Migräne – Die ständige Angst vor der nächsten Attacke

Viele Menschen leiden unter Migräne, und Kopfschmerz-Attacken beeinträchtigen ihre Lebensqualität. Medikamente lindern die Beschwerden bei vielen, aber heilbar ist das Leiden nicht. Daher sind Migräniker ein gefundenes Fressen für Anbieter von Therapien, die oft nicht halten, was sie versprechen.

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Migräne - Was hilft?

18 min, aus Puls vom 2.2.2015

Migräne-Attacken überfallen Hunderttausende in der Schweiz: 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Zwischen Pubertät und Menopause haben dreimal mehr Frauen Migräne als Männer. Vorher und nachher tritt das Leiden bei beiden Geschlechtern gleich häufig auf.

Das Rätsel «Migräne» ist bis heute nicht restlos entschlüsselt. Sicher ist, dass es eine genetische Veranlagung für Migräne gibt.

Auch steht fest, dass die Gehirne Betroffener übermässig auf äussere Reize reagieren. Dies erklärt auch die breite Symptom-Palette bei Migräne-Attacken, die sich nicht bloss auf den Schmerz beschränkt.

Medikamentöse Behandlung

Für die Akuttherapie eignen sich: klassische Schmerzmittel, spezielle Migräne-Medikamente (Triptane) und Antibrechmittel. Klassische Schmerzmittel können mit Triptanen kombiniert werden. Die Medikamente wirken bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen. Wichtig:

  • Entscheidend ist eine möglichst frühe Einnahme, in richtiger Dosierung, wenn erste Anzeichen einer Attacke auftreten.
  • Vorsicht Übergebrauch: Ab 10 Tagen pro Monat droht chronischer Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch!
  • Für Jugendliche ab 12 Jahren ist nur ein Triptan-Präparat zugelassen (Sumatriptan).
  • Gewisse Vorerkrankungen, z.B. Schlaganfall und Herzinfarkt, können Kontraindikationen für Triptane sein.

Eine medikamentöse Basistherapie kann Häufigkeit und Heftigkeit der Migräne-Attacken verringern. Zum Einsatz kommen zum Beispiel: Betablocker, AT-II-Antagonisten, Antidepressiva, Magnesium, Riboflavin, Coenzym Q10.

Weitere Therapien

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Ausdauersport und Migräne

Das Universitätsspital Basel führt eine Migräne-Sport-Studie durch, gemeinsam mit dem Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel. Für diese Studie werden Mitwirkende gesucht.

Mehr Informationen und Kontakt im Info-Flyer.

Botox-Behandlung Die Wirksamkeit von Botulinumtoxin-Spritzen wurde in Studien belegt. In der Schweiz ist Botox für Migräne-Behandlungen aber nicht zugelassen. Die in Abständen zu wiederholende Behandlung ist daher teuer für die Patienten und nur bei chronischer Migräne zu empfehlen.

Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) Unter die Haut implantierte Elektroden wirken auf die Hinterhauptnerven ein. Evidenz in einer Studie belegt, aber die Methode hat sich noch nicht etabliert. Nur für therapieresistente Patienten mit chronischer Migräne zu empfehlen, nur an einem universitären Zentrum durchführen lassen.

Akupunktur Ein prophylaktischer Nutzen ist in Studien belegt, evtl. auch im Akutfall wirksam.

Entspannungstechniken Ausprobieren kann sich lohnen, da Entspannung Stress abbaut und damit einem möglichen Migräne-Trigger entgegen wirkt.

Chirurgische Methoden Sie sind nicht anerkannt zur Migräne-Behandlung und müssen selbst bezahlt werden. Ausserdem sind sie invasiv, was immer auch Operationsrisiken mit sich bringt.

Phasen und Symptome bei Migräne

Typisch ist, dass Migräne in Phasen auftreten kann und dass die Schmerzattacke von anderen Beschwerden begleitet ist.

Stunden oder Tage vor der Migräne-Attacke können Vorboten auftreten, zum Beispiel in Form von Müdigkeit, Gereiztheit oder Heisshunger und extreme Lust auf Süsses.

Die Aura-Phase tritt bei einem Fünftel der Migräne-Patienten auf, unmittelbar vor der Attacke. Betroffene haben vorübergehende Sinnesstörungen. Sie sehen Zickzackbilder, haben blinde Flecken, oder empfinden Kribbeln oder Taubheit, oft in einem Arm.

Die Schmerz-Phase kann Stunden oder Tage dauern. Meist sind es pochende, einseitige Kopfschmerzen, die immer stärker werden. Die Schmerzen sind begleitet von Übelkeit und extremer Empfindlichkeit auf äussere Reize, wie Licht, Gerüche und Geräusche.

Tipps für Migräne-Betroffene

  • Auf regelmässige Mahlzeiten und einen regelmässigen Schlafrhythmus achten
  • Frauen: Auf östrogenhaltige Verhütungspillen verzichten und auf Progesteron-Monopräparate umstellen.
  • Bei sehr häufigen Migränetagen: Prüfen, ob ein Schmerzmittel-Übergebrauch die Ursache sein könnte (droht bei Schmerzmittel-Einsatz an zehn Tagen und mehr pro Monat. Entscheidend sind die Tage, nicht die Dosierung!).
  • Bei grossem Leidensdruck: Fachärztliche Hilfe suchen. Manche Spitäler oder Reha-Kliniken bieten Kopfschmerz-Sprechstunden oder sogar stationäre Aufenthalte an.
  • Medikamente korrekt anwenden, Präparate und Dosierung individuell anpassen
  • Ausdauersport hat möglicherweise eine vorbeugende Wirkung gegen Migräne

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