bei Krankheitserregern. Gegen das revidierte Epidemiengesetz, mit dem übertragbare Krankheiten besser erkannt, überwacht und bekämpft werden sollen, ist allerdings das Referendum ergriffen worden. Die Volksabstimmung findet am 22. September statt.

Im Vergleich mit den europäischen Ländern liegt die Schweiz bei den Resistenzen zwar im Mittelfeld, heisst es in der Mitteilung. Zudem liege der Pro-Kopf-Verbrauch von Antibiotika in der Humanmedizin unter dem europäischen Durchschnitt. Beobachtungen zeigten aber, dass gewisse Resistenzen in der Schweiz und in Europa zunähmen. Dies könnte für die Medizin problematische Folgen haben.

Zu häufiger Einsatz

Bei der Resistenzbildung handelt es sich gemäss BAG grundsätzlich um eine natürliche Anpassung der Bakterien. Allerdings trage auch der zu häufige und teilweise unsachgemässe Einsatz von Antibiotika zu dieser Entwicklung bei – beispielsweise, wenn Antibiotika ohne Not zu früh verschrieben werden oder eine Antibiotikatherapie nicht über den gesamten empfohlenen Zeitraum hinweg stattfindet. Nun wollen die involvierten Bundesämter Massnahmen einleiten, mit denen sich etwa der Antibiotikagebrauch eindämmen lässt. Teil des Programms ist auch eine bessere Information der Ärzte sowie der Konsumenten.

Zwar versuchen Forscher nach wie vor, neue Antibiotika zu entwickeln. Dieser Prozess ist jedoch kostspielig und braucht Zeit. Nicht selten bilden Bakterien schon kurz nach der Lancierung eines neuen Antibiotikums Resistenzen dagegen.