Menopause – Hormonersatz ja oder nein?

Die Hormontherapie in den Wechseljahren ist in den letzten zehn Jahren im Zusammenhang mit erhöhtem Brustkrebsrisiko immer wieder in die Schlagzeilen geraten. In der Zwischenzeit werden Hormonbehandlungen jedoch differenzierter evaluiert und verabreicht.

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Hormonersatz ja oder nein?

15 min, aus Puls vom 28.3.2011

Jede Frau kommt irgendwann in ihrem Leben in die Wechseljahre. In diesem Zeitraum verliert sie ihre Fortpflanzungsfähigkeit, der Vorrat an Eizellen geht zur Neige und die Eierstöcke beginnen langsam, aber stetig die Hormonproduktion einzustellen. Dieser natürliche Vorgang geschieht nicht über Nacht, sondern dauert teils mehrere Jahre. Bei manchen Frauen beginnen die Wechseljahre schon Ende Dreissig, bei anderen erst mit über fünfzig Jahren. Mit der letzten Periodenblutung, der so genannten Menopause, enden die Wechseljahre.

Der Mangel an körpereigenem Östrogen und Gestagen macht vielen Frauen in den Wechseljahren zu schaffen: Rund jede dritte Frau hat so starke Beschwerden, dass sie den Frauenarzt aufsucht. Vor allem starke Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, Schwindel, trockene Schleimhäute und Gereiztheit, bis hin zu schweren Depressionen mindern die Lebensqualität.

Hormonersatztherapie und Risiken

Lange Zeit galt die Hormontherapie als Zaubermittel, um typische Wechseljahresbeschwerden zu lindern; gleichzeitig sollte sie Osteoporose (Knochenschwund) und Herzinfarkten vorbeugen. Seit 2002 haben diverse grossangelegte Studien aber für grosse Verunsicherung gesorgt. Sie zeigten, dass Hormonersatzpräparate das Risiko für Brustkrebs, Thrombosen und Schlaganfälle erhöhen. Die Einnahme von Hormonersatzpräparaten wurde nicht mehr empfohlen. Seitdem ging in der Schweiz der Verbrauch an Hormonmedikamenten um rund 50 Prozent zurück.

Heute werden erst nach einer differenzierten Abklärung und einer Nutzen-Risiko-Abschätzung Hormone verschrieben. Generell gilt die ärztliche Regel, eine Hormontherapie so kurz und so niedrig dosiert wie möglich einzusetzen. Dazu kommen jährliche Kontrollen, bei denen die Hormontherapie immer wieder neu evaluiert wird.

Wann ist der Verzicht auf eine Hormonersatztherapie angezeigt?

Bei folgenden Symptomen oder Krankheiten sollte keine Hormontherapie durchgeführt werden:

  • Ungeklärte Blutungen aus der Vagina
  • Brustkrebs
  • Gebärmutterkrebs
  • Bestehende Thrombose oder Lungenembolie
  • Entfernte Gebärmutter

Vorsichtig sollte man auch sein, wenn eine der Krankheiten in der nächsten Familie gehäuft vorkommt.

Alternativen zur Hormonersatztherapie

Frauen, die ganz auf Hormone verzichten müssen oder möchten, können leichtere bis mittlere Beschwerden auch mit Hilfe von Akupunktur, Phytopharmaka (Pflanzenheilmittel aus Soja, Rotklee oder Traubensilberkerze) oder sportlicher Betätigung wie Hormon-Yoga oder Pilates angehen.

  • Hitzewallungen und Schweissausbrüche: Regelmässige Bewegung, Sauna oder Wechselduschen können die Beschwerden lindern. Der Erfolg ist jedoch individuell kaum vorherzusagen, denn Belege zur Wirksamkeit fehlen, ebenso für die Wirkung von Akupunktur oder Yoga. Guter Tipp: Tagsüber hilft es, sich nach dem Zwiebelschalenprinzip anzuziehen, sodass man Schicht um Schicht ablegen kann. Für die Nacht ein Nachthemd zum Wechseln und eine zweite, dünnere Decke bereitlegen.
  • Schlafstörungen: Abends keinen Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol oder Cola mehr trinken, sowie nicht schwer oder zu stark gewürzt essen. Das Schlafzimmer gut lüften. Vor dem Zubettgehen ein Bad nehmen, warme Milch oder milden Tee trinken. Und auch hier gilt: Genug Bewegung. Wenn die Hausmittelchen nichts nützen, hilft vielleicht ein wenig Baldrian.
  • Stimmungsschwankungen, Depressionen: Auch hier wirkt sich Bewegung positiv aus. Verschiedene Entspannungstechniken von Yoga bis hin zur Meditation können ebenfalls helfen. Bei leichten Verstimmungen kann zudem Johanniskraut nützlich sein. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Haut während der Behandlung lichtempfindlicher ist.