Augen auf beim Laufschuhkauf

Jeder Jogger benutzt einen anderen Laufschuh. Hart, stabilisierend, weich oder mit dünner Sohle: Für jeden Läufer ist eine andere Beschaffenheit ideal. Massgeblich sind Muskulatur und Fussstellung.

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Barfuss-Laufschuhe

6:18 min, aus Puls vom 7.4.2014

Die Palette an Laufschuhen ist so bunt wie unübersichtlich. Der individuell passende Schuh ist nicht leicht zu finden. Kein Wunder, dass viele Läufer einem Modell dann so lange die Treue halten, wie er auf dem Markt ist. Irgendwann jedoch hat selbst der beste Laufschuh ausgedient. Asphaltläufer erreichen diesen Moment schneller als Waldläufer, deren Schuhe vor allem im Gelände zum Einsatz kommen. Auch der Schuhtyp bestimmt die Lebensdauer: Stabile Allrounder halten mehr aus als ultraleichte Wettkampfschuhe. Und nicht zuletzt spielen auch Eigenheiten des Trägers eine Rolle: Schwere Läufer beanspruchen das Material mehr als leichte. Sportler mit Fussfehlstellungen nutzen ihr Material ungleichmässiger und schneller ab. Als Richtwert gilt: In der Regel halten Laufschuhe zwischen 600 (für leichte Wettkampfschuhe) und 1000 Kilometer (für stabile Allroundschuhe).

Barfuss oder gut gepolstert

Wie wichtig das richtige Schuhwerk ist, zeigt eine Studie der University of Virginia. Amerikanische Forscher schickten 68 Läufer mit Schuhen oder barfuss aufs Laufband und prüften die Belastung ihrer Gelenke. Es zeigte sich: Zwar stützten die Laufschuhe den Fuss gut, für Knie und Hüfte bedeutete das aber vielfach eine Mehrbelastung. Die Knie wurden gegenüber dem Barfusslaufen um bis zu 38 Prozent, die Hüfte sogar um bis zu 54 Prozent stärker beansprucht. Natural-Running-Schuhe, die in den letzten Jahren in Mode gekommen sind, sollen das natürliche Laufgefühl unterstützen. Doch eine kürzlich veröffentliche Studie zeigte auf, dass auch geübte Läufer mit gut gedämpften Schuhen weniger Beschwerden bekommen als Läufer mit Natural-Running-Schuhen. Sportmediziner sehen die Entwicklung des barfussnahen Laufens zwar positiv, doch warnen sie gleichzeitig, solche Schuhe nicht für längere Strecken beim Joggen einzusetzen.

Das zeigt: Welcher Laufschuh individuell am besten ist, ist nicht zuletzt Geschmackssache. Nach Expertenempfehlungen eignen sich Natural-Running-Schuhe für längere Laufstrecken jedoch eher weniger. Wer sie zum Sport einsetzt, sollte seinen Bewegungsapparat zuerst Schritt für Schritt an den neuen Schuh gewöhnen.

Senk- oder Hohlfuss?

Sinnvoll ist es deswegen, sich über individuelle Besonderheiten im Vornherein klar zu sein – beispielsweise, ob man zur Überpronation oder Supination tendiert. Bei der Überpronation knickt der Fuss nach innen ein, Gelenke, Bänder und Sehnen werden dadurch stark beansprucht. Oft sind Knick- oder Senkfüsse dafür verantwortlich. Manchmal, vor allem bei Laufanfängern, ist aber auch einfach der Stützapparat zu Beginn des Trainings noch schwach. Bei der Supination, die wesentlich seltener ist, geschieht genau das Gegenteil: Der Fuss knickt tendenziell eher nach aussen, zum Beispiel bedingt durch einen Hohlfuss.

Ob die Fussstellung normal ist, können schon die Fussspuren im Sand verraten: Ist der Fussabdruck sehr flächig und das Fussgewölbe nicht ausgespart, ist eine Überpronation wahrscheinlich. Sind vom Fussabdruck nur der äusserste Fussrand, Ferse und Vorderfuss erkennbar, handelt es sich wahrscheinlich um eine Supination. Normal ist ein Fussabdruck dann, wenn der Abdruck Ferse, gut die Hälfte der Fussfläche und den Vorderfuss zeigt. Für jeden Fall sind mittlerweile spezielle Modelle auf dem Markt. Zur genaueren Abklärung schicken viele Verkäufer ihre Kunden erst einmal aufs Laufband. Das ist aber noch keine Garantie dafür, dass der Schuh auch «in freier Wildbahn» gut sitzt: Versuche haben gezeigt, dass der Laufstil auf dem Band nicht dem im Gelände entspricht.

Darüber hinaus sinnvoll:

  • Laufschuhe am späten Nachmittag oder Abend kaufen, denn die Füsse dehnen sich über den Tag aus.
  • Wer häufig trainiert, sollte verschiedene Modelle tragen. Einseitige Belastungen können so vermieden werden.
  • Der Schuh sollte gut sitzen, zwischen längster Zehe und der Schuhspitze sollte ein Daumen breit Platz bleiben.
  • Sportschuhe verlieren nach 600 bis 1000 Kilometern etwa 50 Prozent ihrer Dämpfungsfähigkeit. Abhängig ist dies unter anderem vom Gewicht des Sportlers und auch vom Untergrund. Zusätzlich werden Schuhe im Laufe der Zeit immer härter, da die Schäume in der Sohle altern. Nach 1000 bis 1200 Kilometern haben die meisten Laufschuhe ihr Soll erfüllt.
  • Beschleunigt wird der Alterungsprozess, wenn die Schuhe in der Sonne stehen oder in der Waschmaschine gereinigt werden. Als Faustregel gilt, dass man Schuhe einmal im Jahr wechseln sollte. Sportler, die mehr als 20 bis 30 Kilometer pro Woche laufen, verwenden ohnehin meist mehrere Schuhe parallel.