Keimschleuder Händedruck

Krankenhauskeime sind gefürchtet. Jährlich infizieren sich in der Schweiz rund 70'000 Patienten im Spital, 2000 sterben daran. Ein Drittel, schätzt man, wäre vermeidbar, etwa durch bessere Handhygiene. In Deutschland verbietet eine Klinik deshalb den Händedruck zwischen Arzt und Patient.

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Bildlegende: Händedruck verbieten oder Hände besser desinfizieren? Unterschiedliche Auffassungen in Deutschland und der Schweiz. Colourbox/basf

«Wir sind nicht unhöflich, wir sind umsichtig» – das Plakat am Eingang der Augusta Klinik in Bochum informiert die Patienten, dass künftig auf die Begrüssung per Handschlag verzichtet wird.

Achtzig Prozent aller Infektionen werden durch Handkontakt übertragen. Jeder zwanzigste Patient infiziert sich so mit einem Spitalkeim. Für die Ärzte in Bochum macht es Sinn den direkten Kontakt und mögliche Übertragungen zu minimieren.

«Die Übertragung erfolgt innert Sekunden», betont Alen Males, Hygieniker der Augusta-Kliniken. «Die meisten Bakterien verdoppeln ihre Zahl so alle 20 Minuten. Irgendwann ergibt sich daraus eine Keimmenge, die durchaus eine Infektion hervorrufen kann, wenn sie in eine Wunde eingebracht wird.»

Kein Handschlagverbot in der Schweiz

In der Schweiz sieht man das etwas anders. Am Luzerner Kantonsspital will man nicht auf das Begrüssungsritual verzichten. Die Keimübertragung per Handschlag werde überbewertet, findet Spitalhygieniker Marco Rossi: «So ein Verbot kann man schon machen. Das betrifft aber bloss ein Mosaikteilchen der grossen Hygieneprobleme.» Denn Keime lauern überall: An den Spitaltüren, im Lift oder am Spitalinventar

Mehr Bedeutung misst Marco Rossi deshalb der Händedesinfektion bei. Sie ist für den Spitalhygieniker die wichtigste Massnahme im Kampf gegen die gefährlichen Keime. Konsequent angewandt, brauche man den direkten Kontakt mit der Patientin auch nicht zu scheuen. Allerdings geht die Händedesinfektion in der Hälfte aller Fälle vergessen. Das ist schweizerischer Spitaldurchschnitt. Viel wichtiger als den Händedruck zu verbieten wäre also eine bessere Händedesinfektion.

Hände konsequent desinfizieren

Dieser Meinung ist man auch am Universitätsspital Basel, wo der Händedruck zwischen Arzt und Patient auch als wichtiger vertrauensbildender Akt verstanden wird. In Basel wird deshalb die Betätigung der Desinfektionsmittel-Spender an Orten mit hoher Keimbelastung elektronisch erfasst. Fallen Ungereimtheiten auf – wird der Spender zu wenig benutzt –, findet eine Kontrolle statt. Durch diese Massnahme ist die Betätigungsquote auf über 80 Prozent gestiegen.

Der Handschlag gehört in der Schweiz weiterhin zur Spitalroutine. Im Kampf gegen die gefährlichen Spitalkeime setzt man lieber verstärkt auf die korrekte Händedesinfektion, die auch fester Bestandteil der Ausbildung geworden ist.

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