Doping für alle

Vom Power-Riegel zum isotonischen Getränk, vom Eiweiss-Mix zur designten Nahrungsergänzung: Der Hang zu leistungssteigernden Mitteln ist nicht auf Spitzensportler beschränkt.

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Doping für alle

4:25 min, aus Puls vom 23.8.2004

Olympische Spiele: Die Menschen jubeln strahlenden Siegerinnen und Siegern zu. Schneller, höher, weiter. Alle vier Jahre neue Rekorde zu liefern, dafür brauchen die Athleten Kraft, viel Training – und manchmal auch Doping. Überführte Doping-Sünder ernten Spott und Verachtung. Die Zuschauer wollen saubere Spiele.

Vor Athen wurden bei olympischen Sommerspielen seit dem Beginn der Kontrollen 1968 in Mexico-City insgesamt 58 Sportler des Dopings überführt. Dazu kommt eine weitaus grössere Zahl derjenigen, die entweder vor Olympia positiv getestet wurden oder aus Angst vor Kontrollen auf einen Start verzichteten – wie 27 chinesische Athleten vor den Spielen 2000 in Sydney. Oder der Schweizer Radrennfahrer Ösi Camenzind vor Athen 2004.

Doch auch viele Hobby- und Freizeitsportler wollen ihre eigenen körperlichen Grenzen nicht akzeptieren: Für 50 Millionen Franken pro Jahr werden in der Schweiz Aufbaupräparate, Power-Riegel und Energy-Drinks gekauft. Tendenz steigend. Kaum im Fitness-Center angekommen, wird Energie zugeführt. 20 Minuten Ausdauertraining auf dem Cross-Trainer? Bei vielen geht ohne isotonisches Getränk und Power-Riegel gar nichts.

«In den meisten Fällen ist diese Art von Energiezufuhr völlig unnötig», sagt der Zürcher Sportmediziner Dr. René Zenhäusern. «Trainings von weniger als einer Stunde kann unser Körper problemlos aus eigener Kraft bewältigen. Zusätze brauchen nur diejenigen, die ihre Leistung in langen Trainings verbessern wollen.» Experten empfehlen, bei Kurz-Trainings lediglich den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren. Dafür reicht Leitungswasser oder wenig gesüsster Tee. Wer sich nach dem Training ausgepowert fühlt, ist z.B. mit einer Banane bestens bedient. Die gibt genug Energie und ist erst noch viel günstiger.

Gefährlich kann’s bei Kindern werden: «Oft werden schon die Jüngsten mit hochdosierter Ergänzungsnahrung gefüttert», sagt Martial Saugy vom Lausanner Doping-Labor. «Dies kann in ihren Wachstumsprozess eingreifen und ist deshalb gefährlich!»

Wenn Fitness dick macht

Was viele nicht wissen: Power-Snacks haben sehr viele Kalorien. Das macht Sinn – schliesslich sollen sie Energie geben. Doch während einer Fitness-Einheit von 45 Minuten verbraucht der Körper meist weniger Kalorien als durch den Kraft-Riegel zugeführt werden. In solchen Fällen kann Training sogar dick machen!
Energy-Drinks bergen dieselbe Gefahr: Um die Wirkstoffe schnell ins Blut zu bringen, sind die Getränke stark gesüsst – keine Spur von «light»!

Wer seinen Körper intensiv aufbauen will, kann über die Ernährung natürlich sehr viel erreichen. Es lohnt sich aber, in solchen Fällen mit einem professionellen Ernährungsberater zusammen zu arbeiten. Er weiss, welche Substanzen wie wirken und in welchen Mengen sie eingenommen werden sollen. Und: Nahrungsergänzende Präparate sind nur ein Teil der Strategie. Auch die normale Ernährung muss umgestellt werden, um das Optimum zu erreichen.