Reparieren statt entsorgen – In Afrika noch nicht die Regel

In vielen Spitälern Afrikas werden defekte medizinische Geräte mangels Knowhow nicht repariert. Das kostet viel Geld und manchmal Menschenleben. Auch im tansanischen Gesundheitssystem ist die Wartung fast eliminiert worden. Ein Schweizer Projekt ist daran, dies zu ändern.

Blick in den Lager- und Schlafraum eines Zentrums für medizinische Bildgebung in Afrika, wo ein defektes Röntgengerät als Kleiderständer genutzt wird. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Defekte medizinisch Geräte verschwinden in Afrika mangels Wartung und Reparatur-Knowhow oft in Abstellkammern. SYLVAIN LIECHTI

Durch das Spital von Dodoma hallen ungewohnte Klänge: Ein Techniker repariert ein Beatmungsgerät in der Werkstatt. Sie ist spartanisch eingerichtet, aber es ist alles da, was Magige Magige für seine Arbeit braucht.

Wenige Monate zuvor lagen in diesem Raum noch Tuberkulose-Patienten, und das Spital hatte keinen Techniker. «Als ich die Stelle antrat, standen überall kaputte Maschinen herum», erinnert sich Magige. «Mehrere Operationslichter funktionierten nicht. Eine Schwester musste den Chirurgen das Operationsfeld mit einer Taschenlampe ausleuchten.»

Sterilisator kaputt: Zwei Wochen lang keine Operation

Magige brachte alle Lichter in Schuss. Aber bald passierte das nächste Malheur, berichtet die Chefärztin des Spitals, Zainab Chalua. Sie erzählt es in aller Ruhe, sichtlich abgebrüht von zahlreichen Pannen, überfüllten Krankensälen und gelegentlichen Ausbrüchen von Typhus. «Vor einem Monat ging der Sterilisator kaputt. Wir konnten keine Operationsbestecke und -kleidung mehr sterilisieren. So stoppten wir die chirurgischen Eingriffe. Zwei Wochen lang.» Zwei Wochen lang keine Operation im wichtigsten Spital der Region. Bis Techniker Magige die Ersatzteile besorgt hatte.

Bevor Magige angestellt war, hätte eine solche Reparatur mindestens einen Monat gedauert, sagt der Entwicklungsexperte Ally Kebby vom Projektteam des Swiss TPH. Das Team will das Gesundheitssystem der Region stärken und hat die Werkstatt im Spital von Dodoma eingerichtet. «2012 gab es in ganz Tansania zwölf Medizinaltechniker. Alle Gesundheitseinrichtungen der Region Dodoma waren abhängig von einer Werkstatt in der Metropole Dar es Salaam, die 300 Kilometer entfernt liegt.» Eine Werkstatt, die chronisch unterbesetzt ist und kaum Mittel und Autos hat, um Geräte oder Techniker zu transportieren.

Lehrgänge für Medizinaltechniker

Die Wartung sei fast eliminiert worden im tansanischen Gesundheitssystem, sagt Ally Kebby. Das Team des Swiss TPH reanimiert sie wieder. Die Experten konnten das zuständige Ministerium davon überzeugen, an zwei Hochschulen Lehrgänge für Medizinaltechniker einzurichten. Die Spitäler in der Projektregion Dodoma haben zudem eine eigene Werkstatt erhalten und einen Techniker wie Magige Magige.

Stolz zeigt er seine Werkzeuge und die Maschine, die er gerade repariert: «Das ist ein Beatmungsgerät. Es lieferte keinen Sauerstoff mehr. Ich habe es zerlegt und den Fehler gefunden: die Mechanik harzte. Ich musste sie nur etwas schmieren.»

«  In anderen Spitälern verrotten teure Geräte, nur weil ein kleines Teil kaputt gegangen ist. »

Issack Kaneno
Verwaltungschef des Spitals von Dodoma

Issack Kaneno, Verwaltungschef des Spitals von Dodoma: «Durch die Wartung sparen wir viel Geld. In anderen Spitälern verrotten teure Geräte, nur weil ein kleines Teil kaputt gegangen ist.» Oft gibt es in einem solchen Fall keinen Ersatz: Ein neues Gerät wäre viel zu teuer. Selbst für Reparaturen sei oft kein Geld da, klagt der Verwaltungschef.

Wie zum Beispiel jetzt gerade. Chefärztin Zainab Chalua schildert die missliche Lage: Das Diagnoselabor hat keinen Strom, weil Strassenarbeiter aus Versehen die Leitung gekappt haben. Nun muss das Spital erst Geld auftreiben, um das Kabel zu reparieren. «Immerhin», sagt die Chefärztin, «die einfachen Diagnostests, die ohne Strom auskommen, die kann man ja noch machen.»

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