Wird der Medikamenten-Mangel zur Norm?

Immer wieder kommt es vor, dass gewisse Medikamente plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Lieferengpässe sind in der Schweiz kein neues Phänomen. In diesem Jahr hat sich die Situation jedoch zugespitzt. Die vorübergehende Verknappung des Grippe-Impfstoffes ist nur eines von zahlreichen Beispielen.

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Lieferengpässe bei Medikamenten

5:46 min, aus Puls vom 12.11.2012

Wer ein Medikament benötigt, holt sich dieses im Normalfall in der Apotheke. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit wird vorausgesetzt, dass dort jedes Medikament sofort verfügbar ist. Manchmal muss der Apotheker das verlangte Produkt zuerst bestellen, spätestens am nächsten Tag ist das Medikament abholbereit.

Doch immer wieder - und in den letzten Monaten häufiger - kann der Apotheker nicht bestellen: Das gewünschte Medikament ist schlicht nicht mehr lieferbar.

Forderung nach Meldesystem

Für das Entstehen von Lieferengpässen gibt es verschiedene Ursachen wie Qualitätsprobleme bei der Rohstoff- und Arzneimittelproduktion, gestiegene Nachfrage und wachsender Kostendruck.

Auch Spitalapotheken sind immer wieder von Medikamentenengpässen betroffen. Besonders schwierig war die Situation vor ein paar Monaten, als gewisse Krebsmedikamente nicht mehr verfügbar waren. Zwar konnte die Situation mit dem Ausweichen auf Ersatzmedikamente aufgefangen werden. Für die betroffenen Spitalapotheken bedeutete dies aber ein grosser Mehraufwand. Spitalapotheker fordern nun ein Meldesystem: Pharmafirmen sollen gezwungen werden, frühzeitig über drohende Medikamentenengpässe zu informieren.

Zurzeit wird auf Bundesebene über ein solches Meldesystem diskutiert, Anfang Jahr wollen die zuständigen Stellen mit der Pharmaindustrie über eine mögliche Umsetzung sprechen. Doch schon jetzt ist klar: Alle Probleme wird auch ein solches Meldesystem nicht lösen können: Vielfach entstehen Medikamentenengpässe sehr kurzfristig, gerade Qualitätsprobleme bei den Rohstoffen sind auch für die Pharmafirmen nicht absehbar.

Begrenzte Pflichtlager

Von gewissen Medikamenten unterhält die Schweiz sogenannte Pflichtlager. Dies betrifft aber nur Antibiotika, «Tamiflu», Insulin und in Zukunft Tuberkulose-Medikamente. Zuständig dafür ist das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung .

Doch auch Pflichtlager sind begrenzt, sie reichen je nach Medikament zwischen drei bis sechs Monate. Aktuell wird darüber diskutiert, ob die Armeeapotheke ausgebaut werden soll. Diese könnte gewisse Medikamente im Krisenfall selber herstellen.

Freier Markt

Abgesehen von Preisregulierungen unterliegen Medikamente dem freien Markt. Den Herstellern bleibt selbst überlassen, wann sie welches Produkt herstellen und welche sie vom Markt zurückziehen. Niemand kann die Hersteller zur Produktion bestimmter Medikamente zwingen. Es gibt in der Schweiz keine Versorgungsgarantie und Fachleute sind sich einig, dass Medikamentenengpässe in Zukunft weiter zunehmen werden.

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