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Körper & Geist Wie gefährlich sind Medikamente in der Schwangerschaft?

Aus Angst, ihr ungeborenes Kind zu schädigen, verzichten werdende Mütter häufig darauf, ihre Beschwerden zu behandeln. Dabei gibt es gegen praktisch jedes Leiden ungefährliche Therapiemöglichkeiten.

Legende: Video Medikamente in der Schwangerschaft abspielen. Laufzeit 16:00 Minuten.
Aus Puls vom 26.08.2013.

Medikamente werden nur dann in der Schweiz für den Markt zugelassen, wenn Studien den Nachweis ihrer Wirksamkeit belegen. Da Medikamente bis heute nicht durch offizielle von den Behörden vorgelegte Prüfkonzepte an Schwangeren getestet werden, sind sie auch nicht speziell für sie zugelassen. Zur Absicherung warnen deshalb die Hersteller werdende Mütter im Beipackzettel vor dem Gebrauch – im mildesten Fall heisst es dort: «Nicht ohne Absprache mit dem Arzt oder Apotheker einnehmen.»

Off-Label-Use

Dennoch werden natürlich auch Schwangere bei Bedarf medikamentös behandelt, im sogenannten Off-Label-Use. Heisst: Die Medikamente sind zwar für die Krankheit zugelassen, aber nicht explizit auch für werdende Mütter. Ärzte und Apotheker verlassen sich dabei auf jahrelange positive Erfahrungen und auf die klinische Forschung mit den grösstenteils sehr alten Heilmitteln. Beides bietet die Grundlage für sogenannte Positivlisten, mit denen Ärzte und Apotheker im Alltag arbeiten können.

An Verbesserungen dieser Rahmenbedingungen ist auch der Forschung sehr gelegen: «Für die Zukunft möchten wir uns für unsere Patientinnen und für alle Versorger (Ärzte, Apotheker) von den Behörden anerkannte Prüfkonzepte wünschen, damit Medikamente offiziell für Schwangere zugelassen bzw. empfohlen werden können», hält etwa Ursula von Mandach, Präsidentin der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für perinatale Pharmakologie, fest.

Grundregeln für den Umgang mit Medikamenten

Bis es soweit ist, ist die Situation für Patientinnen jedoch weiterhin unübersichtlich. Ein paar Grundregeln können helfen, ohne Angst und schlechtes Gewissen gut durch die Schwangerschaft zu kommen:

  • Nie ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker Medikamente einnehmen, auch keine altbewährten.
  • Auf die Dosierung achten. Generell gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
  • Eine ärztlich verschriebene Behandlung nicht einfach ohne Rücksprache mit dem Arzt abbrechen; es gibt Krankheiten, die für das Kind schädlicher sind als deren Behandlung, z. B. eine Schwangerschaftsvergiftung, psychiatrische Erkrankungen oder manche Infektionen.
  • Wer bereits vor der Schwangerschaft regelmässig Medikamente einnehmen muss, sollte offen mit seinem Arzt über einen allfälligen Kinderwunsch reden.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Natuerlich sind die meisten Medikamente an "schwangeren" Tieren getestet worden und man weis eigentlich sehr gut, welche Medis Teratogen sind und welche nicht. Andernseits Tiere sind keine Menschen und so bleibt schon gewisse Zurueckhaltung. Da die meisten Unpaesslichkeiten von selbst heilen, wuerde sich eine Behandlung ausschliesslich in schweren Faellen aufdraengen, sogar auch um des Schutzes des Ungeborenen wegens!
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  • Kommentar von E. S., Zürich
    Ich bitte Sie etwas sorgfältiger zu formulieren: eine psychiatrische Erkrankung kann für das Kind nur gefährlich sein, wenn die Mutter deswegen mit Medikamenten behandelt wird!
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      @ES in ZH und SF In der Psychiatrie werden psychisch kranke Menschen behandelt.. also solche, die unter einer psychischen Erkrankung leiden ...oder? Und nicht einer psychiatrischen Erkrankung. oder ist eine psychiatrische Erkrankung eine Folge der Behandlung durch einen Psychiater...urghhh ? Oder meine Deutschkenntnisse bitterlich im Argen? ;-) (Gestehe, in unserem Sprachtohuwabohu >engl, afrikans, sizwazi und swiss< habe ich viel an Sprachkultur verloren!)
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    2. Antwort von E.S., Zürich
      @nanni, ... im Gegenteil Sie haben nicht an Sprachkultur verloren, sondern sogar eine sprachliche Feinheit entdeckt, die mir selbst in diesem Zusammenhang nicht einmal aufgefallen ist, aber nebst meiner Kritik, etwas auf den Punkt bringt, um den es hier zwar nicht geht, aber als solches tatsächlich der Fall sein kann: Erkrankung als Folge einer Behandlung durch einen Psychiater. Danke für den Hinweis.
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