Und plötzlich schwankt die Welt

Laut Schätzungen klagt jeder zehnte Patient beim Arzt über Schwindel. Die Ursachen sind in der Regel harmlos, aber häufig schwierig zu finden. Und lästig ist er allemal.

Verzerrte Aufnahme eines Gitters. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schwindelanfälle haben meist eine harmlose Ursache, können den Alltag aber massiv beeinträchtigen. imago

Wenn sich die Welt dreht oder zu schwanken beginnt, ist das ein beklemmendes Gefühl. Zur Beruhigung: Ein besonders starkes Schwindelgefühl deutet nicht automatisch auf eine schwere Grunderkrankung hin. Vielmehr kann der Schwindel viele Ursachen haben, von harmlosen bis schwerwiegenden – welche, kann erst der Neurologe oder HNO-Arzt klären.

Die Ursachensuche ist schwierig, so häufig der Schwindel auch ist: Nach den Schmerzen ist Schwindel laut Schätzungen der zweithäufigste Grund für einen Arztbesuch. Eine eigene Erkrankung ist er nicht, sondern ein diffuses Symptom für ein anderes medizinisches Problem.

«Tritt ein ungewohnter Schwindel schlagartig und ausgeprägt auf, soll man den Arzt aufsuchen», sagt Alexander Tarnutzer, Facharzt für Neurologie am Unispital Zürich. Kommen Symptome wie Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen hinzu sollte man dies notfallmässig abklären lassen!

Nicht ganz so dringend, aber dennoch ratsam ist ein Arztbesuch, wenn die Welt länger als eine Woche lang schwankt oder der Schwindel häufig wiederkehrt. Vielfach erhalten Patienten dann erst einmal den Tipp, langsam aufzustehen, Stützstrümpfe zu tragen und darauf zu achten, ausreichend zu trinken.

Hilft dies nicht und weiss der Hausarzt nicht mehr weiter, bieten verschiedene grössere Spitäler Schwindel-Sprechstunden an, wo Betroffene interdisziplinär abgeklärt werden können. «Wir sehen vor allem die schwierigen Fälle und haben mit solchen Patienten viel Erfahrung», bestätigt Alexander Tarnutzer. «Dadurch sind wir in der Lage, die wichtigen und richtigen Fragen zu stellen und können auch zusätzliche Tests und Abklärungen durchführen.»

Verschiedene Schwindelformen

Nicht immer ist der Kreislauf verantwortlich. Ein Überblick über möglich Ursachen:

  • Etwa ein Fünftel der Schwindelgeplagten leiden an Lagerungsschwindel. Er tritt ein, wenn die Person ihre Lage verändert, sich beispielsweise im Bett umdreht oder ihren Kopf schnell wendet. Mit verschiedenen Übungen kann man versuchen, das Problem zu beheben.
  • Beim phobischem Schwankschwindel treten die Schwindelattacken immer nur in bestimmten Situationen auf – zum Beispiel in einer Menschenmenge oder vor einem Referat. Mit psychologischer Hilfe lässt sich das Problem jedoch in den meisten Fällen lindern oder lösen.
  • Darüber hinaus gibt es sogenannte zentral-vestibuläre Schwindelformen: Die meisten Betroffenen fühlen sich, als dreht sich die Welt oder als schwanke ihr Boden. Manchmal treten auch Sehstörungen oder Schielen auf. Dann muss man auf jeden Fall zum Arzt, denn es liegen wahrscheinlich Störungen im Gehirn vor, zum Beispiel wegen kleinerer Hirninfarkte, aber auch wegen Multipler Sklerose oder einem Tumor.
  • Auch Migräne kann der Grund für Schwindel sein – sogar bereits bei Kindern.
  • Beim Morbus Menière führt zu viel Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan zu einem Überdruck. Die Folge ist ein anfallsartiger und heftiger Schwindel mit Tinnitus oder Hörminderung auf einem Ohr. Die Erkrankung ist behandelbar.