Beziehungen machen unsportlich

Wer als Paar zusammenlebt, treibt weniger Sport als Singles. Verheiratete bewegen sich gar noch weniger. Zeitmangel könne dies nicht erklären, sagen die Forscher – und präsentieren eine andere Hypothese.

Video «Beziehungen machen sportfaul» abspielen

Beziehungen machen sportfaul

1:52 min, aus Puls vom 10.2.2014

Bewegung ist gesund – dass ist bekannt. Doch nun haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg eine erstaunliche Korrelation zutage gefördert: Wer in einer Beziehung lebt, treibt weniger Sport. Die Lust auf Bewegung vergeht insbesondere, wenn die Partner zusammenleben, und erst recht, wenn sie verheiratet sind.

Nicht etwa der altbekannte Zeitmangel hindert Paare am Sport. Die Wissenschaftler gelangen zu einer anderen Erklärung. «Männer und Frauen in stabilen Partnerschaften müssen ihre körperliche Attraktivität nicht mehr auf dem Heiratsmarkt unter Beweis stellen», sagt Ingmar Rapp. Der Soziologe und seine Kollegen haben ihre «Heiratsmarkt-Hypothese» in der Fachzeitschrift «Social Science & Medicine» publiziert. Die Untersuchung stützt sich auf Daten von 11‘600 Männern und Frauen, die seit 19 Jahren zu verschiedenen Themen befragt werden.

Das Resultat der Studie ist eine Herausforderung für Sozial- und Präventivmediziner: Wie hält man Paare vermehrt auf Trab? Ein Lichtblick für Sportförderer: In Partnerschaften lebende Männer ab etwa Mitte 50 werden wieder etwas aktiver. Das könnte nach Ansicht der Forscher daran liegen, dass die Frauen sich um die Gesundheit des Mannes sorgen und ihn eher zur Bewegung motivieren. Umgekehrt scheint dies nicht der Fall zu sein: Bei Frauen führt die Ehe bis ins hohe Alter dazu, dass sie weniger Sport treiben.