Volkskrankheit Nierenstein

Nierensteine können zwar extrem schmerzhafte Koliken auslösen, sind aber meistens gut behandelbar. Bei fachgerechter Therapie sind Komplikationen selten.

Video «Fortschritte in der Nierenstein-Behandlung» abspielen

Fortschritte in der Nierenstein-Behandlung

16 min, aus Puls vom 25.1.2016

97 Prozent der Nierensteine werden in den Nieren und Harnleitern gefunden, ihre Grösse variiert zwischen wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Noch 1970 waren Männer drei Mal häufiger betroffen als Frauen, doch heute leiden gleich viele Frauen wie Männer an Nierensteinen.

Bis heute sind die genauen Ursachen für die Bildung von Nierensteinen nicht vollständig geklärt. Neben erblicher Vorbelastung und systemischen Erkrankungen scheinen verschiedene Faktoren eine Rolle zu spielen: Ernährung, Trinkverhalten, Lebensgewohnheiten, aber auch Umwelt und Klima.

Behandlungsmethoden

Nierensteine müssen erst dann behandelt werden, wenn sie im Harnleiter hängen bleiben und deshalb Koliken verursachen. Grundsätzlich stehen drei Methoden zur Verfügung:

  • Mit 3893 Eingriffen an erster Stelle steht die Ureterorenoskopie (URS), mit der die Steine endoskopisch durch die Harnleiter entfernt werden. Meistens wird cirka drei Wochen vor dem Eingriff der Harnleiter mit einem Stent (auch Doppel-Y-Katheter oder Pig Tale genannt) geschient, damit der Urin trotzdem abfliessen kann und der Patient schmerzfrei ist. Zu grosse Steine werden während des Eingriffes im Harnleiter mit Laser zerkleinert.
  • Mit 1350 Behandlungen pro Jahr steht die Extracorporeal shock wave Lithotripsie (EWSL / «Nierensteinzertrümmerer») an zweiter Stelle der Behandlungsmethoden. Dabei werden die Steine mit Stosswellen von aussen zertrümmert.
  • Und schliessliche die Percutane Nephrolithotomie (PCNL ): Die Steine werden per Schnitt durch die Haut direkt aus der Niere herausoperiert. In der Schweiz wurde diese Operation 2014 256 Mal durchgeführt.

Vorbeugen durch richtige Ernährung

Die Rückfallquote für Nierensteine ist hoch: Die Hälfte der Betroffenen bekommt innerhalb von zehn Jahren erneut Nierensteine. Für sie wird eine Anpassung der Ernährung empfohlen, die aber jeweils individuell mit dem Arzt abgesprochen werden sollte, da Nierensteine unterschiedliche Zusammensetzungen haben können.

Wichtig ist vor allem, genug zu trinken, das heisst, zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag. Alkohol, Kaffee und Tee sollten dabei aber nur in Massen konsumiert werden. Empfohlen wird zudem unter anderem eine Salz- und fettarme Ernährung.

Bei erhöhtem Risiko für oxalsäurehaltige Steine (Oxalatsteine) sollte auf oxalsäurereiche Lebensmittel wie Kakao (Schokolade), Rhabarber, Rote Bete, Spinat, Spargel, schwarzen Tee und Nüsse verzichtet werden.

Auch purinreiche Lebensmittel (Innereien, manche Fischsorten wie Heringe, Makrelen, Sardellen etc.) gilt es zu meiden, da Purine zu Harnsäure abgebaut werden und damit die Bildung von Harnsäure-Steinen begünstigen.

Wie immer empfiehlt sich zudem der Konsum von Gemüse und Obst , da sie den Harn basischer machen und Substanzen enthalten, welche die Nierenstein-Bildung hemmen.

Sendung zu diesem Artikel